Gedichtvorträge entkrampfen – Lernaufgaben helfen dabei


Gedichtvorträge stellen eine Herausforderung dar – für Schüler und Lehrer. Besser, man nimmt die Schwierigkeiten ernst, statt sie herunterzuspielen. Unser Autor Conrad Pietschmann zeigt anhand einer Lernaufgabe, worauf es dabei ankommt.

Textauswahl ist entscheidend
Illustration mit Kind, trägt Gedicht vor
© Ernst Klett Verlag GmbH (Axel Nicolai), Stuttgart

Damit Gedichtvorträge gelingen, muss eine Vortragssituation geschaffen werden, die die Herausforderungen, die damit verbunden sind, bewusst thematisiert. Bereits die Textauswahl ist entscheidend. Der für die Lernaufgabe in Band 6 von Deutsch kompetent Bayern zugrunde gelegte Text „Langschläfers Morgenlied“ von Mascha Kaléko eignet sich für einen Vortrag, da das Gedicht eine Alltagssituation (morgendliches Aufstehen) zeigt, die die Schülerinnen und Schüler kennen. Andererseits wird eine emotionale Reaktion dargestellt, die zur Ausgestaltung im Vortrag reizt.

Lernaufgabe schult Blick für relevante Gestaltungsmerkmale
Beispielseite aus Deutsch kompetent für Bayern, Klasse 6 (Ernst Klett Verlag GmbH, 978-3-12-316042-4)

Die Lernaufgabe stellt ein Lernarrangement dar, das ausgehend von der inhaltlichen Erschließung den Blick der Schülerinnen und Schüler schrittweise auf weitere relevante Untersuchungsaspekte lenkt. Statt also beispielsweise die sprachliche und formale Gestaltung des Gedichts pauschal zu klären, werden die Schüler durch die Aufgabe bereits auf Merkmale aufmerksam gemacht, die für den Vortrag besonders interessant sein können. Dadurch sensibilisiert die Lernaufgabe die Schüler auch für die Betrachtung der sprachlichen und formalen Gestaltung in ihrem Funktionszusammenhang.

Produktionsorientierte Verfahren als Basis für individuelle Gestaltung des Vortrags

Die Lernaufgabe nimmt darüber hinaus in den Blick, dass für das gestaltende Vortragen auch ein Erfassen der Stimmung im Gedicht notwendig ist. Zudem stellt ein Gedichtvortrag immer eine Form der Deutung bzw. der Interpretation dar, der eine subjektive Aneignung des Texts vorausgehen muss. Über produktionsorientierte Verfahren beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer persönlichen Reaktion auf die Leerstellen im Gedicht. Indem sie ihre Lösungen vergleichen und reflektieren, erarbeiten sie sich Kriterien für ihr Textverständnis. Sie erfahren außerdem, dass Deutungen und Aussagen über den Text konsensfähig sein müssen.

Üben ernst nehmen

Im letzten Schritt enthält die Lernaufgabe verschiedene Übungen, die das eigentliche Vortragen vorbereiten. Diese Übungen zielen auf einen Austausch der Schüler untereinander ab und enthalten Vorschläge, deren Umsetzung lustige Ergebnisse ermöglicht. Auch das kann helfen, Gedichtvorträge zu entkrampfen.

Anwenden und Vertiefen auf drei verschiedenen Niveaus: Mit unseren kostenlosen Arbeitsblättern erschließen Ihre Schülerinnen und Schüler das Gedicht „Langschläfers Morgenlied“ von Mascha Kaléko.

Gerade für Gedichtvorträge gibt es noch viele spannende Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen zu gestalten – hört man im Hintergrund den Nachrichtensprecher oder die Nachrichtensprecherin? Arbeitet man mit Requisiten? Hört man z. B. den Wecker? Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
Und passend zur Urlaubszeit bietet unsere neue Edition „Reisegedichte“ vielfältige Texte, die sich wunderbar zur Erarbeitung dieses Themas in der Oberstufe eignen.
Hier lesen Sie mehr dazu: Urlaub jetzt und sofort!? – Gedichte über das Reisen.
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Conrad Pietschmann

Conrad Pietschmann (Autor von Deutsch kompetent) ist Lehrer für Deutsch und Englisch sowie Seminarlehrer für Deutsch am Dossenberger-Gymnasium Günzburg

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