In einer Welt, die zunehmend digitaler wird, sollten Schülerinnen und Schüler bereits frühzeitig lernen, mit den digitalen Medien und Angeboten umzugehen. Eine Gymnasiallehrerin aus Leipzig verriet uns, wie sie digitale Angebote im Deutschunterricht einsetzt, sich dies auf ihre Arbeit sowie auf die Motivation ihrer Lernenden auswirkt, aber auch wie die digitalisierte Welt in aktuellen Zeiten das Unterrichten von zuhause für sie ermöglicht.
Obwohl die digitale Ausstattung an dem Leipziger Gymnasium wie an vielen anderen Schulen in Deutschland nicht optimal ist – es gibt ein paar Räume mit interaktiven Tafeln, wenige transportable, kaum stationäre Beamer und kein WLAN – macht die Junglehrerin das Beste daraus. Dort, wo es möglich ist, setzt sie digitale Anwendungen ein, wie sie uns im Interview erklärt.
Und los geht’s…
Was muss ein junger Mensch Ihrer Meinung nach können, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden?
Wie kann Schule bei der Entwicklung von Medienkompetenz gut unterstützen?
Bis das wirklich gut funktioniert und digitaler bzw. medialer Unterricht zur alltäglichen Routine wird, gibt es noch viele vorgelagerte Stellschrauben, an denen gedreht werden müsste. Zuerst natürlich an der Ausstattung, die verbessert werden muss, sodass überhaupt der Anreiz entsteht, sich als Lehrperson mit digital gestütztem Unterricht zu befassen und dann müssten Fortbildungsangebote bereitgestellt werden, um Unterrichtsideen und -methoden entwickeln zu können.
Im nächsten Schritt gilt es, Schülerinnen und Schüler schrittweise mit digitalem Unterricht vertraut zu machen. Dabei benötigen sie auch die Chance, sich Zuhause weiter mit Inhalten zu beschäftigen – hier könnten z.B. Erklärvideos mit einem Schritt-für-Schritt-Vorgehen helfen. Letztlich ist das Ziel, Sicherheit aufseiten der LehrerInnen, aber auch aufseiten der SchülerInnen zu schaffen, um sich dann zunehmend auf den Inhalt konzentrieren zu können, der mithilfe digitaler Medien vermittelt, gefestigt oder überprüft wird.
Im Unterricht lässt es sich gut mit digitalen Hilfsmitteln arbeiten. Bei welchen Themengebieten unterstützt Sie ein digitales bzw. auch multimediales Angebot im Deutschunterricht?
Es gibt zahlreiche Webseiten, Tools und Materialien, die ich im Unterricht einsetze.
Wenn es um spielerisches, interaktives Lernen geht, nutze ich beispielsweise gern Kahoot!. Damit festigen und wiederholen wir grammatische oder orthografische Themenreihen. Gern spiele ich z.B. die Quizze zu Substantiven, Verben oder Adjektiven von Deutsch kompetent – aber auch andere frei erstellte. Das Schöne daran ist, dass sowohl ich als Lehrperson als auch die Schülerinnen und Schüler einen guten Einblick erhalten, was gut beherrscht wird und wo noch Probleme liegen. Auch die interaktiven Übungen von Deutsch kompetent oder die Anton-App eignen sich zum Wiederholen und Festigen prima.
Sollte es thematisch passen, zeige ich auch gern Ausschnitte von Reportagen – die sich gut auf YouTube finden lassen. Oder Erklärvideos. Von Deutsch kompetent gibt es z.B. einige Filme zu Rechtschreibung und Grammatik. Mit dem niedlichen Kater Fidibus eignen sich diese besonders für die unteren Klassen 5 und 6. Aber auch sofatutor.com hat einige gute Filme in petto.
Mit den höheren Klassen stehe ich beispielsweise über google classroom im Austausch. Dort stelle ich Kursaufgaben rein, die die SchülerInnen auch gemeinsam bearbeiten können. Als Lehrperson kann ich in dieser Anwendung die Abgabetermine festhalten, Bewertungen vornehmen oder kommentieren. Das ist schon ziemlich praktisch.
Ein anderes Tool für Umfragen ist surveymonkey.de. Da stelle ich ab und zu auch gern eine Umfrage an Eltern oder KollegInnen ein.
Wie wir sehen, gibt es eine Menge an Anwendungen, Materialien uvm. Wie bauen Sie die digitalen Angebote gekonnt in Ihren Unterricht ein? Welche Beispiele können Sie uns für einen erfolgreichen Einsatz im Unterricht nennen?
Wichtig ist, die SchülerInnen nicht mit einem Medium oder einer Methode zu überfrachten, sondern einen Wechsel zwischen verschiedenen Medien, Arbeitsformen und Methoden zu schaffen. Beispielsweise erarbeiten wir uns zunächst anhand von Beispielen die Merkmale von Substantiven, schauen dann ein Erklärvideo z.B. von Deutsch kompetent an und ergänzen noch nicht Genanntes. Dann üben wir handschriftlich, spielen Substantiv-Bingo und am Ende kommt ein zusammenfassendes Kahoot-Rätsel.
Entscheidend ist, dass die Lernenden mit den digitalen Medien vertraut sind, sodass sich im Umgang Routine einstellt. Das erste Mal Kahoot! braucht ewig. Daher empfehle ich für den ersten Einsatz gute 20 Minuten einzuplanen, bis alles klappt. Aber die Zeit lohnt sich!
Sie sagen, die Zeit lohnt sich. Wie verändert sich das Unterrichten durch den Einsatz von digitalen Medien für Sie und Ihre Lernenden?
Der Unterricht wird für meine Lernenden, aber auch für mich viel abwechslungsreicher und spannender. Nicht nur die Schülerinnen und Schüler lernen etwas dazu, sondern auch ich. Eine Win-Win-Situation sozusagen. Was die Kinder schön finden: Wir lernen gemeinsam! Auch bei mir geht mal etwas schief oder ich habe nicht sofort eine Lösung für ein technisches Problem parat. Wenn mein Hotspot spinnt oder der Akku meiner Box leer ist, dann helfen mir die Schüler*Innen gern aus. Auch werden unterschiedliche Lerntypen angesprochen, wenn der Stoff mit unterschiedlichen Medien erarbeitet und trainiert wird. Sicher bedarf es am Anfang etwas mehr an Vorbereitungszeit. Aber wenn man öfter damit arbeitet, wird es wie erwähnt zur Routine.
Sie sind auch in den Sozialen Medien sehr aktiv und posten dort selbst u.a. Ideen oder Methoden, die Sie im Unterricht einsetzen. Wo holen Sie sich neue Inspirationen für den Unterricht?
Neue Inspiration finde ich bei Pinterest und bei Instagram, eher weniger in Büchern. Bücher zu lesen, dauert zu lange. Wenn ich bei Instagram oder Pinterest etwas sehe, das mir gefällt, überlege ich, wie ich es in meinem Unterricht nutzen kann: in welcher Klasse, bei welchem Thema, in welcher Phase des Lernens. Ich „bastle“ mir dann mein eigenes Material, das auf die Lerngruppe zugeschnitten ist.
Wenn Sie mal wenig Zeit haben, eine Unterrichtsstunde vorzubereiten, welche Materialien nutzen Sie gern, die quasi immer funktionieren?
Auf jeden Fall Kahoot! Allerdings ist es schwer, von einzelnen Materialien zu sprechen, da eine Stunde von 90 Minuten rund sein muss. Wenn ich wenig Zeit habe, überlege ich mir eine umfangreichere, kreative Aufgabe, die die Stunde mit Vorbereitung, Erarbeitung, Präsentation und Reflexion füllt.
Wie kommunizieren Sie angesichts der aktuellen Umstände mit Ihren Lernenden?
Ich habe mich mit den Eltern darauf geeinigt, mit ihnen und den Lernenden über WhatsApp zu kommunizieren. Dafür habe ich mir ein extra Diensthandy zugelegt. Die Kommunikation mit den Eltern, aber auch mit den Kindern und Jugendlichen klappt ohne Schwierigkeiten – schnell und einfach. Damit das gelingt, habe ich Chatregeln festgelegt, an die sich alle halten. Jeden Morgen begrüße ich die Schülerinnen und Schüler und gebe ihnen Hinweise, wie sie ihren Tag gestalten können. Außerdem stehe ich für Fragen zur Verfügung. Die Lernenden schicken mir gern Fotos von den erledigten Aufgaben und erhalten natürlich ein Feedback von mir. Das finde ich sehr wichtig, denn in der Schule arbeite ich viel mit Lob und positiver Verstärkung. Darauf sollen die Schülerinnen und Schüler auch jetzt nicht verzichten müssen.
Wie gestalten Sie das Lernen für die Schülerinnen und Schüler von zuhause – welche digitalen Anwendungen unterstützen Sie dabei?
Zum eigenständigen Lernen habe ich zunächst Hinweise und eine Art Laufzettel erstellt. Schließlich haben die wenigsten Schülerinnen und Schüler Erfahrungen damit, sich das Lernen und Üben mehr oder weniger allein zu strukturieren. Um die Arbeitsblätter, die mit Übungen und Merkkästen versehen sind, ein wenig aufzupeppen, habe ich verschiedene Bitmoji von mir erstellt. Das macht alles etwas lebendiger. Außerdem gebe ich direkt Hinweise auf Pausen: „Höre dein Lieblingslied und tanze durch die Wohnung.“ oder „Geh auf die Suche nach einem Stückchen Schokolade.“ Wichtig ist, dass die Kinder sich nach getaner Arbeit belohnen und spüren, dass sie etwas geschafft haben.
Zusätzlich zu den Arbeitsblättern habe ich für jeden Lernenden einen Anton-Zugang eingerichtet. Dort wiederholen die Kinder Unterrichtsstoff, den wir bereits behandelt haben.
Jeden Tag gestalte ich mit einem befreundeten Lehrer eine Kahoot-Challenge, bei der seine und meine Klasse gegeneinander antreten. Hierbei nutzen wir selbst gestaltete Kahoots! oder auch bereits bestehende. Bei „fremden“ Kahoots! gilt es jedoch zu prüfen, ob diese fehlerfrei sind. Als Auswertung gibt es jeden Tag ein von uns gestaltetes Siegertreppchen, das die besten fünf Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Challenge zeigt. Die Motivation der Lernenden ist jedes Mal riesig. Für die Abiturstufe gestalte ich in google classroom Lerneinheiten, die sich aus wiederholenden Übungen, Arbeitsblättern und Textmaterial zum Erwerb, aber auch aus Verlinkungen zu Lernvideos und Blogbeiträgen zusammensetzen. Ab und zu nutze ich auch hier Kahoots! zur Motivation und Abwechslung.
Vielen Dank für das spannende Interview und die vielseitigen Einblicke in Ihre Arbeit!
Für alle, die Kahoot! noch nicht ausprobiert haben, gibt es hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:
Verraten Sie uns: Wie gestalten Sie einen digitalen bzw. multimedialen Einsatz generell oder aktuell von zuhause? Wir freuen uns auf Ihr Feedback.







Hinterlasse einen Kommentar