Die Schule für Kranke – eine besondere Herausforderung für LehrerInnen


Schülerinnen und Schüler, wie sie unterschiedlicher nicht sein können – macht so Schule Spaß? Wir haben Petra Breuer-Küppers gebeten, uns aus ihrem Alltag an der Schule für Kranke in Viersen zu berichten.

Dienstagmorgen 8 Uhr: Robin, Martha und Sven kommen in die Klasse. Für die schulängstliche Martha ist das allein schon eine beachtliche Leistung. Robin schafft täglich zwei Stunden. Mehr ist wegen seines geringen Gewichts noch nicht möglich. Sven kommt freiwillig so früh. Er möchte nach dem Drogenentzug seinen Hauptschulabschluss machen und nutzt die intensive Betreuung.

Um 8.45 Uhr kommen die anderen Schüler: Jede Schulform ist vertreten. Genauso unterschiedlich sind die Gründe für den Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Drogensucht, Psychosen, Schulangst, Pädophilie, Depression, Magersucht, Borderline. 

Auf dem Stundenplan steht nun eine Doppelstunde Deutsch. Gut, dass wir zu zweit sind. Einige Schüler arbeiten im Nebenraum an dem Material, dass die Heimatschule geschickt hat, die anderen beschäftigen sich mit der Analyse von Kurzgeschichten. Unsere Förderschüler lesen eine vereinfachte Geschichte in entlasteter Sprache. Fragen helfen ihnen dabei, den Text zu verstehen und die Kernaussage herauszuarbeiten. Die anderen Schüler arbeiten auf drei unterschiedlichen Niveaus, je nach Bildungsgang und Können, zunächst individuell oder in Partnerarbeit. In dieser Zeit geben wir Hilfestellung, wo dies nötig ist. Danach fassen wir die Ergebnisse zusammen. Aufgrund der Differenzierung und individueller Hilfestellung können alle etwas beitragen.

Nach der Pause ist Wahlpflichtunterricht. Die Schüler haben gewählt, was sie interessiert: Sport, Schach, Schulchor usw. Manche Schüler haben seit mehreren Jahren keine Schule mehr besucht. Wie im übrigen Unterricht auch sollen sie hier Erfolgserlebnisse haben und wieder Spaß an der Schule bekommen. An anderen Tagen gibt es Unterricht in anderen Fächern. Nach Unterrichtsschluss setzen wir Lehrer uns mit Therapeuten zusammen und überlegen, wie wir die einzelnen Schüler unterstützen können.

Es macht viel Freude zu sehen, wie die Schüler sich im Laufe der Therapie zum Positiven hin verändern und wie Schule dazu einen Beitrag liefern kann. Manche Schüler gehen nach der  Therapie wieder zurück an ihre alte Schule. Sie werden durch Schulerprobungen darauf vorbereitet. Für andere ist ein Schulwechsel notwendig oder auch eine außerhäusliche Unterbringung.

Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Lücken, vor allem in den Hauptfächern in der Zeit der Therapie nicht zu groß oder im besten Fall geschlossen werden. Das schaffen einige Schüler nur im Einzelunterricht, für den am Nachmittag noch Zeit ist.

Mir macht der Unterricht an dieser besonderen Schule mit ihren besonderen Schülern viel Spaß, nicht zuletzt, weil bei uns auch viel miteinander gelacht wird.

Schließen möchte ich mit Hans-Dieter-Hüsch, dem Namensgeber unserer Schule: „Es gibt doch auch so Menschen, deren Schönheit sieht man erst, wenn man länger hinguckt, ne, dann sagt man plötzlich: Donnerwetter, das hätte ich nicht gedacht.“

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