Und plötzlich Regelklasse – Inklusion für Geflüchtete


Plötzlich sitzt Orwa (14) aus Syrien im Deutschunterricht der 7. Klasse in einer Berliner Schule. Sein Ziel: Ein guter Schulabschluss! Stephanie Seehaus war selbst Lehrerin zweier Willkommensklassen und hat dabei die Arbeitshefte zur Sprachförderung von deutsch.kombi plus eingesetzt.

© shutterstock/mervas

von Stephanie Seehaus

Ein neues Leben

Orwa ist vor über zwei Jahren geflüchtet, der Krieg in Syrien trieb ihn und seine Familie nach Deutschland. Hier fanden sie Sicherheit und eine Zukunft. Der Anfang in Deutschland war für Orwa allerdings alles andere als leicht – Ein neues Land, eine neue Kultur und vor allem eine neue Sprache! Nach dem ersten halben Jahr, gezeichnet von vielen bürokratischen Hürden, kam Orwa in eine Berliner Sekundarschule.

Die Willkommensklasse

Zunächst kam Orwa in eine so genannte Willkommensklasse. Dort lernte er zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Nationen und unterschiedlichen Alters, Deutsch als Zweitsprache (DAZ). Insgesamt 1 ½ Jahre, teilweise bis zu 13 Stunden pro Woche lernte Orwa die Grundlagen der Deutschen Sprache: Immer wieder „Meine Name ist Orwa, ich komm aus …, Ich gehe, du gehst, er, sie, es geht …, Du bist einkaufen gegangen, ich werde schreiben,…“. Der Weg war lang und ziemlich steinig: Zeitformen und unregelmäßige Verben, Akkusativobjekt und Genitiv – Orwa war manchmal sehr frustriert, dennoch hatte er ein Ziel. Als Erstes schaffte er es in die Regelklasse. Endlich eine Peer Group, endlich gleiche Interessen und Hobbies. Endlich angekommen.

Perspektivwechsel – Zauberwort Differenzierung

Ich war nicht nur Orwas Klassenlehrerin, sondern auch seine Deutschlehrerin. Orwa kam in meine Klasse mit 26 Schülerinnen und Schülern, die sich alle auf unterschiedlichsten Niveaus bewegten. In einer solchen Regelklasse kann man nur mit Differenzierung einen Lernerfolg erzielen. Wenn man mit einem Lehrwerk arbeitet, ist das fast unmöglich – so dachte ich zumindest. Orwa ist einer von vielen. Nicht nur Geflüchtete brauchen extra Unterstützung im Regelunterricht, sondern auch Schülerinnen und Schüler, welche in Deutschland geboren wurden. Als Regelwerk nutzen wir an unserer Schule deutsch.kombi plus. Im Lehrwerk selbst wird bereits differenziert, aber das reicht für Schülerinnen und Schüler wie Orwa nicht. Orwa hat beispielsweise Schwierigkeiten, komplexe Aufgabenstellungen und Texte zu verstehen. Natürlich besteht die Möglichkeit, mit externen Quellen zu differenzieren. Das empfinde ich aber eher als kontraproduktiv, denn das bedeutet meist Einzelarbeit, Schreibarbeit und kein Austausch in der Gruppe oder Klasse.

Mit den Sprachförderheften zu deutsch.kombi plus war es endlich möglich, das Lehrwerk mit allen Schülerinnen und Schülern gleichzeitig zu nutzen, da das Arbeitsheft die Inhalte aus dem Schülerbuch für die Lernenden noch einmal aufschlüsselt. Denn Orwa braucht keine anderen schulischen Inhalte, sondern eine sprachliche Differenzierung. Sein Ziel ist es, einen guten Schulabschluss in Deutschland zu erlangen, die Fortschritte, die er macht, sind beeindruckend und sein Ziel ist nicht unrealistisch. Mittlerweile ist Orwa gut in der Klasse integriert, er bearbeitet bereits viele Aufgaben im Schülerbuch und greift immer weniger auf das Sprachförderheft zurück.

Beispielseiten aus dem Schülerbuch und dem Arbeitsheft für Sprachförderung von deutsch.kombi plus

Beispielseiten aus dem Schülerbuch und dem Arbeitsheft für Sprachförderung von deutsch.kombi plus

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Kapitel aus dem Arbeitsheft Sprachförderung Klasse 7 von deutsch.kombi plus anschauen

Erarbeiten Sie mithilfe des Arbeitsheftes Sprachförderung von deutsch.kombi plus die Kompetenzen gemeinsam mit der ganzen Klasse. Das Arbeitsheft ist parallel zum Schülerbuch einsetzbar und ermöglicht eine durchgängig integrative Sprachbildung. Zu ausgewählten Schülerbuchseiten werden entlastete Texte, zusätzliche Worterklärungen und Hilfen zum Erschließen der Aufgaben gegeben. So werden die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt an die komplexeren Texte und Aufgabenstellungen im Schülerbuch herangeführt, bis diese ohne zusätzliche Hilfe bearbeitet werden können.

Wie verläuft die Integration in der Regelklasse an Ihrer Schule? Sehen Sie die Isolation von Schülerinnen und Schülern ebenfalls zu problematisch? Erzählen Sie uns gern davon in den Kommentaren.

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Stephanie Seehaus arbeitet als W.A.T.-, Englisch- und Deutschlehrerin an einer Berliner Sekundarschule und war Klassenleiterin zweier Willkommensklassen. Sie wollte schon immer Lehrerin werden und sieht die Inklusion als einen elementaren Bestandteil von Bildung.

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