Seit mehr als tausend Jahren inspiriert König Artus zahlreiche Künstler, seine Geschichte immer wieder neu zu erzählen. Für den Schreibwettbewerb 2021/22 haben sich über 160 Schülerinnen und Schüler davon anregen lassen.
Im letzten September hatten wir dazu aufgerufen, am 31. März war Einsendeschluss – nun hat die Jury getagt und die Preisträgerinnen und Preisträger stehen fest! Begleitend zur Musiktheaterproduktion des Kinder- und Jugendchores »König Artus«, prämieren die Oper Leipzig und der Ernst Klett Verlag an uns eingesandte Geschichten zum Thema »Wenn ich plötzlich König oder Königin wäre …«.
Die Preisträger/-innen sind:
In der Mittelstufe
WENN ICH PLÖTZLICH KÖNIGIN WÄRE
Ich grüße euch, meine Freunde.
Ich grüße euch, Ihr Armen und Reichen, Ihr Angesehenen und Ihr, die bis jetzt im Schatten standen.
Ich grüße euch Ihr Männer, Frauen und Kinder.
Ich grüße euch, mein Volk.
Zuallererst möchte euch meinen uneingeschränkten Dank für das Vertrauen, das ihr mir entgegenbringt, aussprechen, indem ihr euer heiliges Land in meine Hände legt. Es wird mir eine Ehre sein euch zu leiten und euer… nein, unser Land auf einen, nie da gewesen Punkt der Macht zu führen. Ich werde euch Gerechtigkeit bringen, aber Güte denjenigen gegenüber zeigen, die ihre Taten aufrichtig bereuen, denn Güte ist der Rache immer vorzuziehen. Zunächst möchte ich eure Gedanken zu einem sehr bekannten Zitat lenken, das mich schon immer zum Nachdenken gebracht hat: »Den wahren Charakter eines Menschen erkennt man nicht daran, wie er mit seinen Gleichgestellten spricht, sondern wie er seine Untertanen behandelt.« Viele Menschen sind von diesem Zitat begeistert, doch ich zweifle an der Schönheit dieser Zeilen, da, meiner bescheidenen Meinung nach, gar kein Begriff existieren sollte, der jemanden als weniger wichtig als einen anderen darstellt. Jeder Mensch besitzt die gleiche Menge an Wert, bloß jeder auf seine eigene Weise.
Das Problem ist, dass es einigen Menschen schwerfällt, den Wert anderer zu erkennen, so wie man eine Sprache nicht versteht und sie deshalb nicht so sehr achtet wie die eigene. Mein Ziel ist es, Gleichberechtigung in unser Land zu bringen. Keiner bedeutet mehr als ein anderer. Auch wir, also ich, meine Vorgänger und meine Nachfolger, sind nicht mit mehr Wert gesegnet als ihr anderen, doch ist es trotzdem wichtig, ein Oberhaupt zu haben, das wichtige Entscheidungen unparteiisch und logisch trifft, das einen durch dunkle Zeiten und kritische Situationen führt und für einen da ist, wenn man Probleme hat, wie ein tief verwurzelter Baum, an dem man sich festhalten kann, wenn ein schrecklicher Sturm einen von den Füßen zu reißen droht.
Ihr mögt meine Einstellung für lächerlich, wenn nicht gar verrückt halten und ich verstehe das, denn es ist schwer zu glauben, dass man mit Güte, Freundlichkeit und Gleichberechtigung ein Land so hochbringen kann, dass es als mächtig bezeichnet wird. Aber genau diese Gedanken haben jeden, der es versucht hat, zum Scheitern gebracht und sie werden auch uns scheitern lassen.
Mein erster Befehl als neuer König lautet daher: Öffnet euch für Neues, probiert die alten, starrköpfigen Meinungen, mit denen ihr aufgewachsen seid, für einen kurzen Moment zu vergessen und seht die neuen Möglichkeiten, die wir hätten, wenn wir es wirklich schaffen, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Viele Menschen werden uns für schwach halten und es wird nicht leicht, alte Gewohnheiten abzulegen und uns dazu zu überwinden, unser Hab und Gut zu teilen. Doch letztendlich zählt doch: »Ein Team ist nur so stark wie sein schwächstes Glied« und wenn unser schwächstes Glied sich doch kaum vom Rest von uns unterscheidet und genauso stark, entschlossen und mutig ist, wird es ein Leichtes, uns der Kraft des Feindes zu widersetzen. Meine ersten Maßnahmen, um unser Ziel zu erreichen, werden sein, dafür zu sorgen, dass jeder ein Dach über den Kopf hat und keine Menschen mehr sterben müssen, weil es zu wenig Essen wie auch Trinken gibt. Es wird nicht schwer, dass alles hier in Deutschland umzusetzen, da wir schon jetzt ein relativ gutes System haben, um sowas zu vermeiden. Daher werden meine nächsten Schritte sein, unser Vorhaben, auch in anderen Ländern umzusetzen. Wenn wir dies schaffen, können wir auch über Möglichkeiten nachdenken, wie es möglich wird, dass jeder Mensch eine eigene Arbeitsstelle hat, für die er auch einen angemessenen Lohn bekommt. Doch ist es nicht unsere Aufgabe, denen das Leben zu erleichtern, die sich aus freien Stücken für ein arbeitsloses Leben entschieden haben und nichts dafür tun, dies zu ändern? Wir helfen den Armen und Hilflosen und jenen die sich nicht verteidigen können. Natürlich ist es euch auch jederzeit möglich, weitere Ideen vorzubringen, wie wir die Gleichberechtigung durchsetzen können.
Auch wenn mein Vorhaben unmöglich klingt, werde ich mich mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass jenes, was ich jetzt gesagt habe, keine, wie es euch erscheinen mag, leeren Worte bleiben. Zu gegebener Zeit werde ich euch meinen Plan mitteilen, wie ich alles in die Wege leiten möchte, doch noch nicht jetzt, denn jetzt möchte ich euch erst einmal die Zeit geben, euch über meine Worte eine Meinung zu bilden und zu entscheiden, wie ihr bestmöglich dazu beitragen könnt, dass wir schnell und effektiv an unser Ziel gelangen.
DIE MÄRCHENEULE
Unseren Reportern ist es gelungen, ein Interview mit unserer neuen Königin zu führen. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen unseres interessanten Gespräches.
Märcheneule (ME): Guten Tag, Eure Hoheit!
Königin (K): Guten Tag auch Ihnen! Aber nennen Sie mich bitte nicht „Eure Hoheit“! Ich bin Königin und keine Baskettballspielerin. Und das ist schon schlimm genug.
ME: In Ordnung, Frau Königin! Können Sie uns bitte verraten, was daran schlimm ist?
K: Als Königin bin ich nicht demokratisch gewählt worden. Außerdem wurde ich auch nicht gefragt, ob ich Königin sein will. Ich wurde es einfach. Können Sie mir mal bitte erklären, was daran toll sein soll?
ME: Moment, ich stelle doch hier die Fragen! Also: Wie wurden Sie Königin?
K: Nachdem der alte König nicht mehr König sein konnte, wurde nach einer Nachfolge gesucht. Dabei kam es gar nicht darauf an, wer geeignet ist oder nicht oder wer das machen möchte oder nicht. Nein. Es musste jemand aus dem Kreis der königlichen Familie sein. Und die nächste Verwandte war ich! Zack – war ich Königin.
ME: Und Sie wurden nicht gefragt, ob Sie das möchten?
K: Keine Chance. So will es die Tradition! Aber sie haben die Rechnung ohne mich gemacht! Denn diese Tradition ist das erste, was ich ändern werde!
ME: Oh, das müssen Sie bitte erklären!
K: Klar! Also: Ab jetzt kann niemand mehr König oder Königin werden, weil er oder sie zufällig in die richtige Familie geboren wurde. Nein! Alle Menschen, die das Volk regieren möchten, dürfen sich dafür melden. Alle Kandidatinnen und Kandidaten müssen ihre Ideen und Ziele verkünden und sich beweisen. Und dann wählt das Volk jemanden aus diesem Kreis aus. Nicht auf Lebenszeit natürlich. Alle drei oder vier Jahre wird neu gewählt!
ME: Das wäre ja umwälzend! Was sagt denn Ihr Beraterstab dazu? Der Hofstaat? Die sind davon sicher nicht begeistert!
K: Die habe ich gar nicht erst gefragt! Wozu bin ich Alleinherrscherin? Ich habe das Gesetz geändert und selbst unterzeichnet. In diesen Minuten tritt es in Kraft! Es wird einige überraschen, da bin ich sicher! Aber sie haben es so gewollt.
ME: Haben Sie noch mehr Änderungen veranlasst?
K: Jetzt wo Sie danach fragen… alle Schulen bekommen richtig viel Geld für eine moderne Ausstattung, mehr Personal für kleinere Klassen. Mehr Naturwissenschaft und Astronomie, Werken und Gartenarbeit. Das führt mich gleich zum nächsten Thema: Umwelt und Klima. Hier habe ich veranlasst, dass mehr Geld ausgegeben werden kann für die Forschung zu umweltfreundlichen Produkten und Herstellungsverfahren. Energie wird vor allem von der Sonne, Wind und Wasser kommen. Der Flugverkehr auf Kurz- und Mittelstrecken wird reduziert, dafür wird das Bahnnetz ausgebaut und Fahrkarten werden preiswert gemacht, sodass jeder sich diese leisten kann. Ärzte, Pflegekräfte und auch Erzieherinnen und Erzieher werden viel besser bezahlt. Reiche Geschäftsführer müssen von ihrem Geld abgeben. Mehr Hilfe für Obdachlose und Kranke sowie Menschen mit Beeinträchtigungen. Frauen und Männer werden gleichbezahlt, sowohl im Profisport (wie Fußball) als auch in »normalen« Jobs wie Architekt*innen, Bauarbeiter*innen. Es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen Frauen- oder Männerberufen. Alle können den Beruf lernen und ausüben, für den sie Talent haben, egal wie teuer die Ausbildung ist.
ME: Ich muss sagen, ich bin sprachlos.
K: Ich habe noch ein paar mehr durchgeführte Änderungen auf Lager, lassen Sie sich einfach überraschen! Jetzt entschuldigen Sie mich… ich muss eine Wahl vorbereiten. Schließlich habe ich mich ja gerade selbst abgeschafft!
ME: Frau Königin, vielen Dank für das Gespräch!
WENN ICH KÖNIG VON DEUTSCHLAND WÄRE …
Von draußen dröhnte lautes Gejubel an meine Ohren. Ich schaute aus meinem Fenster. Die Straße war voller Menschen. Plötzlich klingelte mein Handy. »Weißt du eigentlich wie spät es ist?«, klang die Stimme meiner besten Freundin aus dem Telefon. »Tut mir echt leid, ich habe die Zeit aus den Augen verloren. Wird nicht wieder vorkommen«, sagte ich und legte auf.
Dann schnappte ich mir mein Schwert, setzte mir die Krone auf und stolperte die Treppen hinunter. Als ich die Haustür öffnete, schauten mich alle Menschen, die sich in der Straße versammelt hatten, überrascht an. »Lang lebe unsere Königin!«, riefen sie alle freudig. Ich war froh, dass sie mit meiner Herrschaft zufrieden waren. Denn ich bin ja nur deshalb Königin geworden, weil ich das Schwert von König Artus zufällig in einem Park von Berlin gefunden habe. An dem Schwert war ein kleiner Sender angebracht, mit dem man in ganz Deutschland den Strom abschalten könnte. Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich damals wirklich Excalibur gefunden habe. Die Tatsache aber ist, würde ich meine Entdeckung anschalten, hätte das fatale Folgen für Deutschland. Das wurde den Politikern ganz schmerzlich bewusst, als ich den Minisender einmal aus Versehen in Gang setzte. Zum Glück schaltete ich den Sender schnell wieder aus.
Zurück zu mir. Ich quetschte mich durch die Menschenmenge und rannte zum Reichstag. Dabei musste ich aufpassen, dass meine Krone mir nicht vom Kopf fiel. Vor dem Reichstag standen viele Touristen, die die Glaskuppel bestaunten. Es waren aber auch viele Politiker da. Ich rannte die Treppe vom Reichstag hoch. Oben angekommen, musste ich erst einmal verschnaufen. »Wenn man auf dich wartet, darf man es echt nicht eilig haben«, sagte meine Freundin und ging auf mich zu. »Wie spät ist es?«, wollte ich wissen. Sie schaute auf ihre Armbanduhr und dann auf den Notizblock, den sie in den Händen hielt. »Du hast noch genau fünf Minuten Zeit.«
Gemeinsam betraten wir den Reichstag. Wir liefen um ein paar Ecken und gingen in den Plenarsaal. Ich stellte mich vor das Rednerpult und versuchte den Beamer in Gang zu setzen, den ich für eine PowerPoint-Präsentation mitgebracht hatte. »Vielleicht solltest du den Beamer ans Stromnetz anschließen«, sagte meine Freundin. »Gute Idee«, antwortete ich und steckte das Kabel in die Steckdose. Sofort funktionierte der Beamer. Danach rollten wir noch das weiße Tuch aus, das wir für die Präsentation mitgebracht hatten, weil wir auf die Schnelle im Plenarsaal keine geeignete Wand gefunden haben und befestigten es an einem Plakatständer. »Wieso machst du eigentlich noch Versammlungen, wenn du sowieso alles selbst bestimmen kannst?«, fragte meine Freundin. »Damit ich weiß, was in Deutschland nicht so gut läuft, denn das wissen die Politiker besser als ich. Immerhin ist es ihr Beruf. Außerdem vertritt ein Politiker die Interessen des Volkes. So weiß ich fast immer, was die Bürger interessiert. Unter anderem erhoffe ich mir Ratschläge und Ergänzungsideen«, sagte ich.
Dann öffneten wir die Türen, damit die Politiker hineinkommen konnten. Unter all den Politikern entdeckte ich auch meine Eltern. »Oh nein«, sagte ich. »Was machen die denn hier?« Das müssen sie wohl gehört haben, denn sie kamen direkt auf mich zugerannt. »Wir sind hier, um zu kontrollieren, dass du keinen Unsinn machst. Denn du hörst ja noch auf uns, oder?«, fragte meine Mutter. »Natürlich«, antwortete ich. »Außerdem mache ich doch nie Unsinn.« »Na klar«, sagte mein Vater skeptisch. »Keine Zeit zu streiten. Es geht gleich los. Setzt euch auf eure Plätze«, griff meine Freundin in unsere Auseinandersetzung ein. Zum Glück befolgten meine Eltern ihren Befehl und gingen auf ihre Plätze in der vordersten Reihe.
Langsam begann ich echt nervös zu werden. »Wenn du es nicht mal schaffst deine Eltern dazu zu bringen, das zu tun, was du von ihnen verlangst, wie willst du das denn bei Politikern schaffen?«, fragte meine Freundin. »Politiker wissen nicht über dein Leben zu Hause Bescheid und sie lassen dich auch nicht bei ihnen wohnen«, flüsterte ich. »Das ist ein guter Einwand«, sagte sie. Dann gingen wir wieder zum Rednerpult zurück. »Was ist, wenn ich meinen Text vergesse?«, fragte ich ängstlich. Meine Freundin deutete mit ihrem Finger auf das Blatt, welches auf dem Pult lag und sagte: »Auf diesem Blatt haben wir letzte Woche deine Rede entworfen. Wenn du vor lauter Angst nicht mal lesen kannst, dann bin ich echt enttäuscht von dir.« »Aber was, wenn ich stottere?« »Du bist erst zwölf Jahre alt. Ich denke, da können dir die Politiker nichts vorwerfen, wenn du dich mal versprichst«, munterte mich meine Freundin auf. »Viel Glück.« Dann ging sie zum nächstbesten Platz und setzte
sich.
Ich schluckte. Um mich zu beruhigen atmete ich tief ein und aus. Es half aber nicht wirklich. Dann stupste ich mit meinem Finger ans Mikrofon. Dies war im ganzen Saal zu hören. Sofort beeilten sich alle auf ihre Plätze zu kommen. »Ähh…Guten Morgen allerseits«, sagte ich ängstlich. »Kind, vor uns brauchst du keine Angst zu haben. Wir beißen nicht«, sagte einer der Politiker. »Ganz sicher nicht?«, hakte ich nach. Alle Politiker schüttelten ihre Köpfe. Meine Ohren vernahmen ein Geräusch, das so klang, als würde sich meine Freundin mit der Hand auf die Stirn schlagen. Ich drehte mich zu ihr. »Dreh dich wieder um und rede mit den Politikern«, flüsterte meine Freundin. »Wir haben die Rede doch gemeinsam vorbereitet.« Der Haken an der Sache mit der Rede war nur, dass wir sie in Stichpunkten verfasst hatten. »Nun meinem ersten Punkt auf meiner Liste ist der Klimawandel und wie wir ihn aufhalten können. Schon ein paar Ideen?«, sagte ich zu den Politikern und startete meine Präsentation. »Wie wäre es mit Windkraftanlagen, Wasserkraftwerken und Solarzellen?«, sagte eine Politikerin. »Und was halten Sie von klimafreundlichen Autos« »Wir könnten Deutschland auch wieder aufforsten und die Städte bepflanzen«, meinte ein Politiker zu diesem Thema. »Und wir müssen die Fahrradwege ausbessern, damit die Bürger das Fahrrad wieder etwas mehr benutzen.«
Plötzlich redeten alle Politiker wild durcheinander. Ich tippte mit meinem Finger an das
Mikrofon. »Ich sehe, ihr habt schon Ideen und ich weiß, dass ihr sie auch schon seit längerer Zeit habt«, sagte ich nun etwas selbstsicherer. »Aber wir müssen noch viel mehr Zeit und Geld in die Ideen investieren, um den Klimawandel zu stoppen. Wenn wir bei uns in Deutschland das Klimaziel erreicht haben, können wir anderen Ländern dabei helfen es auch zu versuchen. Deswegen werden wir noch viele Versammlungen zu diesem Thema haben.« Dann klickte ich mich weiter durch meine Präsentation. »Als nächstes müssen wir versuchen das Rassismus-Problem in den Griff zu kriegen, außerdem möchte ich, dass in Deutschland niemand mehr in Armut leben muss. Gleichberechtigung ist natürlich auch ein wichtiger Punkt auf meiner Liste«, sagte ich. Zustimmendes Gemurmel unter den Politikern.
Dann machten wir eine Pause. Meine Freundin und ich gingen hinaus und setzen und auf die
Treppe des Reichstages um zu frühstücken. »Ich habe richtig Kohldampf, denn ich habe heute früh nicht geschafft etwas zu essen«, sagte ich und wollte gerade genüsslich in mein belegtes Brötchen beißen, da kamen Politiker und Reporter auf mich zu, um mich mit Fragen zu durchlöchern. Wir mussten die Pause sogar extra verlängern, damit ich doch noch zum Essen kommen konnte. Als alle wieder im Plenarsaal versammelt waren, fuhr ich mit meiner Präsentation fort. »Außerdem möchte ich mich mehr um den Tierschutz kümmern, dass wir mehr Naturschutzgebiete eröffnen und die Lebensbedingungen von Nutztieren verbessern, ohne, dass die Wirtschaft darunter leidet. Habt ihr Ideen oder fragen zu diesem Thema?« Im Plenarsaal herrschte ein großes Schweigen. Ich konnte förmlich die Rauchwolken über den Köpfen der Politiker erkennen. Deshalb ging ich schnell zum nächsten Stichpunkt über. »Nachhaltige Landwirtschaft…«, sagte ich. Ein Politiker in der ersten Reihe meldete sich. Ich rollte mit dem Augen und sagte: »Der nette Herr da vorne. Was gibt es denn?« »Verzeihen Sie die Störung, aber was stellen sie sich unter einer nachhaltigen Landwirtschaft vor?«, fragte er. Mit dieser Frage hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Das verunsicherte mich. Meine Freundin flüsterte mir zu, dass ich nun endlich weiterreden soll. »Unter nachhaltiger Landwirtschaft stelle ich mir vor: 1. Dass bei der Betreibung und landwirtschaftlicher Nutzfläche keine Pestizide verwendet werden. Und 2. Dass nicht immer nur eine Pflanzenart strikt nebeneinander angepflanzt wird. Das ist schlecht für die Bienen«, beantwortete ich die Frage von dem netten Herrn Politiker. Dann sah ich, dass sich viele andere Politiker auch meldeten. Es ist im Übrigen ein sehr langer Tag geworden.
In der Oberstufe
PHÖNIX
»Es brennt«.
Mit einem Schritt gehe ich auf die Flammen zu. Ein leichtes Lächeln im Gesicht, wohl wissend, was die Zukunft sein wird. Das Feuer kegelförmig, parodiert die göttliche Komödie. Mein Kopf gefüllt mit Leere, entschlossen, die Infektion in mich aufzunehmen. Reuelos und ohne Schuldigen. Mein Körper, mir gleich, verfällt zu Sand.
Ich wache auf. Ein Ort wie in einem Traum. Asche bedeckt die Dünen der Wüste wie grauer Sand. Nichts ragt vom Horizont des Meeres und der Wüste hinaus. Einzig eine ferne Gruppe von Menschen tanzt auf der heißen Glut. Ich gehe hin. »Die Oligarchie ist besiegt«, spricht eine Rednerin, kaum erhöht von allen anderen. Sie schaut mich an, »Es lebe der Souverän, er werde unserem Volk den Weg weisen.« Die restliche Menschengruppe wendet sich zu mir, der gerade angekommen ist. Sie scheinen mich wiederzuerkennen, einzig mir sind sie fremd. Ich spreche kein Wort, bemüht, kein Zeichen von Unsicherheit zu geben. Als es Abend wird, gehe ich zu Bett, in einem kleinen Zelt, kaum größer als alle anderen.
Ich erwache. Ich erblicke die Kleinstadt aus einem kleinen Loch in meiner Hauswand. Die Luft angenehm mild von der Nacht. Ich möchte hinausgehen, bis ein Diener mir einen Mantel zureicht. »Ein König muss auch wie einer gekleidet sein«, spricht er. Ich zögere, nehme den Mantel aber dankend an. Ich verlasse mein kleines Haus, und gehe zur Stadtmitte. Bei meinen Wegen erlausche ich die Gespräche meiner Mitmenschen. Viele sind unzufrieden mit ihrer Arbeit, gerade die Minenarbeiter, welche die weißkristallinen Opale der Region abbauen. Ich setze also Kurs auf die Mine. Angekommen höre ich ein Gespräch. »Mit diesem Geld kann ich meine Familie nicht ernähren, bald müssen wir unsere Tochter verkaufen.« Der Unternehmer reagiert jedoch nicht. »Von nun an gehört diese Mine mir, und alle sollen fair und gleich bezahlt werden«, spreche ich auf sie zugehend, »dies ist nun Gesetz.« Der Unternehmer verlässt sichtlich wütend die Mine. Als es Abend wird, gehe ich heim und schaue in einen Spiegel. Das Abbild darin sagt mir: »Sagst niemand darf andere ausbeuten, selbst beutest du jeden aus.« Ich gehe zu Bett.
Ich erwache. Ich erblicke die Großstadt aus einem Fenster meiner Hauswand. Die Luft angenehm warm. Ich möchte hinausgehen, bis ein Diener mir eine Uniform zureicht. »Ein König muss auch wie einer gekleidet sein«, spricht er. Ich nehme die Uniform dankend an. Ich verlasse mein Anwesen und gehe zur Stadtmitte. Ich sehe Sklaven auf dem Weg, welche Lebensmittel transportieren. Ich setze also Kurs auf den Stadtmarkt. Angekommen höre ich ein Gespräch. »Junger Mann, etwa 15, gut gebaut, geeignet für körperliche Arbeiten. Wer bietet?« Die herumstehenden Adligen begannen wild, wie eine Gruppe von Kindern, das Leben des Jungen zu ersteigern. »Von nun an ist jeder Mensch gleich. Es gebe keine Sklaven und Adeligen«, spreche ich auf sie zugehend, »dies ist nun Gesetz.« Die Adligen verlassen sichtlich wütend den Stadtmarkt. Als es Abend wird, gehe ich heim und schaue in einen Spiegel. Das Abbild darin sagt mir: »Sagst alle Menschen sind gleich, bist jedoch jedem übergeordnet.« Ich gehe zu Bett.
Ich erwache. Es liegen ein Stein und durchsichtige Scherben auf dem Boden. Ich erblicke das Imperium aus dem Loch in meiner Wand. Die Luft ist trocken und heiß. Ich möchte hinausgehen, bis ein Diener mir ein purpurnes Gewand zureicht. »Ein König muss auch wie einer gekleidet sein«, spricht er. Ich nehme es an, spreche jedoch kein Wort. Ich verlasse meinen Palast und gehe zur Stadtmitte. Ich sehe, dass die Bewohner aufgehört haben zu arbeiten und höre, wie sie in Richtung der Sonne beten. Ein Wanderpriester sei beim Hafen. Ich setze also Kurs zum Hafen. Angekommen höre ich ein Gespräch. Ein großer und starker Mann steht unmittelbar vor einer Menschengruppe. Fasziniert von seinen flammend glühenden Augen schauen sie ihn an und es wirkt, als würde eine Infektion die Menschen übermannen. »Folget mir, denn ich bin der Folger des Retters, ein Heiliger.« Die Menschen beten ihn an und alle Unterschiede der Menschen scheinen zu verschwinden. »Glaubt nicht an Mythen, denn sie zeigen nicht die volle Wahrheit. Von nun an verbiete ich diesen Glauben, denn er versucht, euch zu missbrauchen«, spreche ich auf sie zugehend, »dies ist nun Gesetz.« Der Priester bleibt stehen und schaut mich an. Als es Abend wird, gehe ich heim und schaue in den Spiegel. Das Abbild darin sagt mir: »Sagst niemand soll ihm glauben, du verlangst jedoch, dass jeder dir Glauben schenkt.« Ich gehe zu Bett.
Ich erwache. Ich blicke hinaus, wo einst eine Hauswand stand. Die Luft ist unerträglich heiß. Ich steige einen Haufen Schutt hinauf und blicke in die Ferne.
»Es brennt«
ENTSCHEIDUNG
Und da stand ich, inmitten erwartender Blicke der Leute, über die ich regiere. Selbst wenn ich sah, wie ihre ernsten Augen mich durchbohrten, so fühlte ich mich nun allein gelassen und verloren. Nur wenige die ich kannte, sahen mich nun in diesem Moment, doch irgendwie erschienen sie mir nun fremd, und nicht mehr bekannt. Ich sah sie nur noch als Kriegsherren, wie ich nun einer war. »Herr, was nun?«, fragte einer der Generäle, die anwesend waren in diesem wichtigen Moment. Aber ich regte mich nicht, als ich überwältigt war von dem, was ich zu entscheiden hatte. Der General wiederholte seine Worte, bevor auch er verstummte und nur seufzte. Ich konnte spüren, wie sein spöttischer Blick mich verfluchte und ich in seinen Augen nichts mehr als ein junger Knabe war, der das Glück hatte, der erste Sohn des vorherigen Königs zu sein.
Erst als ein Herzog sprach, der so wie ich gezwungenermaßen dazu erkoren wurde, dem zu folgen, was das Erbe verlangte, kam ich wieder zurück zu meinen Gedanken und konnte endlich antworten. »Die westliche Front steht klar im Auge des Feindes«, sagte ich ruhig und gewiss, selbst wenn ich nur so tat um den Schein zu wahren. Denn in Wirklichkeit wollte ich nur nicht die Ehre meines Vaters schädigen um mich ihm würdig zu erweisen. »Wir wissen, dass es schwer ist«, bekräftigte der junge Herzog, der als einziger im ganzen Raum schien nachvollziehen zu können, was in mir gerade vorging.
Ich sah auf den Tisch, der vor mir stand und die Figuren, die die Karte unseres, nein meines Landes zierten. Mein Blick schweifte zu denen, die mich zu beobachten vermochten, doch nun war ich ihr Richter und Herrscher. Es war ungewohnt für mich, noch immer fremd, und dennoch konnte ich das Gefühl nicht loswerden, dass ich nun derjenige war, der über tausende Leben zu entscheiden hatte. »Wir werden sicherlich bald angegriffen, wenn wir nicht bald handeln, Herr«, sagte der oberste General erneut, und ich sträubte mich schon seit Tagen, auf diese Aussage antworten zu müssen. Dennoch stand ich nun hier. Mir war nie klar gewesen, bis zu diesem Moment, dass die Taube auf rotem Grund nicht für Lebenskraft stand, sondern für das Blut, das für den Frieden vergossen wird.
Die Einsendenden haben Geschichten erzählt, Chats und fiktive Interviews erstellt, Tagebucheinträge oder Traumberichte geschrieben, Reden ans Volk und fiktive Zeitungen entworfen oder Staatsordnung und Gesetzestexte erlassen … Nele Winter, Dramaturgin der Oper Leipzig und Leiterin der Jungen Oper freut sich:
»Die Resonanz des Schreibwettbewerbs ist gigantisch! Wir sind begeistert von der Vielfalt der Beiträge und dem Engagement der Kinder. Es zeigt sich, dass die Legende von König Artus die Kinder inspiriert und dass sie sich große Gedanken über die Zukunft und ein faires Miteinander machen.«
Wir konnten deutlich spüren, wie dicht die jüngeren und älteren Schülerinnen und Schüler an den Fragen und Problemen unserer Zeit dran sind. Gleichzeitig wurden bei aller Ernsthaftigkeit auch der erfrischende Witz und die Wünsche und Fantasien der Kinder deutlich. Schön auch, dass so viele Lehrerinnen und Lehrer das Thema mit ihren Klassen aufgegriffen haben! Allen Teilnehmenden wollen wir kleine Aufmerksamkeit schicken, die Preisträger/-innen bekommen Buchpreise bzw. altersgerecht in der Mittelstufe Karten für die Musiktheaterproduktion und werden aktuell benachrichtigt. Im Juni wollen wir die prämierten Texte im Blog veröffentlichen.
Anlass des Schreibwettbewerbs ist die Musiktheaterproduktion des Kinder- und Jugendchores »König Artus«, die am 13.07.2022 im Kunstkraftwerk Premiere feiert. Der fast 200 Mitglieder starke Kinder- und Jugendchor wird unter der musikalischen Leitung von Sophie Bauer die Geschichte des sagenumwobenen Königs neu erzählen, verbunden mit der Musik u.a. von Henry Purcell. Konzept und Regie stammen von Philipp J. Neumann. Ausgewählte Einreichungen des Schreibwettbewerbs werden bei den Vorstellungen von »König Artus« am 13., 14. und 15. Juli 2022 ausgestellt.
Tickets und Besucherservice
Mo bis Sa 10–19 Uhr im Opernhaus,
service@oper-leipzig.de,
Tel +49341 1261 261







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