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Viele Sprachen – eine Klasse

Sie kennen es: Gerade wurden sie noch in den Willkommensklassen unterrichtet, schon sind die Schülerinnen und Schüler in den Regelunterricht integriert. Die sprachliche Ausgangssituation im Deutschunterricht kann dabei sehr verschieden sein. Wie weckt man Verständnis füreinander? Wie findet man zueinander? Deutsch kompetent macht einen Vorschlag für die Mittelstufe, den wir Ihnen auch zum Download anbieten.

Sich über den Austausch zu Muttersprachen kennenlernen

Wenn es für die Schülerinnen und Schüler wichtig ist, sich zunächst einmal kennenzulernen, kann ein einfacher, altersangemessener Sachtext über den Spracherwerb hilfreich sein. Bspw. wenn darin Hörerfahrungen im Mutterleib, das Brabbeln von Babys und das Sprachfenster von Kindern thematisiert sind ebenso wie die Tatsache, dass es Erwachsenen später nicht mehr so leichtfällt, eine neue Sprache zu erlernen. Schlicht und einfach wenige erste Fakten.

Der Text, den wir Ihnen im Download anbieten, wird zunächst gemeinsam mithilfe von Lesetechniken wie der „5-Schritt-Lesemethode“ erschlossen. Dieses Wissen um die Zusammenhänge von Sprachenlernen kann schon das Selbstbewusstsein der Kinder stärken und Anlass bieten, über den jeweils eigenen Spracherwerb zu sprechen: Was werden z.B. in der Familie dazu für Geschichten erzählt?

Aber auch die unterschiedlichen Sprachen in der eigenen Familie können so Gesprächsgegenstand werden. Vielleicht wird ja sogar die Frage gestellt, ob auch Dialekte eigene Sprachen sind. So wird Sprachenvielfalt jedenfalls als Reichtum erfahrbar und nebenbei lernen sich alle besser kennen.

Sich in anderen Sprachen versuchen

Dann können alltägliche Wörter wie Begrüßung, Dank oder auch Sonne, Mond und Sterne in den unterschiedlichen Sprachen der Klasse an der Tafel in einer Tabelle gesammelt werden. Anschließend übt man sich gemeinsam, ggf. zunächst in Partnerarbeit, in der jeweils fremden Aussprache. Das ist bestimmt nicht ganz einfach und kann sogar lustig sein. In jedem Fall weckt es Verständnis für die Schwierigkeiten und Tücken, mit denen Kinder konfrontiert sind, die das Deutsche nicht als Muttersprache sprechen.

Anschließend können Gemeinsames und die Unterschiede der Sprachen betrachtet werden, bspw. Unterschiede in der Aussprache gleicher Buchstaben oder der Umgang mit der Großschreibung. Interessant ist auch, wieviel Fälle es jeweils in der Deklination oder ob es diese überhaupt gibt oder was in der türkischen, einer agglutinierenden Sprache, alles in einem Wort transportiert wird, also was die Wortendungen ausdrücken. Wem das zu kompliziert ist, betrachtet nur die verschiedenen Artikel: Warum ist der Mond im Deutschen männlich, im Bulgarischen aber weiblich bzw. warum kann man zu Sprachen schwerlich die Frage stellen „Warum ist das so?“, da es bei gewachsenen Sprachen nicht immer logische Begründungen gibt.

Jedenfalls kann all das ein schöner Anlass für eine erste und einfache Sprachreflexion sein.

Über die Sprache Farbe bekennen: Das eigene Sprachenporträt gestalten

Wenn die Neugier und das Bewusstsein für die Vielfältigkeit erst einmal geweckt sind, kann auch versucht werden, ein eigenes Sprachenporträt zu erstellen. Dazu wird der Umriss einer Figur auf ein Blatt Papier gezeichnet. Anschließend wird die Figur mit Farben ausgemalt. Jede Farbe steht für eine Sprache oder für einen Dialekt – welche Farbe eine Sprache hat, kann jedes Kind selbst entscheiden.

Je nachdem, wo die Farbe angesiedelt wird – bspw. im Kopf, im Herzen, in den Standbeinen, Handlungsarmen oder Berührungshänden – lässt sich ggf. etwas aussagen. Auch deutschsprachige Kinder können ihren fremdsprachigen Begegnungen in der Schule oder in einem Urlaubsland so Platz einräumen.

Wie viel Platz unterschiedlichen Sprachen oder Dialekten eingeräumt wird, lässt ebenfalls Schlussfolgerungen zu. Wer mag, kann sein Sprachenporträt erläutern.

Wenn das Sprachenporträt als Arbeitsauftrag zu schwierig zu erklären ist, steigen Sie mit einem vorbereiteten Sprachenporträt einer fiktiven Figur ein und lassen erst dann die Schülerinnen und Schüler eigene erstellen – ggf. auch als Hausaufgabe.

So lässt sich erfahren, wie bunt, aber auch wie kompliziert unsere Welt ist. In jedem Fall sollte dadurch Toleranz und gegenseitiges Verständnis erwirkt werden.

Wir machen Ihnen eine Doppelseite aus Deutsch kompetent 5 NRW als Download zum Geschenk! Wir danken für diese Unterrichtsidee den Autorinnen Barbara Geist und Suzana Vezjak.

Probieren Sie sie aus und schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen und ggf. eigenen guten Ideen!

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