Liebe in Zeiten der Vanitas – ein Plädoyer von Maximilian Nutz
Das folgende Plädoyer stammt von Dr. Maximilian Nutz. Seine Materialzusammenstellung geben wir unten zum Download unverändert wieder. In einer zweiten Datei finden Sie ergänzend unsere Erarbeitungs- und Lösungsvorschläge dazu.
Gedichte materialgestützt interpretieren –
Am Beispiel von Hoffmannswaldaus „Vergänglichkeit der Schönheit“
Bestandsaufnahme
1. Während begleitende Materialien beim Analysieren von Sachtexten und beim argumentierenden Schreiben auch in Klausuren und Abituraufgaben längst herangezogen werden, halten Aufgabenformate des schriftlichen Interpretierens trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten immer noch an dem tradierten „Interpretationsaufsatz“ fest.
2. Die Verstehensanforderung des „Interpretationsaufsatzes“ lebt nach wie vor von der Illusion, Lernende könnten den „Sinn“ im einsamen Dialog mit dem Text durch geschickte Verbindung von analytischen Verfahren und ästhetischer Sensibilität erschließen. Dabei zeigt die Praxis, dass vor allem bei Prüfungsaufgaben die geforderte zusammenhängende Deutung von poetischen Texten als einer „Sinnganzheit“, als einem Beziehungsgefüge von Inhalt und Form meist kaum gelingt, dass die Texte der Lernenden oft über ein Gemenge aus schematischer Beschreibung von Formelementen, Paraphrasen des „Inhalts“ und mehr oder weniger einfallsreichen Funktionsbestimmungen einzelner „Gestaltungsmittel“ nicht hinausgelangen.
3. Sowohl im traditionellen hermeneutischen Modell des einfühlenden Sinnverstehens als auch in der heute modischen Aufwertung des Lesers zum Produzenten des Textsinns wird nicht genügend berücksichtigt, dass nicht nur die Texte, sondern auch ihre Leser eingebunden sind in gesellschaftlich mehr oder weniger geregelte Möglichkeiten der Kommunikation, durch die Produktions- und Rezeptionsprozesse auf der Grundlage eingespielter symbolischer Interaktionen gesteuert werden. Solche Ordnungen und Regelungen der Kommunikation kann man im Anschluss an Foucault als Diskurse bezeichnen, die in unseren Köpfen als Wahrnehmungsmuster, Denkfiguren und Verstehensschemata am Werk sind, ohne dass uns das immer bewusst ist.
Vorschläge
Statt Texte zunächst in „einsamer“ Sinnsuche „werkimmanent“ zu interpretieren und dann mit Hilfe eines mehr oder weniger differenzierten Epochenwissens einzuordnen, sollten Materialien in die verschiedenen Phasen der Interpretation von dem ersten Verständnis über die aspektorientierte Erschließung bis zur schriftlichen Darlegung einbezogen werden.
Dabei können Kontextmaterialien so ausgewählt werden, dass sie helfen,
- Kernfragen der Deutung leichter zu erkennen und differenzierter zu beantworten,
- Texte in Kontexte einzuordnen, die mit Hilfe der Materialien selbstständig erarbeitet werden können,
- Deutungsthesen in der schriftlichen Interpretation argumentativ abzusichern.







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