Es ist die tägliche Herausforderung einer jeden Deutschlehrkraft, Lernende für die eigene Sache zu begeistern. Die Konkurrenz in Form all der anderen Fächer, die auf dem Stundenplan stehen, ist groß, die Aufnahmefähigkeit der Kinder und Jugendlichen oft begrenzt. Wie kann nun also gerade der Deutschunterricht punkten oder die Deutschstunde sogar zur Lieblingsstunde avancieren?
Die richtige Einstellung
Ob das Fach Deutsch zum Lieblingsfach wird, hängt weniger von den Methoden als vielmehr von der Haltung der Lehrkraft ab. Wer authentisch bleibt, Interesse für die Lebensrealität der Lernenden zeigt und gelassen reagiert, wenn etwas anders läuft als geplant, schafft einem Raum, in dem Lernen Freude macht.
Das Schlüsselwort ist Lebensweltbezug. Lehrkräfte, die ihren Unterricht nah am Alltag ihrer Lernenden orientieren, können Inhalte nachhaltiger vermitteln und auch selbst neue Motivation erleben.
Themen, die ankommen
Wer sich auf die Themen einlässt, die Lernende bewegen, wird merken, wie sich die Einstellung der Schülerinnen und Schüler zum Deutschunterricht verändert.
Einige solcher Themen sind:
- Konflikte im eigenen Umfeld
- besondere Erlebnisse
- gesellschaftliche Entwicklungen
- popkulturelle Phänomene und Themen
- Wünsche für die eigene Zukunft, auch in beruflicher Hinsicht etc.
Mit diesen Themen als Schnittstelle zwischen Lebenswelt und Unterricht vermitteln Lehrkräfte, für die Lernenden teilweise unbemerkt und „ganz nebenbei“ lernplanrelevante Inhalte, wie zum Beispiel die eigene Meinung formulieren und vertreten, von Erlebnissen berichten oder den eigenen Umgang mit Medien reflektieren.
Zudem sorgt die Verknüpfung mit eigenen Gefühlen und Erlebnissen dafür, dass sich das Gelernte besser einprägt und somit auch besser abrufbar ist.
Hauptaugenmerk liegt auf der Leichtigkeit, denn sie bildet gerade im Deutschunterricht mit seinem hohen Schreibanteil die Basis, um Lernende abzuholen und zu langanhaltenden Lernerfolgen zu bewegen.
Werkzeuge für mehr Lebensweltbezug im Deutschunterricht
Es bietet sich beispielsweise an, eine Diskussion zu aktuellem Zeitgeschehen zu führen, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu erörtern, den Konsum von Sozialen Medien zu hinterfragen oder auch klassische Literatur in Zusammenhang mit Alltagsthemen der Lernenden zu vermitteln. Dabei jeweils den Punkt zu finden, der heute anschlussfähig ist, ist sicher nicht einfach, aber lohnend!
Besonders gut angekommen sind folgende Beispiele aus der Unterrichtspraxis:
- ein Avatar, der sich in einer kurzen Videosequenz als Hauptfigur einer Lektüre vorstellt
- ein Flugobjekt-Bastelprojekt mit darauffolgender Challenge für den besten Flieger – im Rahmen der Vorgangsbeschreibung (siehe Deutsch kombi plus 6)
- ein selbstgeschriebener Text, der mithilfe eines KI-Tools vertont und zum Ohrwurm-Hit wird
- ein „Tagestalk“, bei dem die Lernenden für die Themenwahl verantwortlich sind
- eine Prüfungsvorbereitungsstunde, bei der es neben der Bearbeitung der Aufgaben auch um Themen wie Prüfungsangst und selbstorganisiertes Lernen geht
Der Mehrwert ist auch für die Deutschlehrkraft enorm, denn diese darf teilhaben an den individuellen Lebensansichten und Einstellungen der jungen Menschen und erhält Einblick in ihren Alltag.
Die Deutschstunde als Lieblingsstunde zu gestalten, heißt: Inhalte lebendig machen, Leichtigkeit zulassen und die Lebenswelt der Lernenden ernstnehmen. So entstehen Deutschstunden, die nicht nur Inhalte gelungener und nachhaltiger vermitteln, sondern auch Lehrkräften neue Freude am täglichen Unterrichten schenken.
Wie stellen Sie in ihrem Unterricht den Bezug zur Lebenswelt der Lernenden dar?
Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen. Viel Spaß beim Ausprobieren!







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