Graphic Novels im Deutschunterricht


Wer hat als Jugendlicher nicht gerne Comics gelesen? Aber ist das etwas für den Deutschunterricht? Graphic Novels bieten Bildgeschichten mit Niveau.

von Petra Breuer-Küppers

© ShutterStock.com RF (studiostoks)

Sind das nicht Comics? Was sollen die im Deutschunterricht? Da fehlt doch der Anspruch, die sind so banal.

So oder ähnlich sind häufig die Reaktionen, wenn man eine Graphic Novel im Lehrerzimmer herumliegen lässt. Wer aber genauer hinschaut, stellt fest, dass Graphic Novels gar nicht banal sind – sie sind oft von hoher Qualität, sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch. Bei einer Graphic Novel ist beides wichtig: Bild und Text. Bilder sind hier mehr als bloße Illustration, sie erzählen einen Teil der Geschichte. Und diese Geschichten sind durchaus anspruchsvoll. Beispiele dafür finden sich im Schülerband 8 von „deutsch.kombi plus“. Hier werden neben den Figuren und der Geschichte des Romans „Drachenläufer“ Biographien von interessanten und wichtigen Persönlichkeiten aus verschiedenen Zeiten vorgestellt: Hieronymus Bosch, Albert Einstein und Helen Keller. Die Aufgaben dazu machen den Schülerinnen und Schülern Spaß, weil sie durch die Bilder schnell auch einen emotionalen Zugang zu den dargestellten Personen finden. Zudem sind die Aufgaben sehr abwechslungsreich und beinhalten auch Internetrecherchen, was zum Beispiel meine Schülerinnen und Schüler immer „cool“ finden.

Beispielseite zur Graphic Novel „Sprechende Hände“ von Helen Keller in deutsch.kombi plus für Klasse 8 (ISBN 978-3-12-313474-6)

 

Meine persönliche Lieblings-Graphic Novel ist die Geschichte von Helen Keller (siehe Abbildung), einem taubblinden Mädchen, das mit eisernem Willen (und mithilfe ihrer Erzieherin Anne Sullivan) es schaffte, sich in einer besonderen Gebärdensprache zu verständigen. Sie erhielt eine gute Schulbildung, studierte und setzte sich als Schriftstellerin für die Rechte blinder Menschen ein. Die Bilder der Graphic Novel stammen von Joseph Lambert, der eindrücklich zeigt, wie dunkel die Welt der kleinen Helen Keller war, und wie im Laufe der Zeit Gegenstände und Personen für sie „sichtbar“ werden, weil sie nun einen Namen haben. Banal ist anders.

Meinen Schülerinnen und Schülern hat die Arbeit mit den Graphic Novels und den Biographien viel Freude gemacht. Einzelne Schüler waren sogar so begeistert vom Thema, dass sie nicht nur die vorgestellten Graphic Novels als Ganzes gelesen, sondern sich auch in die Biographien in Textform eingelesen haben. Auch einige wunderschöne Panels sind entstanden.

Graphic Novels bieten einen besonderen Zugang zur Literatur, machen Spaß und lassen sich im Unterricht wunderbar einsetzen. Hier können sich die unterschiedlichen Talente einer Klasse austoben: Recherche im Internet, Schreiben von Kurzbiographien, Zeichnen von Panels, Texten von Balloons usw. Nutzen Sie den kostenlosen Download, um eine eigene Graphic Novel zu zeichnen:  Arbeitsblatt Graphic Novel
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