Praxis-Interview: Lernjobs im inklusiven und jahrgangsübergreifenden Unterricht


Inklu­siv­er Unter­richt und das auch noch in drei ver­schiede­nen Jahrgangsstufen gle­ichzeit­ig in ein­er Lern­gruppe. Wie kann das funk­tion­ieren? Im Prax­is-Inter­view schildert Daniel Tries seine Arbeit mit den Lern­jobs im Deutschunter­richt an der Offe­nen Schule Köln.

Herr Tries, lehrt man an ein­er offe­nen Schule anders?

Seit nun fast drei Jahren bin ich Lehrer an der Offe­nen Schule Köln (OSK). Bei dem son­st selb­stver­ständlichen Begriff „Lehrer“ im Kon­text Schule komme ich aber direkt ins Stock­en, denn an der OSK ist man tat­säch­lich Lern­be­gleit­er und wegen der beson­deren Konzep­tion der Schule funk­tion­iert das Ler­nen hier anders, als man es klas­sisch ken­nt. An der OSK, ein­er Gesamtschule sowie pri­vat­en Ersatzschule im Köl­ner Süden, ler­nen in der Regel 25 Schü­lerin­nen und Schüler im gemein­samen, inklu­siv­en Unter­richt. Dabei sind alle Förderbe­darfe vertreten. Außer­dem umfasst eine Lern­gruppe drei Jahrgangsstufen, also entwed­er die Jahrgänge 5, 6 und 7 oder 8,9 und 10. Neben der „nor­malen“ Het­ero­gen­ität ein­er Gesamtschule, kann man an der OSK also wirk­lich von sehr gemis­cht­en „Klassen“ sprechen.

Wie sind Sie zu den Lern­jobs gekom­men?

Nach meinem Ref­er­en­dari­at an ein­er Gesamtschule in Bonn stand ich als Beruf­san­fänger an der OSK also vor ein­er echt­en Her­aus­forderung. Wie sollte der Unter­richt in einem solchen Konzept funk­tion­ieren? Dazu kam auch noch, dass die Schule 2012 neu gegrün­det wurde und es noch keine fer­ti­gen Bausteine/Lernjobs für den Unter­richt gab. Auf der Didac­ta 2016 in Köln haben dann eine Kol­le­gin und ich, lustiger­weise unab­hängig voneinan­der, die Lern­jobs ent­deckt und haben uns direkt gegen­seit­ig darüber informiert. Seit diesem Schul­jahr (2016/17) nutze ich nun die 5er und 6er Lern­jobs in Deutsch.

Was genau schätzen Sie daran für den Ein­satz im Unter­richt?

Sie bieten mir den Vorteil, schnell auf dreifach dif­feren­ziertes Mate­r­i­al – hier Basis, Extra und Plus genan­nt – zuzu­greifen. Außer­dem kann ich so auch ver­schiedene The­men, je nach Inter­esse der Ler­nen­den, anbi­eten und nicht alle Schüler müssen am gle­ichen The­ma arbeit­en. Beson­ders gut gefällt mir, dass die Schüler selb­st­ständig mit den Lern­jobs arbeit­en und am Ende eine eigene Lösungskon­trolle und kurze Reflex­ion durch­führen. So kann man mehr Lern­be­gleit­er und weniger Lehrer sein.

Wie genau nehmen Sie die Zu- bzw.  Ein­teilung der Lern­jobs vor und wann kom­men die Unter­richt­sein­heit­en zum Ein­satz?

Die Schü­lerin­nen und Schüler erhal­ten in ihrem Log­buch eine Über­sicht mit den möglichen The­men, die sie im Laufe des Schul­jahres bear­beit­en kön­nen. In Absprache mit der Lernbegleiterin/de Lern­be­gleit­er suchen sie sich dann ein The­ma aus. Die Ein­teilung erfol­gt also oft nach den Inter­essen der Schüler, ich spreche als Lern­be­gleit­er aber auch Empfehlun­gen je nach Vor­wis­sen und Leis­tungsniveau aus und achte darauf, dass ver­schiedene The­menge­bi­ete abgedeckt wer­den. Vorteil­haft bei der Ein­teilung ist, wenn sich kleine Grup­pen bilden, weil sich die Schüler dann auch gegen­seit­ig unter­stützen und in der Lernzeit gemein­sam arbeit­en kön­nen. Die Unter­richt­sein­heit­en der Lern­jobs kom­men durchge­hend über das ganze Schul­jahr zum Ein­satz und bilden die Basis des vier­stündi­gen Deutschunter­richts, von der aus durch Inputs und weit­ere Mate­ri­alien ergänzt wird. Wenn die Schüler mit einem Lern­job fer­tig sind, schließen sie diesen in der Regel durch einen kurzen Test am Ende ab und suchen sich das näch­ste The­ma.

Wie kom­men die Lern­jobs bei den Schü­lerin­nen und Schülern an?

Bish­er habe ich wirk­lich gute Erfahrun­gen mit dem Mate­r­i­al gemacht, da die Schüler es toll find­en, sich die The­men sowie den Schwierigkeits­grad selb­st auszusuchen. Durch den über­schaubaren Umfang haben die Schüler außer­dem schnell Erfol­gser­leb­nisse, was sie dazu motiviert auch die schwierigeren Niveaus zu bear­beit­en.

Und welche Wün­sche bleiben derzeit noch offen?

Schön wären für mich als Lern­be­gleit­er noch passende Lernzielkontrollen/Tests sowie passende Rechtschreib- bzw. Gram­matik­teile zu den jew­eili­gen The­men. Für eher leis­tungsstarke Schüler kann das Mate­r­i­al auch etwas zu leicht sein, wobei die Schüler jedoch dur­chaus The­men aus dem nächst höheren Jahrgang bear­beit­en kön­nten. Für das näch­ste Schul­jahr freue ich mich auf den Ein­satz der neuen 7er Lern­jobs.

Vie­len Dank für das Inter­view!

Wenn auch Sie Inter­esse an der Arbeit mit Lern­jobs haben soll­ten, erfahren Sie hier mehr:

Zum kosten­losen Down­load für Sie:
Probekapi­tel “Sach­texte lesen, ver­ste­hen und zusam­men­fassen” aus Lern­jobs “Lesen und Lit­er­atur” für Klasse 7 (PDF)
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Daniel Tries

Daniel Tries ist seit 2014 Lehrer für Deutsch und Geschichte (Gesellschaftslehre) an der Offenen Schule in Köln.

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