LESEFÖRDERUNG und damit sprachliche Bildung – gesamtschulischer Auftrag und gesellschaftliche Verpflichtung


Die Kla­gen mehren sich: „Die Schü­lerin­nen und Schüler ver­ste­hen die Auf­gaben nicht“, monieren die Math­e­matik­er. „Warum kön­nen die keine Tabellen lesen?“, fra­gen sich die Geografen. Uni­ver­sitäten bekla­gen, dass selb­st Ger­man­is­tik-Studierende keine aus­re­ichende Lesekom­pe­tenz mehr mit­brächt­en.
Ein Ver­ant­wortlich­er für diese Defizite ist schnell gefun­den: Das Fach Deutsch wird in Haf­tung genom­men. Doch so schlüs­sig das Erk­lärungsmuster auf den ersten Blick scheint, ganz so ein­fach ist es nicht…

Nicht erst seit PISA wis­sen wir, dass Lesen die Basiskom­pe­tenz für sämtliche Lern­prozesse ist und Voraus­set­zung für eine pos­i­tive Leis­tungs­bi­lanz in allen Fäch­ern. Damit ist die Reich­weite dieser Grund­la­genkom­pe­tenz allerd­ings nur unzure­ichend beschrieben: Auch für das Leben außer­halb der Schule ist es das Lesen, das uns erst die Teil­habe am kul­turellen, sozialen und poli­tis­chen Leben ermöglicht – in der Rolle als Kon­sument eben­so wie als kri­tis­ch­er Bürg­er unser­er Zivilge­sellschaft. Und über util­i­taris­tis­che Über­legun­gen hin­aus kann die Beschäf­ti­gung mit Tex­ten, mit Büch­ern als unserem ältesten Kul­turgut sowie mit weit­eren Ange­boten aus dem Medi­en­ver­bund Quelle ein­er erfüll­ten Lebens­führung wer­den.

Betra­chtet man diese The­sen ein­er­seits und das Lamen­to über die man­gel­hafte Lese- und Tex­tkom­pe­tenz und die oft damit ein­herge­hende Lese­un­lust unser­er Kinder und Jugendlichen ander­er­seits, dann ergibt sich fast zwangsläu­fig fol­gende Kausalkette:

  • Lesen muss inte­graler Bestandteil ein­er lebendi­gen, facetten­re­ichen Schulkul­tur sein, die wie selb­stver­ständlich alle Fäch­er auf den Plan ruft.
  • Wenn alle Fäch­er bei der Lese­förderung in der Pflicht ste­hen, dann bedarf es entsprechen­der zeit­gemäßer moti­va­tionaler Konzepte, die ein buntes Spek­trum von fach­spez­i­fis­chen Maß­nah­men und hand­lungs­be­zo­ge­nen Meth­o­d­en bere­it­stellen. Es stellt sich die Frage: Welche attrak­tiv­en Wege bieten sich an, um die Lese- und Tex­tkom­pe­tenz zu erhöhen?
  • Moti­va­tion­ssteigernd sind dabei alle Impulse, die das Lesen in sinnhaften, real­ität­sna­hen Kon­tex­ten situ­ieren und über die Schule hin­aus­re­ichen. Die Koop­er­a­tion mit exter­nen Part­nern ist gefordert, ihre Exper­tise gefragt. Mit der Öff­nung der Schule nach außen wird man den Her­anwach­senden erst den Wert des Lesens und seinen Sitz im Leben glaub­haft ver­mit­teln kön­nen.
Logo Literarische Lese 2016 in Franken
Die Ver­anstal­tung find­et am 15. Okto­ber 2016 in Veit­shöch­heim statt.

Einen inten­siv­en Aus­tausch mit Exper­tin­nen und Experten für motivierende, nach­haltige Konzepte und Trends in der Lese­förderung ermöglicht die Ver­anstal­tung LITERARISCHE LESE IN FRANKEN 2016 – VEITSHÖCHHEIMER LITERATURTAG am 15. Okto­ber 2016.

In drei Foren wer­den  method­isch-didak­tis­che Herange­hensweisen und Pro­jek­te rund um die Lese­förderung vorgestellt und disku­tiert:

  • Forum I: Lese­förderung ana­log
  • Forum II: Lese­förderung im Medi­en­ver­bund
  • Forum III: Lese­förderung in den Natur- und Gesellschaftswis­senschaften

Forum I zeigt auf, wie Lese­förderung auf vielfältige Weise adres­saten­spez­i­fisch und schüler­ak­tivierend umge­set­zt wer­den kann.

Forum II trägt der Tat­sache Rech­nung, dass eine zeit­gemäße Lese­förderung längst nicht mehr nur auf das Medi­um Buch zu beziehen ist, son­dern dig­i­tale Medi­en in ihrer Band­bre­ite ein­schließt. Dass dabei auch die Vielfalt der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien genutzt wird, kommt nicht zulet­zt den Präferen­zen viel­er Jun­gen ent­ge­gen.

Forum III legt einen beson­deren Akzent auf Lese­förderung in den gesellschafts- und natur­wis­senschaftlichen Fäch­ern.

Es ist das über­greifende Ziel der Ver­anstal­tung bewusst zu machen, dass lese­fördernde Maß­nah­men nicht isoliert dem Fach Deutsch zuzuweisen sind, das qua­si als „Agen­tur für Lese­förderung“ eine Kom­pe­ten­zsteigerung der Schü­lerin­nen und Schüler auch in den anderen Fäch­ern gewährleis­tet. Vielmehr soll­ten alle Fäch­er ver­ant­wortlich an der Lese­förderung mitwirken; Lese­förderung muss als gesamtschulis­ch­er Auf­trag im Rah­men des Schu­len­twick­lung­spro­gramms und als gesamt­ge­sellschaftliche Verpflich­tung ver­standen wer­den.

Haben Sie Inter­esse an der Ver­anstal­tung?
Die Ver­anstal­tung ist für Lehrkräfte an Gym­nasien und aus dem Realschul­bere­ich konzip­iert. Die Anmel­dung ist auf Fibs unter M046-0/16/94 bis zum 20. Sep­tem­ber 2016 möglich.
Zum Pro­gramm der Ver­anstal­tung gelan­gen Sie hier.
Die Auswahl und die Anmel­dung der Work­shops kön­nen Sie hier vornehmen.
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Jutta Merwald ist Studiendirektorin und wirkt mit im Arbeitskreis Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit, Institut für Schulqualität und Bildungsforschung in München.

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