Lesetipp: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken – ein Glücksfall für den Deutschunterricht


Bakterien, unter einem Mikroskop betrachtet
© Fotolia LLC (Sebastian Kaulitzki)

Die erste Liebe und die Suche nach einem verschwundenen Milliardär wären eigentlich schon Stoff genug für ein Buch. Aber da ist ja noch Azas Angst.

von Petra Breuer-Küppers

Aza hat das Gefühl, als sitze sie im Bus ihres Bewusstseins nicht am Steuer. Gedankenspiralen sorgen dafür, dass sie beim Essen in der Schulmensa z.B. nur noch an Bakterien in ihrem Innern denken kann, die ihr vielleicht den Tod bringen.

Zum Glück gibt es noch ihre beste Freundin Daisy, resolut und furchtlos, die mit Aza zusammen das Geheimnis um das Verschwinden des Milliardärs Russell Pickett aufklären will. Davis, dessen Sohn, kennt Aza noch aus ihrer Kinderzeit. Es entwickelt sich eine erste Liebe zwischen den beiden, die kompliziert ist, denn wie soll man unbeschwert küssen, wenn mitten im schönsten Gefühl auf einmal der Gedanke an Millionen von Mikroben, die von einem Mund in den anderen wandern, überhandnimmt? Und kommt Aza vielleicht nur wegen der Belohnung? Und klingt „verliebt“ wegen der Vorsilbe nicht so, als habe man beim Lieben einen Fehler gemacht?

John Green mutet seinen jungen Leserinnen und Lesern einiges zu: Ängste bis hin zu Panikattacken, selbstverletzendes Verhalten, ein Vater, dem seine Söhne egal sind und nicht zuletzt eine Sprache, die keine Angst vor Fremdwörtern hat, literarisch anspruchsvolle Zitate bringt und dennoch mitreißt und die Leser in die Handlung hineinzieht. Hier gibt es keine plumpe Anbiederung an die Jugendlichen, hier ist alles echt.

Für den Deutschunterricht, Ende der Mittelstufe ist das Buch auf jeden Fall eine Bereicherung. Mit den Protagonisten können sich die Schülerinnen und Schüler gut identifizieren, da Ängste, Selbstzweifel und das merkwürdige Gefühl erster Liebe in dieser Altersstufe Thema sind. Auch selbstverletzendes Verhalten kennen viele Jugendliche. Das Buch bietet Anlässe, darüber zu sprechen und zeigt Azas Weg, damit umzugehen.

Viele Sprachbilder laden zudem dazu ein, über die Schönheit von Sprache zu diskutieren und sie auf sich wirken zu lassen: „…weil meine Gedanken keine Linien, sondern ineinander verknotete Schleifen waren, Treibsand, Wurmlöcher, die alles Licht verschluckten.“

Mein Fazit: „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist ein bewegendes, mitreißendes Buch mit anspruchsvoller Thematik, das nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene schnell in seinen Bann zieht. Und ganz nebenbei ist es gespickt mit vielen Lerngelegenheiten. Ein Glücksfall für den Deutschunterricht.
Sind Sie interessiert? John Green, Autor des Bestseller-Romans „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, führt die Liste seiner erfolgreichen Jugendromane fort. Mehr über das 2017 erschienene Buch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ erfahren Sie hier. (externer Link)
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