deutsch-klett.de
Magazin für den Deutschunterricht

Warum Großschreibung?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung, die maßgebliche Instanz für orthografische Fragen, fasst die Vorschriften zur Großschreibung in vierzehn Paragrafen zusammen. In der Schule wird dieses Regelwerk teil- und schrittweise bis in den Jahrgang 7 eingeführt und mit Übungen gefestigt. Begründet wird die Notwendigkeit dieses Vorgehens meist mit dem Verweis auf das richtige Schreiben. Nur, ist das für ein Kind im Alter von zehn Jahren einsichtig? Man lernt die Regeln der Großschreibung schlicht, weil es sie gibt? Tatsächlich wird damit noch lange nicht fassbar, warum es sie gibt. Und damit wird wiederum ein motivationales Problem berührt.

Von den Wurzeln und dem Sinn einer orthografischen Selbstverständlichkeit

In meinem Unterricht in einer sechsten Klasse am Gymnasium Melle fragte mich ein Schüler vor einigen Wochen, weshalb es in der deutsche Sprache die Großschreibung überhaupt gibt. Ich fand keine befriedigende Antwort und fragte deshalb bei einer befreundeten Professorin an der Universität Osnabrück nach. Ihr Tipp führte mich zu verschiedenen Aufsätzen, u.a. zu den „Kölner Beiträgen zur Sprachdidaktik“ (Herausgegeben von Hartmut Günther und Michael Becker-Mrotzek. 1/2005) und damit zu zwei Thesen.

Tatsächlich lässt sich die Frage nach den Wurzeln und dem Sinn der deutschen Großschreibung historisch, aber auch pragmatisch beantworten.

  • „So kann man geschichtlich sehr gut belegen, wie sich bis zum elften Jahrhundert die ersten Großbuchstaben als Schmuckinitialen in die deutsche Schriftsprache einschlichen, dann zusehends für die Herausstellung von politischen Persönlichkeiten, Ämtern und sakrale Gegenstände genutzt wurden und schließlich immer stärker in die Bezeichnung der Alltagswelt abstiegen.
  • „Zudem lässt sich bildhaft zeigen, welche Vorteile die Großschreibung den Leserinnen und Lesern bis heute eröffnet. Denn tatsächlich bieten die großgeschriebenen Wörter in Sätzen und ganzen Texten wichtige Orientierungshilfen. Sie sind für eine syntaktisch flexible Sprache wie das Deutsche nachweislich Signale und erlauben im Vergleich zu anderen Sprachen eine schnellere Lektüre.

Zusammengefasst habe ich mit ehemaligen Schülern die Antworten in einem kleinen Tutorial für meine Klasse. Und zur Wiederholung habe ich in sechs Arbeitsblättern Fragen zu diesem Video und der Großschreibung formuliert. Vielleicht ist das für Sie ja eine Inspiration?

Hier erhalten Sie die Arbeitsblätter inklusive Lösungen:

Wie begründen Sie die Großschreibung in der deutschen Sprache?

257 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über den Autor

Dr. Stefan Schneider

Dr. Stefan Schneider ist Lehrer für die Fächer Deutsch und Geschichte am Gymnasium Melle, er unterrichtet hier die Klassen 5 bis 12 und arbeitet als Mittelstufenkoordinator. Zudem ist er als Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück für den Fachbereich Mediendidaktik tätig.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

2 Kommentare

  1. Großschreiberling 26. April 2021 um 20:05 Uhr - Antworten

    Tatsächlich erkläre ich die Beibehaltung der vermeintlich lästigen Großschreibung damit, dass es eine gute Lesehilfe ist, die bei der Strukturierung von Sätzen hilft (dazu gab es 1989 Studien mit Niederländern). Das Vorlesen deutscher Sätze in konsequenter Kleinschreibung geht deutlich stockender vonstatten. Das hat natürlich auch mit Gewöhnung und Erwartung zu tun, aber es ist doch erhellend, das einmal zu probieren.

  2. Ellen Klausch 27. April 2021 um 9:48 Uhr - Antworten

    Toll! Hat mich schon immer beschäftigt… danke

Nach oben