In den entscheidenden Dingen auf uns selbst gestellt? – Lesarten des Romans „Der Trafikant“


Robert Seethaler dürfte Ken­nern zeit­genös­sis­ch­er Lit­er­atur spätestens seit seinem viel­gelobten Werk „Ein ganzes Leben“ – 2016 nominiert für den Mann Book­er Inter­na­tion­al Prize – ein Begriff sein. Sein 2012 erschienen­er Adoleszen­zro­man „Der Trafikant“ ist auf­grund der The­matik und Vielschichtigkeit ger­adezu prädes­tiniert für den Deutschunter­richt in der Ober­stufe.

Die in vier Hand­lungssträn­gen erzählte Geschichte des 17-Jähri­gen Franz, der 1937 aus dem kleinen Ort „Nuß­dorf“ in die Großs­tadt Wien kommt, um seinen Leben­sun­ter­halt in der Trafik eines Bekan­nten zu ver­di­enen, erlaubt eine Vielzahl von Lesarten, die für unter­richtliche Prozesse her­vor­ra­gend genutzt wer­den kön­nen.

Ablösung von der Mutter

Zunächst ein­mal knüpft der Roman an die Tra­di­tion des Adoleszen­zro­mans (z.B. „Der Fänger im Roggen“ oder „Der Step­pen­wolf“) an, der die Her­aus­forderun­gen des Erwach­sen­wer­dens the­ma­tisiert.  Mit dem Ver­lust des Zuhaus­es begin­nt für Franz ein neuer Lebens­ab­schnitt, in dem er — weit weg von der Mut­ter —  schnell lernt, selb­st­ständig Entschei­dun­gen zu tre­f­fen und sich in seinem neuen Leben­sraum, der Großs­tadt, zu ori­en­tieren.

Erste Liebe

Die Begeg­nung mit der Großs­tadt führt Franz schließlich auch zu der faszinieren­den Böh­min Anez­ka, die in ihm nicht nur sex­uelle Wün­sche, son­dern auch den Traum von der gemein­samen Zukun­ft weckt. Dass seine Träume und Ide­ale nicht die ihren sind, wird spätestens klar, als Franz erfährt, dass Anez­ka mit einem SS-Mann zusam­men ist.

Historische Hintergründe

Geschickt ver­webt Seethaler die fik­tionale Geschichte um Franz’ Erfahrungswelt mit ganz konkreten his­torischen Bezü­gen zum Wien in der Zeit des Nation­al­sozial­is­mus und macht durch den Blick des 17-Jähri­gen die Auswirkun­gen von Gewalt und Repres­salien auf den All­t­ag deut­lich. Durch die beteiligten Fig­uren wer­den Möglichkeit­en des Umgangs mit dem poli­tis­chen Geschehen reflek­tiert.

Sigmund Freud als Wegbegleiter

Als jüdis­chen Intellek­tuellen lässt Seethaler Sig­mund Freud auftreten, dessen Exilgeschichte zumin­d­est am Rand aufge­grif­f­en wird. In erster Lin­ie wird Freud im Roman zum ungle­ichen Ver­traut­en für den ver­liebten Pro­tag­o­nis­ten. Über­fordert von seinen Ein­drück­en sucht Franz den Pro­fes­sor immer wieder auf, auch wenn dieser let­ztlich zugeben muss: „In den entschei­den­den Din­gen sind wir von Anfang an auf uns selb­st gestellt. Wir müssen uns immer wieder fra­gen, was wir möcht­en und wohin wir wollen.“

von: Sophia Drift­meier

Hinweis zu Sekundärliteratur: Sosna, Anette: Adoleszenz und Zeitgeschichte in Robert Seethalers Roman Der Trafikant. In: Literatur im Unterricht. Texte der Gegenwartsliteratur für die Schule. Hrsg. v. Anja Ballis und Klaus Maiwald. Trier: März 2014.1, S. 53-69.

Material für den Deutschunterricht

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Grafik zu Handlungssträngen aus Klausurtraining "Seethaler: Der Trafikant"
Lösungs­grafik zu Hand­lungssträn­gen aus Klausurtrain­ing “Robert Seethaler: Der Trafikant” ISBN 978–3-12–352537-7 (Ernst Klett Ver­lag GmbH, 2016)

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