Medienbildung einfach und kreativ umsetzen – Ein Interview mit Sonja Hennig


Bücherstapel mit Tablet
© Getty Images Plus/Microstock (iStock / fstop123)

Die Vermittlung von Medienkompetenz zieht verstärkt als Herausforderung in den Deutschunterricht ein. „Kreativ werden und gelassen bleiben“, rät Sonja Hennig, die das Thema als Deutschlehrerin und Medienbeauftragte seit Jahren in der Praxis umsetzt.

„Medienbildung“ oder „Medienkompetenz“ soll in Zukunft ein noch festerer Bestandteil des Schulunterrichts werden. Nach dem gemeinsamen Beschluss der Kultusministerkonferenz wird dieses Vorhaben nun aktuell in Form von Kompetenzrahmen – zum Beispiel dem Medienkompetenzrahmen NRW – in allen Bundesländern diskutiert. Es hält Einzug in die Lehrpläne und natürlich auch in die Schulbücher von Klett.

Medienkompetenz: Eine Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer

Die Umsetzung der Anforderungen dieser Medienkompetenzrahmen liegt letztlich bei den Lehrerinnen und Lehrern. Das Schulfach Deutsch wird dabei häufig als Leitfach betrachtet.

Bei diesem Thema, das häufig theoretisch abgehandelt wird, helfen echte Tipps aus der Praxis. Aus diesem Grund haben wir Sonja Hennig, Deutschlehrerin und schulische Medienbeauftragte um ein Interview gebeten. Sie ist nicht nur in der Schule, sondern als Frau Sonnig auch als Bloggerin, auf Twitter und YouTube unterwegs und stellt dort jede Menge kreative Ideen und Tipps zu Medienkompetenz und insbesondere Flipped Learning* vor.

Drei Fragen zu Medienkompetenz und Flipped Learning im Deutschunterricht

deutsch-klett: Frau Hennig, warum sollte ich mich als Deutschlehrerin oder Deutschlehrer mit dem Thema Medienkompetenz und digitalen Medien im Unterricht beschäftigen?

Sonja Hennig
© Sonja Hennig

Sonja Hennig: Es geht im Grunde um zwei Dinge: Das Lernen mit Medien und das Lernen über Medien. Zum einen sind Medien für mich als Deutschlehrerin eine Bereicherung meiner Möglichkeiten und Methoden, individueller fördern und fordern zu können. Werden die Schülerinnen und Schüler zudem z. B. bei einer Videoproduktion selbst aktiv, wird das soziale Lernen gefördert. Das zahlt dann auch auf die Medienbildung ein: Wer selbst aktiv wird und eigene Medieninhalte produziert, kann besser über ihre Produktion und Wirkung reflektieren – und überträgt das auch auf andere Produkte im Internet.

Damit bin ich bereits beim Lernen über Medien: Ich glaube der Deutschunterricht kann dazu beitragen, den Schülerinnen und Schülern verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu vermitteln. Wir müssen sie befähigen, in unserer Informationsgesellschaft sicher und selbstverantwortlich durch Netz und Social Media navigieren zu können, Fake News und Manipulation zu erkennen. Es gab im Deutschunterricht schon immer Bereiche, in denen über die Verwendung von Sprache und Darstellung reflektiert wurde. Mit der Digitalisierung kommt ein neuer Teil hinzu.

deutsch-klett: Wie kann ich als Lehrerin oder Lehrer den Unterricht multimedialer gestalten, wenn meine Schule nicht mit Tablets oder WLAN ausgestattet ist?

Sonja Hennig: Wenn es beides nicht gibt, ist das wirklich eine Herausforderung – da muss man kreativ werden. Ich würde als erstes versuchen, die Aufgaben nach Hause zu verlagern. Meistens haben die Schülerinnen und Schüler zu Hause Internet und könnten dort z. B. Erklärvideos mit einer Hausaufgabe erarbeiten. In der Deutschstunde könnte man sich dann auf die individuelle Betreuung konzentrieren. Denkbar wären auch interaktive Lernspiele oder ein Quiz zu Hause, damit die Hausaufgabenkontrolle im Unterricht reduziert wird. In den höheren Klassen könnte man Gruppenarbeiten kollaborativ zu Hause erledigen lassen, zum Beispiel auf dem Padlet oder Etherpad. Das müsste man natürlich im Unterricht gut vorbereiten.

Eine zweite Möglichkeit wäre „Bring your own device“, dass also die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Gerät mitbringen. Im Unterricht könnte man dann zum Beispiel QR-Codes nutzen, die mit reinem Text auch offline nutzbar sind.

Weitere Möglichkeiten wäre zum Beispiel Plickers (externer Link), bei dem die Schülerinnen und Schüler dann Karten in der Hand haben. Das ist eigentlich ein Diagnosetool, das ich in dem Fall einfach kreativ zur Aktivierung der Lernenden verwende. Oder man geht für den Deutschunterricht einmal eine Stunde in den Informatikraum.

deutsch-klett: Nehmen wir an, ich habe mich als Lehrerin oder Lehrer entschieden, zum Beispiel einmal Flipped Learning selbst auszuprobieren. Was wären Ihre 3 goldenen Tipps für mich?

Sonja Hennig: Da hätte ich drei Vorüberlegungen und drei Tipps für Sie.

Zunächst die Vorüberlegungen:

  1. Kooperieren Sie mit den Kolleginnen und Kollegen: Es ist wichtig, dass man sich austauscht und zum Beispiel gemeinsam Material erstellt.
  2. Holen Sie die Eltern ins Boot: Diese müssen wissen, warum ihr Kind zu Hause auf einmal zur Hausaufgabe an den Computer muss.
  3. Sensibilisieren Sie Ihre Klasse: Ein Erklärvideo zu bearbeiten ist eine richtige Hausaufgabe und hat nichts mit Popcornkino zu tun.

Nun habe ich noch drei Tipps für die konkrete Umsetzung für Sie:

  1. Nutzen Sie zunächst vorhandenes Material, um Vorbereitungsaufwand zu reduzieren: Es gibt jede Menge guter Erklärfilme, die bereits im Netz existieren. Diese kann man nutzen und sich Arbeitsmaterial dazu anlegen. Aber auch dafür gibt es Vorlagen, z. B. bei LearningApps.org (externer Link), wo es einen Fundus an bereits vorgegebenen Aufgaben gibt, die man einfach übernehmen oder anpassen kann.
  2. Konzentrieren Sie sich auf ein Unterrichtsvorhaben und ein digitales Tool: Es hilft nicht, den gesamten Deutschunterricht umstellen zu wollen. Besser ist es, bei einem Thema mit einem Tool anzufangen, in das man sich gut hineindenkt.
  3. Seien Sie etwas weniger perfektionistisch: Ein Erklärvideo darf ruhig selbstgemacht aussehen. Hier sollte man gelassen sein und auch Vertrauen in die Schüler haben. Meiner Erfahrung nach sind diese nämlich meistens geduldig und experimentierfreudig. Sie unterstützen auch gerne, wenn einmal etwas nicht perfekt gelingt.

deutsch-klett: Vielen Dank, dass Sie Ihre Ideen mit uns geteilt haben!

Erfahren Sie mehr zu Medienkompetenz im Deutschunterricht und Sonja Hennigs Unterrichtsideen in ihrem Blog Sonnige Einsichten ins Lehrerleben (externer Link).

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Interessante Links:

*Was ist Flipped Learning? Lesen Sie mehr dazu im Blog von Sonja Hennig: https://sonnigeeinsichten.jimdo.com/2017/08/22/der-unterricht-steht-kopf-deutschflip/ (externer Link).

Digitaler Deutschunterricht: Was spricht dafür und was dagegen? https://deutsch-klett.de/digitaler-deutschunterricht-was-spricht-dafuer-und-was-dagegen/

Unterrichtsidee zur Analyse von Sprache in Whatsapp-Nachrichten: https://deutsch-klett.de/chat-sms-und-co/

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