Guten Morgen. Morgen. Moin? – Schulstart für Einsteiger


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Wie ist der erste Schul­t­ag eigentlich als Ein­stieg in den Beruf als Lehrer oder Lehrerin? Der ehe­ma­lige Ref­er­en­dar Eric Häh­nel über seine ersten Stun­den als Lehrkraft und das Gefühl, als das neue Schul­jahr noch ganz frisch war.

Hier fängt die Geschichte an“ laut­en die ersten Worte Hilde­gun­st von Mythen­metz‘ in Wal­ter Moers Roman „Die Stadt der träu­menden Büch­er“. Schnörkel­los und deklar­a­tiv; jet­zt fan­gen wir an! So hätte ich heute gerne meine Stunde ges­tartet, aber das wäre nicht ehrlich gewe­sen, denn los geht es mit dem Unter­richt­en noch nicht.
Jedes Bun­des­land fol­gt auch beim Schul­start seinen eige­nen Regeln. In Nieder­sach­sen startete ich vor einem Jahr direkt nach den Som­mer­fe­rien mit dem Deutschunter­richt. Natür­lich hat­te ich mir auch einen kurzen Vorstel­lungssatz über­legt: Nicht zu spießig, nur bed­ingt per­sön­lich, vor allem witzig… und bevor ich etwas sagen kon­nte, fiel mir auch schon der erste Schüler in meine Über­legun­gen: „Haben Sie sich die Frisur eigentlich frei­willig aus­ge­sucht?“. Das Stun­den­klin­geln ver­schaffte mir einige Sekun­den Bedenkzeit: „Ich habe wed­er eine Wette ver­loren, noch höre ich Stim­men – was meinst du?“. Das Eis war gebrochen.
Mit­tler­weile trage ich keine Dread­locks mehr, aber ich muss mir auch keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich die ersten zehn Minuten vor dem eigentlichen Unter­richt­en fülle. Nein, es geht um eine ganze Vor­bere­itungswoche. Auf die heuti­gen sechs Klassen­leit­er­stun­den fol­gt mor­gen ein Tag zum The­ma Mob­bing, darauf ein­er zu neuen Medi­en, ein Kinobe­such in der zweit­en Fremd­sprache und wieder ein Tag mit „indi­vidu­eller Pla­nung durch den Klassen­leit­er“. Gut, dass das The­ma Mob­bing und neue Medi­en durch aus­gewiesene Experten betreut wird und ich hier nur kleine Zwis­chen­räume füllen muss. Aber ein biss­chen schade finde ich es doch, dass man mehrere Tage mit Organ­isatorischem, Belehrun­gen, Schul­buchaus­gabe und Posten­ver­gabe, mit Wir-Gefühl, Ein­stim­mung und Sozial­i­sa­tion ver­bringt, bevor es in der näch­sten Woche mit dem Fachunter­richt los­ge­ht.
Aber wenn wir Deutschlehrer ehrlich sind: Nur wenige Romane begin­nen in medias res. Oder wie Eco sagte: „Die ersten hun­dert Seit­en haben daher die Funk­tion ein­er Abbuße oder Ini­ta­tion, und wer sie nicht mag, hat Pech gehabt […]“ . Und so startet auch der Erzäh­ler in Moers Roman nicht mit der Haupthand­lung, denn dem Satz „Hier fängt die Geschichte an.“ fol­gt „Sie erzählt, wie […]“. Und dann wird berichtet, was man nun zu erwarten hat. Ganz wie in der Schule also.

Auf Los geht’s los oder Ken­nen­lern­runde – wie starten Sie ihr Schul­jahr? Schreiben Sie uns gern in den Kom­mentaren.

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Eric Hähnel unterrichtet an einem sächsischen Gymnasium das Fach Deutsch.

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