Lesen statt Leseerziehung


Die Som­mer­fe­rien sind da, die Zeug­nisse der neun­ten Klasse sind vergeben. Der in mein­er Klasse einge­set­zte Ref­er­en­dar hat diese auch in der vor­let­zten Schul­woche noch mit ein­er Sequenz zu „Poli­tis­ch­er Lyrik“ begeis­tern kön­nen. „Search­ing for Sug­ar man“, die Doku­men­ta­tion über Six­to Rodriguez und seinen Song „Sug­ar Man“, der in den 70er Jahren zu einem Protest­song gegen die Apartheid in Südafri­ka wurde, hat den Schülern anscheinend gezeigt, dass Lyrik eine ganz unver­mutete Rel­e­vanz besitzen kann. Am let­zten Schul­t­ag hörten sie jeden­falls beim Aufräu­men im Klassen­z­im­mer „Sug­ar Man“ und erzählten mir, dass sie dieses Jahr den Deutschunter­richt wirk­lich gut gefun­den haben. So ver­ließ ich beschwingt meine mir ans Herz gewach­sene 9e.
Daheim erwarteten mich in mein­er Rolle als Vater die Zeug­nisse mein­er Kinder. Wie sich schon im Vor­feld abgeze­ich­net hat, sind diese sehr erfreulich aus­ge­fall­en. In den let­zten Wochen hat sich meine Tochter immer wieder in „meinen“ Stuhl geset­zt und den Impuls ihrer Deutschlehrerin der fün­ften Klasse aufge­grif­f­en. Die Buchvorstel­lun­gen ihrer Mitschü­lerin­nen und Mitschüler haben eine eigene Leseliste ergeben, ganz ver­sunken sitzt sie da und liest Buch für Buch. Gle­ich in der ersten Ferien­woche besuchen wir meinen Brud­er in Moskau, um – trotz des sparsamen Tick­ets, das uns auf 8 kg Handgepäck reduziert – den Leses­toff nicht aus­ge­hen zu lassen, gibt es für das Zeug­nis einen E-Read­er, auf den man Büch­er aus der Stadt­bib­lio­thek laden kann.
Den haben wir jet­zt ger­ade gemein­sam instal­liert und schon erste Titel geladen, Mag­dale­na hat dazu sog­ar die Anleitung gele­sen, wie das alles geht, und ist jet­zt ganz glück­lich, dass es so gut funk­tion­iert. Soviel zu Mäd­chen und Tech­nik.
Und mein Sohn ist als Erstk­lässler mit seinem Zeug­nis­geschenk auch hochzufrieden: der zweite Band von Snöfrid, der ger­ade her­aus­gekom­men ist. Der erste Band hat­te sich zu seinem Lieblings­buch entwick­elt, dreimal haben wir den schon vorge­le­sen, alle Fre­unde, auf deren Geburt­stage er ein­ge­laden wurde, haben dieses Buch geschenkt bekom­men. Und jet­zt der zweite Band — damit sind die Erstle­ser­fe­rien gefüllt. Hier sind ja ein/zwei Büch­er über die Ferien aus­re­ichend. Simon liest schon ein biss­chen in das erste Kapi­tel hinein. Dann meint er, dass er sich wün­scht, dass wir das auch wieder als Vor­lese­buch gemein­sam lesen.

Finde ich gut: Wie die Geschichte von Snöfrid und seinen Fre­un­den weit­erge­ht, inter­essiert mich ja auch. Und Vor­lesen und Selb­stle­sen kann man ja wirk­lich schön vari­ieren.

Ken­nen Sie schon das Lese­förder­pro­jekt “boys and books” mit den inter­es­san­ten Lesetipps speziell für Jun­gen? Hier erfahren Sie mehr dazu.
print

Peter Koch ist Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde und Seminarlehrer für Deutsch an einem Gymnasium in München.

alle Beiträge von Peter Koch
Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archiv