Natur und Mensch: eine schaurige Beziehung


Wer die Thematik Natur und Mensch im Unterricht nicht nur auf die üblichen Gedichte begrenzen möchte, dem sei Franz Hohlers Erzählung Die Rückeroberung empfohlen.

Der Erzähler (und mit ihm der Leser/in) erlebt einen Alptraum, doch dieser entwickelt sich durch die ausgefeilte Erzähltechnik behutsam. So lässt sich beides verbinden: Ein heute höchst aktuelles Thema – die Zerstörung von Natur und Umwelt durch unsere moderne Zivilisation – und die Grundprinzipien des Fantastischen in der Kunst.

Worum geht es?

"Die Rückeroberung" von Franz Hohler (© Random House)
„Die Rückeroberung“ von Franz Hohler (© Random House)

In ganz langsamen, zu Beginn kaum auffälligen Schritten wird gezeigt, wie die Natur sich daran macht, den ihr geraubten Lebensraum von den Menschen zurückzuerobern. Eines Tages werden mitten in der Stadt Zürich Tiere gesichtet, die in der Alpenregion beheimatet sind. Nach und nach steigt die Population diverser Wildtiere an, was die Menschen zu vergeblicher Gegenwehr veranlasst. Weitere, nun gefährliche Wildtiere siedeln sich an und greifen ihrerseits die Menschen an. Bald greifen auch Pflanzen die städtische Infrastruktur durch unaufhaltsame Überwucherung an, zunächst sporadisch, dann – was besonders verstörend wirkt – durchaus gut organisiert…

Einsatz im Unterricht

Diese existenzielle Bedrohung wird durch das geschickte Ausspielen von Erfahrungs- und Fiktionsrealität, die ganz allmählich die Oberherrschaft erringt über die Lebenswelt der Menschen, für Schülerinnen und Schüler sehr direkt und intensiv erlebbar. Geradezu exemplarisch können die Grundbestandteile des Fantastischen vermittelt werden: Die außergewöhnliche Kombination von erfahrungsweltlichen Versatzstücken kreiert für den Leser eine neue, überraschende Wirklichkeitssicht, die dann ins Bedrohliche und Mysteriöse überhöht wird. Der Text bietet vielfältige Anreize zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Rolle des Menschen in der Natur, ist angesichts der Klimaproblematik höchst aktuell, spannend und gleichzeitig unterhaltend.

Unter ästhetischen Gesichtspunkten lässt sich nicht nur die für die Leseridentifikation nachhaltige Rolle des Ich-Erzählers, der im Übrigen im Verlauf des Textes immer mehr zum resignierenden Opfer wird, ausgezeichnet aufzeigen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren auch sehr viel über die Wirkweisen fantastischer Kunst und nicht zuletzt lässt sich thematisieren, wo im weiten Feld von „Fantasy“ die Grenze verläuft zwischen Kunst und Trivialität, wenn man Vergleiche zieht zu einschlägig bekannten Genres insbesondere der Kinoszene.

Franz Hohler: Die Rückeroberung
btb Verlag, Taschenbuch, 112 Seiten, € 7,99
ISBN: 978-3-442-74321-6

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war Deutsch-, Englisch- und Ethiklehrer an einem beruflichen Gymnasium sowie Fachberater für die Fächer Deutsch und Englisch.

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