Warum Texte überarbeiten?
Die Fähigkeit, eigene Texte kritisch zu reflektieren und zu verbessern, ist eine zentrale Kompetenz im Deutschunterricht. Sie hilft den Schülerinnen und Schülern über guten sprachlichen Ausdruck eigene Gedanken und Argumentationen klarer zu formulieren und logisch aufzubauen. Auch handelt es sich um eine Zukunftskompetenz, da im Zusammenhang mit KI-generierten Texten ein Gespür für den Sprachduktus und die Gestaltung von Textprodukten notwendig ist, um KI-Texte prüfen und sinnvoll adaptieren zu können.
Auf die Lehrenden kommt es an
Schriftliches oder mündliches Feedback durch die Lehrkraft ist für Lernende nach wie vor die beste Form der Rückmeldung. Gerade jüngere Schüler sind in hohem Maß auf die Kommunikation mit einer echten Bezugsperson angewiesen. Zudem kommt beim Lehrerfeedback die Rückmeldung von der Instanz, die auch die Benotung von Schreibprodukten vornimmt. Problematisch ist an diesem Feedback der hohe Zeit- und Arbeitsaufwand für die Lehrkraft. Werden vor einer Prüfung Übungsaufsätze geschrieben, hat die Lehrkraft zwei Arbeiten pro Schüler/-in zu korrigieren. Wo sie vorgeschrieben sind, wie etwa in Bayern, werden oft Bewertungsbögen bzw. stark abstrahierte Rückmeldungen benutzt. Diese bieten Lernenden aber häufig zu wenige Informationen. Wenn die Rückmeldung etwa lautet: „Die Einleitung ist angemessen, die Argumentation insgesamt schlüssig. Achte auf die Rechtschreibung.“, so können sich nur wenige darunter etwas vorstellen. Was genau sollen sie verändern, um ihren Text zu verbessern?
KI als Tutor im Schreibprozess
Wie kann man ChatGPT bzw. andere LLMs sinnvoll in den eigenen Unterricht integrieren, um die Selbstständigkeit der Lernenden zu stärken und den Überarbeitungsprozess effizienter zu gestalten? KI-Tools analysieren hochgeladene Texte und geben differenziertes Feedback zu Verständlichkeit, Argumentationsstruktur und sprachlicher Korrektheit. Der große Vorteil liegt in der sofortigen Rückmeldung, die es ermöglicht, Texte unmittelbar zu überarbeiten.
Da bspw. Peer keine Lösungen vorgibt, sondern gezielte Hinweise zur Verbesserung liefert, wird die Eigenverantwortung der Lernenden gefördert. Durch gut formulierte Prompts lassen sich Rückmeldungen generieren, die bei der Überarbeitung von Texten untersützen.
- Beispielsweise kann man für eine sprachliche und stilistische Verbesserung folgenden Prompt verwenden:
„Du bist Schüler/-in der xy. Jahrgangsstufe. Verbessere den folgenden Text sprachlich und stilistisch, ohne den Inhalt zu verändern: [Text einfügen].“
- Wenn es darum geht, die Struktur und Argumentation zu analysieren, kann ein Prompt verwendet werden wie „Du bist Deutschlehrkraft. Gibt es Stellen im folgenden Text, an denen die Argumentation unklar oder widersprüchlich ist? Gib Verbesserungsvorschläge: [Text einfügen]“.
- Für kreative Schreibaufträge eignet sich der Auftrag: „Du bist Autor von Romanen und Erzählungen. Lies den folgenden Text und schlage drei Möglichkeiten vor, um die Atmosphäre oder die Charakterdarstellung zu verbessern: [Text einfügen].“
- Auch bei Rechtschreibung und Grammatik kann die KI unterstützen: „Du bist Deutschlehrer. Korrigiere den folgenden Text auf Rechtschreibung und Grammatik: [Text einfügen].“
- Ebenso lässt sich die Verständlichkeit eines Textes überprüfen, indem man eine bestimmte Zielgruppe angibt: „Du bist Schüler einer 7. Klasse. Beurteile die Verständlichkeit des Textes für eine 7. Klasse. Welche Passagen sollten vereinfacht oder präzisiert werden? [Text einfügen].“
Didaktisch sinnvoller Einsatz von KI
Bei KI-gestütztem Feedback sollten einige didaktische Prinzipien beachtet werden.
- Zunächst ist eine Einführung durch die Lehrkraft sinnvoll: Indem gemeinsam ein Beispieltext analysiert und überarbeitet wird, lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie Feedback richtig generieren und dann interpretieren.
- Wichtig ist auch, LLMs gezielt einzusetzen – nicht jeder Schülertext muss durch eine KI geprüft werden. Vielmehr sollte der Einsatz auf längere Schreibaufgaben oder wichtige Überarbeitungsphasen beschränkt bleiben.
- Eine Reflexion des Feedbacks ist ebenfalls entscheidend: Schreibende sollten sich fragen, welche Vorschläge sie umsetzen möchten und warum. Besonders effektiv kann die Kombination aus KI-Feedback und analogem Peergroup-Feedback sein.
Vorsicht vor der KI-Abhängigkeit
Der Einsatz von KI bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Einerseits erleichtert er die individuelle Förderung und entlastet Lehrkräfte, andererseits darf keine Abhängigkeit von KI-gestütztem Feedback entstehen. Schülerinnen und Schüler sollten selbst dazu befähigt werden, Texte zu reflektieren – die eigenen, aber eben auch die Produkte der KI. Sie müssen darin geschult werden, kritisch mit LLM-generierten Rückmeldungen umzugehen:
Nicht jedes Feedback ist sinnvoll und jede(r) sollte eigenständig abwägen, welche Vorschläge tatsächlich eine Verbesserung des Textes darstellen. Fakt ist nämlich: Die KI gibt einem immer eine Antwort – ob diese nun sinnvoll ist oder eben nicht.
Zudem gilt es, den Datenschutz zu beachten – vor der Nutzung von Online-Tools sollten daher die entsprechenden Bestimmungen geprüft werden. Möchte man nicht, dass eingegebene Texte als Trainingsdaten abfließen, sollte ein LMM mit Opt-out-Funktion genutzt werden.
Unterschiedliche Leistungen der Tools
Die Integration von Peer und ChatGPT in den Überarbeitungsprozess kann den Deutschunterricht bereichern. Während Peer eine strukturierte, fachspezifische Analyse bietet, ermöglicht ChatGPT eine flexible und kreative Auseinandersetzung mit dem eigenen Text.
Beide Tools unterstützen Lehrkräfte, die Schreibkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern und sie zu einer kontrollierten Arbeitsweise anzuhalten. Entscheidend ist, dass die Werkzeuge sinnvoll und reflektiert eingesetzt werden. Das bedarf vor allem am Anfang einiger Übung.


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