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Literatur um 1800 – Kursthemenheft zum Abitur

Für die Prüfungsjahre 2027 bis 2029 haben die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) und das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) das Themenfeld Literatur um 1800 mit einem Schwerpunkt auf der Romantik und ihren thematischen und motivischen Fortschreibungen im 20. und 21. Jahrhundert festgelegt. Das Deutsch kompetent Kursthemenheft Literatur um 1800 schlägt Schneisen in die Themen- und Motivwelt der Zeit.

„Literaturgeschichtliche Entwicklungen der Zeit unter besonderer Berücksichtigung der Romantik“ (IQB/KMK)

Angefangen hat es bekanntlich mit der Aufklärung. Nach dem schwülstigen Ton der Barockdichter kommt das Licht der Vernunft des aufklärerischen Denkens in die Literatur. Regeln werden in Frage gestellt und Autonomie und Freiheit (Wieland, Kant) gefordert. Das läuft anfangs sehr schematisch, oftmals auch dogmatisch ab, bis der kühl wirkende Rationalismus als einseitig und lebensfern empfunden wird und die Frage nach der Moral, nach dem ganzen Menschen, gestellt wird. Themen der Tugend, Freundschaft und Liebe ergänzen nun die Debatte um die Vernunft. Große Gefühle werden in Lessings „Emilia Galotti“ thematisiert und in Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ noch einmal gesteigert.
Doch die Wirren der Revolution in Frankreich und die napoleonischen Expansionskriege setzen dem Aufbegehren gegen die absolutistische Willkür Grenzen. Dem Kampf der Aufklärung wird die versöhnliche Humanisierung des Individuums durch ästhetische Bildung (Goethe, Schiller), dem Ideal der „schönen Seele“, entgegengesetzt.

Von diesen literarisch-pädagogischen Programmen der Aufklärung und Klassik wenden sich schwärmerisch auftretende Autorinnen und Autoren der Romantik vehement ab. Intensive Gefühle, die Fantasie, Traumwelten kreieren eine Form radikaler Freiheit der Innerlichkeit. Das Ich wird entdeckt (Fichte, Schelling) und die Gegenstandswelt spiegelt sich nunmehr in der subjektiven Perspektive der Figuren. Regeln für das Schreiben werden umgestoßen, polyvalente Darstellungsformen und experimentelle Verfahren, wie sie heute gang und gäbe sind, bestimmen seitdem die Erwartungen und die Lesegewohnheiten der Literatur. Kurzum: Der Ursprung modernen literarischen Schreibens datiert um das Jahr 1800.
Die Übergänge sind bekanntlich fließend. Einiges hat überdauert. Die Aufklärung ist uns immer noch wichtig und bei weitem nicht abgeschlossen. Von großer Aktualität sind gleichermaßen Forderungen nach Humanität, und auch Gefühle der inneren Einheit und Transzendenz spielen in einer Welt disparater Wahrnehmungen weiterhin eine Rolle.

„Zentrale Themen und Motive der Romantik“ und ihre „Verarbeitung in Texten des 20.21. Jahrhunderts“ (IQB/KMK)

Im Kursthemenheft werden in vier Längsschnitten Themenfelder und Motive für die Bedeutung der Literatur um 1800 gespiegelt – sie bieten interessante Vergleiche für die Gegenwart:

Gesellschaftsentwürfe

Die Nähe ist noch spürbar, wenn Gottfried August Bürger 1773 die Herrscher seiner Zeit geißelt: „Du bist nicht Gott, Tyrann!“ und Wieland 1784 den „schädlichen Täuschungen entgegenzutreten“ fordert. Diese sehr politische Programmatik wird wenige Jahre später literarisch überhöht. Schiller – immerhin der Prototyp des deutschen Dichters und Denkers – will Freiheit durch „Wahrheit und Schönheit“ erreichen. Diese Losung wird von den Romantikern enthusiastisch gesteigert: „Nahe dich, Freiheit, // Dass ich mich stürze // Dir in die Arme“ (Ludwig Tieck). Wie will man da unsere komplexe Gegenwart fassen? Etwa mit der esoterischen Haltung des von Monika Rinck konstruierten lyrischen Ich? „ich hab heute mittag mein denken gesehen“.

Die Rolle des Individuums

Aufklärer, Rebellen, empfindsame Seelen wie in der Aufklärung, bildungsbeflissene, von Pflicht und Neigung motivierte Individuen der Weimarer Klassik und romantische Träumer und Außenseiter finden wir allemal auch in der individualisierten Gegenwart unserer Tage. Oder nicht?

Liebesvorstellungen

„Kabale und Liebe“, verzweifelte Liebende (Werther) gibt es weiterhin. Amor hingegen ist heute nur noch im Museum anzutreffen. Dagegen überdauert das „Wunder der Liebe“ in „Mondbeglänzte(r) Zaubernacht“ als Traum vieler Menschen, auch wenn ER wohl nicht kommt, weil er sich vermeintlich „den Fuß gebrochen“ hat (Sarah Kirsch).

Naturwahrnehmungen

„Wie sehn ich mich, Natur, nach dir“ seufzt ein lyrisches Ich des jungen Goethe. Das klingt fast schon romantisch. Vorher, im „Faust“, wird die Natur noch zum Modell „Wie alles sich zum Ganzen webt“ des Seins überhaupt erklärt. Die Romantik macht dann ein Geheimnis daraus. Die Natur erscheint ihr als beseelt und voller Musik: „Golden wehn die Töne nieder, // Stille, stille, lass uns lauschen!“ – die Natur wird zum Wunderbaren der Poesie (Novalis). Da haben wir es heute nicht leicht. Vielleicht beschreibt Marion Poschmann unsere Hilflosigkeit: „Noch gestern betete ich die Berge an. // Ich kaufte Ansichtskarten, schickte sie // an mich, nach Hause…“

Im Digitalen Unterrichtsassistenten gibt es für Lehrerinnen und Lehrer differenzierte Lösungsvorschläge zu allen Aufgaben sowie ausgearbeitete Klausurvorschläge.

Übersicht der Themen zum Titel Deutsch kompetent Kursthemen Literatur um 1800

Produktübersicht

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WochentagDatumUhrzeit
Donnerstag25.09.202517:00 – 18:00 Uhr

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Anhand verschiedener Unterrichtsmaterialien werden unter anderem folgende Themen behandelt: der Einfluss der Romantik auf aktuelle literarische Auseinandersetzungen mit Identitätsfragen, die Verbindung zwischen romantischer Naturdichtung und modernem nature writing sowie romantische Elemente in der heutigen Jugendkultur.

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Über den Autor

Wolfgang Wittor

Wolfgang Wittor ist Gymnasiallehrer und Autor.

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