Uns ist in alten mæren wunders vil geseit/von helden lobebæren, von grôzer arebeit…
Was zunächst wie eine Fremdsprache klingt, stellt den Beginn des Nibelungenliedes dar, dessen Verfasser ein unbekannter Dichter am Hof des Passauer Bischofs Wolfger von Erla war. Entstanden aus einem Geflecht historischer und sagenhafter mündlicher Überlieferungen einer verbreiteten alten nordischen Heldensage, wurde es um 1200 niedergeschrieben. Dabei gilt es als herausragendes Beispiel europäischer Heldenepik und zählt heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Doch wie lässt sich diese Erzählung aus längst vergangenen Zeiten in den modernen Deutschunterricht einbinden?
Nicht überall ist das Nibelungenlied aus dem Schulalltag verschwunden, lieben Kinder doch Ritter und Drachen, fürchten sich vor Bösewichten oder verehren die mutigen Helden. Eine empfehlenswerte Nacherzählung in einfacher Sprache bietet nach wie vor der Text von Franz Fühmann, wozu es nun auch von Klett Unterrichtsmaterialien für Lehrerinnen und Lehrer gibt.
Wer jedoch zunächst eine kleine Erinnerung an die Handlung der 39 Aventüren, also der Gesänge, benötigt, dem sei Sommers Weltliteratur to go auf YouTube empfohlen. Hier hilft einem ein ganzes Playmobilensemble mit viel Witz und Schlagfertigkeit in nur 12,5 Minuten ordentlich auf die Sprünge.
Von burcvrouwen und künicen
Das Nibelungenlied besitzt eine lange Erfolgsgeschichte. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden 37 unterschiedliche Handschriften und Fragmente. Als der Text jedoch im 18. Jahrhundert neu entdeckt wurde, schätzte man seine Bedeutung schnell als der der antiken Ilias-Sage gleich. Aber warum? Und was sagt er uns noch heute?
Die psychologisch komplexen Ränke um Herrschaft und Macht, Liebe und Vertrauen, um Verrat und Rache, um Hass und gesellschaftliches Miteinander sind zeitlos und stehen einer modernen Fantasygeschichte tatsächlich in nichts nach. Es muss also nicht immer „Game of Thrones“ sein, auch das Volk der Nibelungen entführt uns in mythische Zeiten und verstrickt uns in verwirrende Legenden. Zugegeben, neuere Verfilmungen kommen an die Thronspiele in Westeros nicht heran.
Worms statt Westeros
Und nach der Lektüre zur Klassenfahrt nach Worms zu den Festspielen zu fahren oder dort das Nibelungenmuseum zu besuchen, sind doch auch interessante Perspektiven. In Karlsruhe lässt sich heute noch die bekannteste der Handschriften bestaunen. Auf deren Schlusszeilen „hie hât das maere ein ende / daz ist der Nibelunge liet“ geht der gebräuchliche Titel des Epos zurück, wobei „liet“ für Dichtung im Allgemeinen steht. In der Handschrift im Kloster Sankt Gallen, die als näher an der mündlichen Überlieferung gelegen gilt, ist in der Schlusszeile die Rede von „diz ist der Nibelunge not“, also vom Nibelungen Leid oder sogar Untergang, da durch die Rache der wunderschönen hochgeborenen Kriemhild ja ach so viele großartige Helden ihr Leben lassen mussten …
Wenn das also mal keine spannende Story ist!
Ihr kostenloses Downloadgeschenk:
Zur Lesekontrolle können Sie dieses Kreuzworträtsel aus der deutsch.kompetent Ausgabe zum Nibelungenlied im Unterricht benutzen:







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