Lernen am anderen Ort – außerschulisches Lernen im Deutschunterricht


Illustration Katja Rau, 3 verschiedene Busse in gelb, rot und grün
© Illustration: Katja Rau (Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart)

Außerschulische Lernorte sollen zum festen Bestandteil schulischer Bildungs- und Erziehungsarbeit gehören, fordern die Lehr- und Bildungspläne aller Bundesländer. Doch welchen Nutzen hat das „Lernen am anderen Ort“ und wie lässt es sich im Deutschunterricht umsetzen?

Neue Erfahrungen sammeln bringt Motivation in den Unterricht

Im Gegensatz zum alltäglichen Regelunterricht im Klassenzimmer bietet „Lernen am anderen Ort“ den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zur fragenden und forschenden Erschließung der Wirklichkeit. Ähnlich wie andere handlungsorientierte Konzepte setzt auch diese Idee an der Basis der subjektiven Erfahrungswelt der Lernenden an und holt sie somit in ihrem Alltag ab. Durch den Ortswechsel und die Authentizität werden mehrere Wahrnehmungs- und Lernkanäle angesprochen, was besonders leistungsschwächere und aufmerksamkeitsgestörte Schülerinnen und Schüler stärker motiviert.

Speziell für den Deutschunterricht reicht das Spektrum der Möglichkeiten von der Erkundung von Bibliotheken und Medienanstalten über die Besichtigung von Zeitungsredaktionen bis hin zum Besuch von Museen, Theateraufführungen, Ausstellungen und Autorenlesungen. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich vor Ort mit dem Lerngegenstand identifizieren können und die Gelegenheit erhalten, ihren Lernprozess selbstständig zu gestalten. Ein häufig genanntes Problem bei der Umsetzung ist der hohe Zeitaufwand, der oft nicht im Rahmen des regulären Unterrichts zu bewerkstelligen ist. Deshalb eignet sich diese Lernform vorrangig für Projektphasen und fächerübergreifenden Unterricht. Damit das Lernen außerhalb des Klassenraums nicht zum reinen Tourismusausflug wird, sollten solcherlei Ausflüge nicht nur sorgfältig geplant und vorbereitet, sondern auch im Anschluss ausgewertet und reflektiert werden.

Schüler führen Interview durch
© Ernst Klett Verlag GmbH (Thomas Weccard), Stuttgart
Beispiel: Mit Experteninterviews die Medienwelt erkunden

Da seitens der Jugendlichen meist von vornherein ein großes Interesse an der Medienwelt besteht, sind Medienzentren, wie z. B. Verlage und Lokalzeitungen als außerschulische Lernorte besonders zu empfehlen. Durch die Erkundung eines Verlagshauses oder einer Zeitungsdruckerei wird schnell deutlich, wie Informationen zusammengestellt werden und ihren Weg in private Haushalte finden. Auch Verfälschungen und Manipulation durch Medien können thematisiert werden und zum kritischen Hinterfragen von Massenmedien und eigenem Medienkonsum anregen.

Die Schwerpunkte der Erkundung können anhand der verschiedenen Aufgabenbereiche innerhalb der Medienzentren festgelegt werden (z. B. Redaktion, Verwaltung, Design, Druckerei usw.). Hier bietet sich das Experteninterview an, das im Vorfeld erarbeitet und mit den jeweiligen Verantwortlichen vor Ort durchgeführt werden kann. Gegenstand eines solchen Interviews könnten beispielsweise die Entwicklung und Veränderung von Sprache sein, die gesellschaftliche Prozesse widerspiegeln können. Als Ergebnissicherung und Nachbereitung könnte eine Schülerzeitung zum Thema herausgegeben werden, um sich auch weiterführend und vergleichend mit anderen Massenmedien auseinanderzusetzen.

Kostenlos für Sie zum Download: Kopiervorlage für die Vorbereitung eines Interviews

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Download: Ein Interview führen (PDF) (68.1 KiB)

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