Film im Deutschunterricht


Kön­nen wir nicht mal wieder ‘nen Film guck­en?” lautet eine häu­fige Frage von Schü­lerin­nen und Schülern. „Film guck­en“ ist gle­ich „chillen“ so die ein­fache Über­legung. Diese gün­stige Aus­gangslage lässt sich nutzen, um im Deutschunter­richt inten­siv an schwieri­gen The­men wie z. B. Außen­seit­er­po­si­tio­nen in der Gesellschaft oder Jugendge­walt zu arbeit­en. In der Verbindung Film mit Buch gelingt manch­es Mal sog­ar Lese­förderung – qua­si neben­bei.

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Film­plakat “Knall­hart” (© Lichtrausch/filmposter-archiv.de)

Als ein Beispiel kann der 2004 erschienene Roman Knall­hart von Gre­gor Tess­now gel­ten. In ihm wird in klaren Worten die Geschichte des fün­fzehn­jähri­gen Michael beschrieben, der durch den Umzug von Berlin-Zehlen­dorf nach Neukölln in eine ihm fremde Welt voller Gewalt gerät, in der er ver­sucht sich zu behaupten. Schon der Roman mit sein­er direk­ten Art und schnörkel­losen Sprache ver­mag Schüler anzus­prechen, die sich anson­sten einiges auf ihr Nichtle­ser­tum zugute hal­ten. Die Prob­leme Michaels, der von den Erwach­se­nen allein gelassen wird und sich so mit der einen Seite der Gewalt ver­bün­det, um der anderen zu entkom­men, knüpfen an die Lebenswelt viel­er junger Män­ner an.

Der Film tut dies in ver­stärk­tem Maße. Detlev Buck hat die Hand­lung 2006 an authen­tis­chen Schau­plätzen ger­adlin­ig und ein­dringlich insze­niert. Die Aufmerk­samkeit in der Klasse ist hoch, beson­ders wenn Gewalt vor Augen geführt wird. Die Schü­lerin­nen und Schüler lei­den sicht­bar mit, etwa wenn Michael mit einem Eimer über dem Kopf in ein­er Tief­garage sitzt und darauf wartet, dass sein Gegen­spiel­er diesen Eimer bei einem makabren Blinde-Kuh-Spiel mit dem Base­ball-Schläger trifft. „Voll krass!“ – solche Kom­mentare bilden die Grund­lage, um hin­ter­her ins Gespräch zu kom­men: über Michaels Lage, über die Sit­u­a­tion im eige­nen Stadtvier­tel.

Von Vorteil ist auch die Kom­bi­na­tion von Buch und Film, denn sie schärft den Blick der Schü­lerin­nen und Schüler für die Möglichkeit­en und Gren­zen des jew­eili­gen Medi­ums. Über die Lek­türe – beson­ders wenn sie mit pro­duk­tion­sori­en­tierten Meth­o­d­en unter­stützt wird – entwick­eln sie eigene Bilder und Ver­ste­hen­shy­pothe­sen. Diese bilden dann die Folie, vor der eine Auseinan­der­set­zung mit der filmis­chen Umset­zung stat­tfind­en kann. Gute Anre­gun­gen zu ein­er Analyse der Bilder­sprache bieten die Mate­ri­alien der Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung.

Als ein Baustein der Medi­enerziehung kann hier eine Sequenz ganz genau betra­chtet wer­den und den Schü­lerin­nen und Schülern das begrif­fliche Instru­men­tar­i­um an die Hand gegeben wer­den, damit sie die Wirkung der insze­nierten Bilder und Töne analysieren kön­nen. Denn in diesem Bere­ich man­gelt es den Dig­i­tal Natives häu­fig an Wis­sen und Reflex­ionsver­mö­gen.

Bei der Auseinan­der­set­zung mit Film und Buch bietet sich ein fachverbinden­des Arbeit­en an. Auf der Hand liegt die Verknüp­fung zum Fach Poli­tik, in dem das The­ma Gewalt mit all seinen Facetten fundiert behan­delt wer­den kann. Weit­er­hin kön­nen Infor­ma­tio­nen zum The­ma Jugend­krim­i­nal­ität und -gewalt recher­chiert und diese Ergeb­nisse disku­tiert wer­den.

Ein Tipp zum Schluss: Auch zu dem wun­der­baren Roman Scher­ben­park von Ali­na Bron­sky aus dem Jahr 2008 gibt es eine Ver­fil­mung. Sie ist gle­ich­falls sehr geeignet für den Unter­richt und vom Anspruch­sniveau etwas über „Knall­hart“ einzuord­nen.

Im Fol­gen­den haben wir für Sie Mate­ri­alien zum Down­load bere­it­gestellt, die Ihnen Anre­gun­gen geben, Buch und Film von “Knall­hart” im Unter­richt in einen sin­nvollen Zusam­men­hang zu brin­gen.

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Down­load: Mate­ri­alien Film Knall­hart (591.6 KiB)

ist Lehrerin für Deutsch und Sozialwissenschaften am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Bonn-Duisdorf.

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