Auf dem Weg zur idealen Schule


Benny Alze hat einen Traum. Er wünscht sich eine Schule, in der die Lehrer gemeinsam Ideen erarbeiten und umsetzen. Eine Schule, in der lebhaft mit den Eltern kommuniziert wird und sie besonders in Sachen Berufsorientierung von Anfang an mit ins Boot geholt werden. Eine Schule, in der keine Klasse mehr als 20 Schüler hat.

„So stelle ich mir die Zukunft idealerweise vor und dafür muss natürlich viel Geld in die Hand genommen werden“, sagt der 32-Jährige, der an der Holzkamp-Gesamtschule Witten Deutsch, Erziehungswissenschaft und Biologie unterrichtet. Dass sich das vor allem für die Schüler auszahlen würde – davon ist Benny Alze überzeugt.

Überzeugt ist er auch davon, dass an seiner Schule schon heute viel richtig gemacht wird. In Sachen Elternarbeit etwa. „Die Mutter eines Schülers ist Sozialpädagogin und hat bei mir im Unterricht von ihrem Beruf berichtet“, sagt er. Von der idealen Klasse mit 20 Schülern ist man allerdings auch in Witten weit entfernt. Schade, findet Benny Alze, denn „in kleinen Klassen kann man viel intensiver arbeiten und individuelle Förderung kann direkt im Unterricht stattfinden.“

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Lehrer Benny Alze mit seinen Schülern

Schüler etwa, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, brauchen in allen Fächern Unterstützung. Hier sei es sinnvoll, wenn der Lehrer die Stolpersteine der deutschen Sprache zumindest in groben Zügen kenne. „Wenn es keine Artikel in der Muttersprache gibt, fällt es den Kindern natürlich schwer, im Deutschen welche zu benutzen“, sagt er und ergänzt: „Auch in den Naturwissenschaften sollte man deshalb immer den Artikel sowie Singular und Plural der Fachbegriffe anschreiben.“ So lernen die Schüler nicht nur Mathe oder Bio, sondern ganz nebenbei auch Deutsch. „Das setzt natürlich voraus, dass alle Lehrer an einem Strang ziehen“, sagt der Lehrer schmunzelnd und ist damit wieder bei seinem Traum von einem Lehrerkollegium ohne Einzelkämpfer angelangt.

Das Prinzip der Gesamtschule kommt Benny Alzes Traum von der idealen Schule aber schon recht nah. „Oft glauben die Leute ja, bei uns herrscht Gleichmacherei. Aber das stimmt nicht“, sagt Benny. Vielmehr glaubt er, dass Förderung auf verschiedenen Niveaus möglich ist und kein Kind zurückgelassen wird. „Wie heißt es immer so schön: Wir holen die Kinder dort ab, wo sie sind und begleiten sie auf ihrem Weg.“ Haben die Kinder etwa Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, betreut sie Benny Alze in Förderstunden mit nur zehn Kindern, in denen er jeden einzeln nach seinen Bedürfnissen unterstützen kann. „Es ist immer wieder schön, in diesen Stunden die kleinen Erfolge zu sehen.“

Dass das Klassenzimmer hier an seiner Schule in den Förderstunden zu einem Lernbüro wird und die Lehrer sich als Lerncoaches sehen, die den Kindern helfen, selbstständig zu werden, gefällt Benny Alze, dem schon früh klar war, dass er Lehrer werden will. „Das hab ich schon in meiner eigenen Schulzeit beschlossen“, sagt der sympathische Westfale, der selbst immer gern zur Schule ging – aber nicht gern in den Unterricht. „Ich will als Lehrer nicht alles besser machen. Aber eben anders.“ Wie das „anders“ aussehen kann, weiß Benny Alze genau und vielleicht wird sein Traum von der idealen Schule ja bald wahr. Wenn dann auch noch Borussia Dortmund deutscher Meister wird, ist die Welt für Benny Alze wohl ziemlich in Ordnung.

13 Fragen – 13 Antworten: Benny Alze

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Benny Alze

1. Was war Ihr letzter, kleiner Glücksmoment?
Ich erlebe jeden Tag kleine Glücksmomente! Aber ein besonderer Augenblick in der letzten Zeit war sicherlich ein wunderschöner Sonnenuntergang, während der Süditalien-Rundreise im Sommerurlaub.
2. Mit wem würden Sie gerne einen Monat tauschen?
Mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Wanka, um schnell ein paar Änderungen im Bildungssystem auf den Weg zu bringen.
3. Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Einen echten Helden hatte ich nicht, aber „Die drei Fragezeichen“ fand ich immer gut.
4. Wer ist es heute?
Alle Menschen, die Zivilcourage zeigen.
5. Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
Allen Eltern, die sich anständig um ihre Kinder kümmern und ihnen Selbstständigkeit ermöglichen und Selbstbewusstsein geben. Dazu gehört dann auch, dass sie ihren Kindern ein entsprechendes Leben vorleben.
6. Eine Zeile aus einem Roman, einem Gedicht, einem Lied, das Ihnen nicht mehr aus dem Kopf geht?
„Carpe diem“ von Horaz.
7. Was schätzen Sie an Ihren Freunden?
Dass sie immer noch mit mir über Gott und die Welt diskutieren und da sind, wenn es darauf ankommt.
8. Was war das Lieblingsessen Ihrer Kindheit?
Ein Schinken-Käse-Auflauf.
9. Ihre drei Lieblingsbücher?
Uwe Timm: Heißer Sommer.
Martin Suter: Allmen und die Libellen.
Dan Brown: Sakrileg.
10. Worüber haben Sie das letzte Mal gelacht?
Am meisten amüsiert mich die Situationskomik des Alltags.
11. Was war das Wichtigste, was Sie in der Schule gelernt haben?
Lesen, Schreiben und Probleme zu lösen.
12. Welchem Politiker würden Sie gerne eine Rede schreiben?
Ich würde gern für Herrn Gauck die nächste Neujahrsansprache schreiben.
13. Welche drei Dinge brauchen Sie im Leben?
An manchen Tagen reichen mir Luft und Liebe und gutes Essen. Meine Verlobte behauptet gern, es wären die Arbeit, der BVB und das Handy.

Fotos: privat

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ist freie Jour­nal­istin, lebt und arbeitet in Stuttgart.

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