Materialgestütztes Schreiben (Teil 2): Augen auf bei der Materialauswahl!


Wie findet man geeignete Texte für das materialgestützte Schreiben? Für Lehrkräfte ist das eine erhebliche Herausforderung. Prof. Dr. Juliane Köster erklärt, was dabei zu beachten ist. Und welche „amtlichen Vorgaben“ dabei eine Rolle spielen.

Bei der Textanalyse oder -interpretation hat man es immer nur mit einem einzelnen Text zu tun. Materialgestütztes Schreiben bedeutet ein Doppeltes: fremde Texte zu erschließen und sie dann mit eigenem Wissen zu einem in sich geschlossenen neuen Text zu verbinden.

Dabei stellen sich zentrale Fragen, die im Folgenden kurz erläutert werden.

Wie muss das Material beschaffen sein?

Für die Gymnasiale Oberstufe gibt es seit 2015 „amtliche Erläuterungen“ zur Beschaffenheit des Materials. Sie finden sich auf der Website des IQB.

Die Materialien bilden unterschiedliche Textsorten ab, z. B.:

  • „lineare und nichtlineare Texte“: Mit „nichtlinearen Texten“ sind nicht nur Tabellen, Statistiken und Grafiken gemeint, sondern auch Landkarten, Karikaturen etc. Ob bzw. in welchem Maß literarische Texte angeboten werden sollen, wird aktuell in der Literaturdidaktik diskutiert. Denn in der Regel beanspruchen sie besonders viel Erschließungsaufwand.
  • „kürzere und längere Texte“: Wichtig ist, dass es sich nicht um zahlreiche „Textschnipsel“ handelt, sondern um intertextuell verknüpfbares Material. Besser drei 15-Zeiler als neun Fünfzeiler.
  • „populärwissenschaftliche, journalistische, literarische und – im Schwierigkeitsgrad angemessene – wissenschaftliche Texte“: Gerade diese konkreten Textsorten dürften allzu kurze und allzu viele Textangebote ausschließen.
Wie viele Materialien sind zu empfehlen?

Die „amtlichen Erläuterungen“ des IQB (2015) legen Folgendes fest: „Die Materialien bestehen aus mehr als drei Texten und bilden unterschiedliche Textsorten ab.“  Gerade weil die Nutzer Bezüge zwischen den Materialien herstellen müssen, sollte die Anzahl der Materialien sorgsam bedacht werden. Entscheidend ist, dass die Materialien für den vergleichenden Blick produktiv sind.

Sollen Themen und Material fachbezogen oder alltagsnah sein?

Wie fachbezogen muss das Material sein? In der Sekundarstufe I geht es sowohl um lebensnahe Themen als auch um Themen mit Fachbezug. Für die Gymnasiale Oberstufe wird der Fachbezug gefordert und domänenspezifisches Material verpflichtend gemacht (IQB 2015).

Was müssen Lehrpersonen darüber hinaus bei der Wahl der Materialien berücksichtigen?

Sollen die Materialien für einen informierenden oder für einen argumentierenden Text genutzt werden?

  • Für einen informierenden Text sollte entweder ein Überschuss an Information angeboten werden, sodass die Nutzer eine eigene Auswahlentscheidung treffen müssen, oder die Nutzer müssen aus argumentierenden Materialien den Informationsgehalt erschließen.
  • Für einen argumentierenden Text sollte auf argumentierendes Material weitgehend verzichtet werden.

Was macht die Erschließung der Materialien schwierig?

  • Die meisten Materialien stellen nur Ausschnitte aus einem größeren Zusammenhang dar.
  • Sie sind folglich kontextlos und die Nutzer müssen den Kontext selbst herstellen.

3 Tipps – damit die Materialauswahl gelingt!

    • Anzahl und Vielfalt der Materialien beschränken
    • Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen den Materialien beachten
    • Selbsterklärende Materialien wählen, die keine Hilfen erfordern
Mehr Informationen? Hier geht es zum Blogartikel „Materialgestütztes Schreiben – für eine gezielte Textproduktion im Deutschunterricht“ mit Übersicht zu den Schritten der Rezeptions- und Produktionsphase zum kostenlosen Download.
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ist emeritierte Professorin für Fachdidaktik Deutsch am Institut für Germanistische Literaturwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität.

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