Der Urlaub ist geplant, nur die richtige Lektüre fehlt noch? Unsere Redaktion hat spannende Lesetipps für Ihre freien Tage zusammengestellt.
H. P. Lovecraft: Die Berge des Wahnsinns
Die 1931 geschriebene Novelle des amerikanischen Schriftstellers H.P.Lovecraft und das Genre „kosmischer Horror“ kannte ich bisher noch nicht. Ein wirklich bemerkenswertes und ungewöhnliches Buch, das den besten Erzählungen Edgar Allan Poes in nichts nachsteht.
Seit seiner frühen Kindheit übt die Antarktis auf H. P. Lovecraft (1890 – 1937) eine große Faszination aus. Der Roman beginnt eher verhalten als Expeditionsbericht im südlichen Eis, schlägt aber sehr schnell in unheimliche, grauenvolle Entdeckungen des Ich-Erzählers um. Und in relativ kurzer Zeit gerät die Erforschung der Berge des Wahnsinns und seiner gottgleichen, außerdimensionalen Kreaturen, die in ferner Urzeit dort lebten, außer Kontrolle.
Die Verknüpfung von Fantasy- und Horrorelementen ist faszinierend und der Schrecken des Unbekannten und Unverständlichen wirkt bis zum letzten Satz. Großartig ist auch das Nachwort des Übersetzers, der mit vielen Details zum Leben des Schriftstellers und seinen weiteren Werken aufwartet.
Der Preis des Hardcovers überzeugt in Verbindung mit der magischen Covergestaltung, zudem ist das Buch vom Umfang her ein idealer Urlaubsbegleiter.
Tipp: Bestimmt ist es ein Vorteil, den Roman in Originalsprache zu lesen.
Anaconda | ISBN 978-3-7306-1191-3
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Paul Auster: Nacht des Orakels
Der Schriftsteller Sidney Orr, 35, verheiratet und Ich-Erzähler des Romans, erholt sich langsam von den Folgen eines schweren Unfalls, der seine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nachhaltig beeinträchtig hat. Auf einem seiner Spaziergänge durch Brooklyn entdeckt er einen kleinen Schreibwarenladen und kauft dort ein mysteriöses blaues Notizbuch, das seine Schreibhemmung, die ihn seit dem Unfall plagt, mit einem Schlag verschwinden lässt. Er greift eine Anregung seines väterlichen Freundes John Trause, ebenfalls Autor, auf und beginnt mit ungeahnter Energie die Geschichte des Lektors Nick Bowen zu skizzieren, der urplötzlich sein gesamtes Leben aufgibt; lediglich das Manuskript „Nacht des Orakels“ einer inzwischen verstorbenen Bestsellerautorin nimmt er mit. Während Orr an der Geschichte arbeitet, findet er zufällig heraus, dass sein Freund John Trause ebenfalls ein blaues Notizbuch besitzt …
„Nacht des Orakels“ ist meisterhaft erzählt und entfaltet mit seiner raffinierten Konstruktion, in der Realität und Fiktion bis zur Ununterscheidbarkeit miteinander verwoben sind, einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Als Leser folgt man dem immer wieder von merkwürdigen Zufällen geplagten Erzähler atemlos auf seiner Suche nach sich selbst und wird dabei unversehens zum Detektiv, der unbedingt die Regel hinter diesem rätselhaften Spiel voller Verweise und Verdoppelungen aufdecken will.
Rowohlt Verlag | ISBN 978-3-644-02091-7
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Doris Dörrie: Die Heldin reist
In diesem Buch berichtet die Filmemacherin und Schriftstellerin Dorris Dörrie autobiografisch von den drei wichtigsten Reisen in ihrem Leben und verbindet diese Schilderungen mit Reflexionen und Gedanken zu ihren jeweiligen Lebensstationen bzw. -abschnitten. Geschrieben in einem leichten, lockeren und gleichzeitig ehrlichen Ton, interessant, amüsant und berührend zu gleich.
Diogenes | ISBN 978-3-257-07184-9
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Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe
„Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.“ So beginnt die berührende Geschichte von Isa, die durch das Anstaltstor hinaushuscht und dann wie im Fieberwahn barfuß weiterläuft, über Felder, durch Dörfer, Wälder, an der Autobahn entlang, sich nach kühnem Sprung auf einem Flusskahn befindet und mitfährt. „Die Sterne wandern, und ich wandere auch.“ Sie trifft auf ihrem Weg angenehme und rätselhafte Menschen, vielleicht sogar den Autor in grüner Trainingsjacke, und schließlich auch die beiden Jungen Maik und Tschick.
Herrndorfs posthum erschienenes Romanfragment überzeugt – so wie wir das von „Tschick“ kennen – durch starke Stimmungen und eine sorgfältig gewählte schnoddrige Sprache, die einen besonderen Sound erzeugt. Mit dem Mädchen Isa lernen wir eine spannend-seltsame, verrückte und verlorene, aber auch radikale und lebenskluge junge Frau kennen. Eine Suchende und Wissende.
Rowohlt | ISBN 978-3-499-26909-7
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Dirk Stermann: Mir geht‘s gut, wenn nicht heute, dann morgen
Das sagt Erika Freeman, 1927 in Wien zur Welt gekommen, 2019 dorthin halbwegs unfreiwillig zurückgekehrt. Stermann, seinerseits 1965 in Duisburg geboren, heute Comedian, Autor, Talkmaster und euphorischer Wahl-Wiener, hat Erika in seine TV-Show eingeladen. Die heute 96-jährige Psychoanalytikerin und Jahrhundertzeugin war zunächst dank Corona an der Donau gestrandet, hatte dann beschlossen, den österreichischen Pass nochmals zu beantragen. Seitdem residiert sie im Hotel Imperial, wo auch Richard Wagner und Hitler gefrühstückt haben.
Stermann und Freeman freunden sich an, treffen sich dann regelmäßig im Hotel, bei Kipferl und Kaffee, zum Reden. Stermann notiert und ordnet, was Freeman zu berichten weiß: Zur Rettung vor den Nazis von der Mutter allein nach New York geschickt, dort verachtet und durchgeboxt, später ausgebildet beim Lieblingsschüler Sigmund Freuds. Begleiterin der Gründung des Staates Israel, hat Erika später Hollywoods Prominenz auf der Couch. Die beiden feiern und belegen jüdische Lebenslust und einen einzigartigen Witz. Freeman antwortet schlagfertig, gelassen, ohne Selbstsucht. Warum hassen Menschen so gern? Was bedeutet ihnen die Liebe? Ein Roman ist das nicht, schon gar kein Denkmal. Aber ein sprühendes, lebenskluges Zeugnis zweier Fähigkeiten – des Zuhörens wie des Erzählens.
Rowohlt | ISBN 978-3-498-00374-6
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Britney Spears: The Woman in Me
Nachdem Popstar Britney Spears im Sommer 2021 die Möglichkeit bekam, vor Gericht auszusagen, gelang es ihr und ihrem Team endlich, sie aus ihrer 13 Jahre andauernden Vormundschaft zu befreien. Bis zuletzt hatte ihr Vater die volle Kontrolle über sie und ihr Leben, da Britney zu Beginn der Vormundschaft als psychisch beeinträchtigt eingestuft wurde. Ihr Vater kontrollierte, wofür sie Geld ausgab, mit wem sie eine Beziehung einging, wann sie ihre Kinder sah. Mit dieser Autobiografie teilt Britney nun ihre ganze Wahrheit mit der Welt.
Anders als von mir erwartet, geht es wenig um ihren Werdegang und ihr Vermächtnis als Popstar; vielmehr nutzt sie die großen Meilensteine ihrer Karriere nur als Zeitstrahl, um mal eine Anekdote, mal eine verstörende Erinnerung zeitlich einzuordnen. „The Woman in Me“ zeichnet das Bild einer Frau, deren Wünsche und Ängste die meisten Menschen teilen. Viele Momente im Buch offenbaren Britneys tatsächlichen Charakter, sodass man unweigerlich erkennt, wie sehr man eigene Vorstellungen auf eine berühmte Person oder ein Idol projiziert.
Britney berichtet brutal ehrlich von ihrem Kampf für ein Leben in Frieden und Selbstbestimmung, den sie oft gegen ihre eigene Familie führen musste. Ihre Geschichte sollte uns zu denken geben, wie unsere Gesellschaft Personen in der Öffentlichkeit, ganz besonders Frauen, behandelt. Außerdem macht das Buch aufmerksam auf die wichtige Debatte darüber, welche Rechte behinderte Menschen – die beispielsweise wie Spears als psychisch beeinträchtigt gelten, ob zu Recht oder nicht – in der Realität tatsächlich besitzen. Absolut lesenswert, besonders dann, wenn man kein Fan ist.
Penguin | ISBN 978-3-328-60297-2
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Konnten wir mit einem Tipp Ihr Interesse wecken? Welches Buch hat Ihnen zuletzt gut gefallen? Schreiben Sie es uns gern. Wir wünschen einen erholsamen Sommer!







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