Ein Wintermärchen für die Schule


dgen_Gewinn_eisbrenner_150824
Tino Eisbrenner

Ein Romantiker war er, der Heinrich Heine. Die Poeme um geliebte und unmögliche Lieben, zarte Frauenfüße, perlende Tränen, süße und schmerzende Träume sind viel gelesen und oft vertont. Aber Heines immerwache Sinne, sein Gerechtigkeitsgefühl und das intensive Empfinden alles Lebendigen brachten schon frühzeitig auch eine scharfe Reflexion in sein Werk. Eine Reflexion seiner selbst und der Gesellschaft. Heine betrachtete nicht nur sich und seine Rolle als Dichter mit Ironie. Auch sein Deutschland, welches er insgeheim immer liebte, war erst Gegenstand romantischer Gedichte, später beißenden Spotts und harscher revolutionärer Kritik. Besonders dieser politische Heine hat es dem Musiker und Schauspieler Tino Eisbrenner angetan. „Heines romantische Gedichte sind schön“, so Eisbrenner. „Aber da winkt mir zu sehr der Heine, der nicht wusste, wie man die Liebe auch leben kann – ohne an ihr zu vergehen. Interessanter ist der Heine, der sich in die Gesellschaft mischte, den monarchistischen Dünkel mit scharfem Verstand angriff, aber auch die Verfechter der bürgerlichen Revolution, die sich eher als Vertreter der kleinbürgerlichen Revolte erwiesen.“

Tino Eisbrenner zieht es immer wieder an die Schulen. Im letzten Jahr erarbeitete er bereits ein Brecht-Programm in Schulstundenlänge. „Ich will den Lehrern helfen, gerade die klassischen Stoffe veranschaulichen zu können. Ich habe in meiner Jugend all die Klassiker der Weltliteratur gelesen und die großen Theaterstücke von Schiller, Goethe, Brecht, Tschechow, Rossow, Büchner … gesehen. Sie haben mein Weltbild geformt, meine Sprache geschult und meinen Blick auf die Geschichte. So profitiere ich immer noch geistig von der Reibung, von der Diskussion über die Ideale der Menschheit, die dem blanken Konsum und der Anhäufung von Privateigentum entgegenstand. Ich will der geistigen und körperlichen Vereinsamung etwas entgegensetzen. Als Vater, als Songschreiber, als Interpret klassischer Stoffe, deren Reichtum nicht mit meiner Generation verloren gehen darf.“

Foto: David Sünderhauf

print

Grit Kleindienst

arbeitet als Marketingmanagerin im Ernst Klett Verlag.

alle Beiträge von Grit Kleindienst

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihr Kommentar erscheint erst nach Freischaltung durch die Redaktion.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise

Archiv