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E.T.A. Hoffmann – zum 250. Geburtstag

Das Ballett „Der Nussknacker“ von Peter Tschaikowski ist bekannt – aber E.T.A. Hoffmann als Ideengeber? Auch an die Liebe Nathanaels zur mechanischen Puppe Olimpia im „Sandmann“ erinnern wir uns – heute wäre sie womöglich ein KI-Bot. Ein Blick auf Leben und Werk des Künstlers lohnt sich immer noch.
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Ein Dichter der Romantik mit Gruselfaktor und Humor

Geboren wurde der Jurist, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann am 24.01.1776 in Königsberg (Ostpreußen) und starb am 25.06.1822 in Berlin. Seine Geschichte „Nussknacker und Mausekönig“ ist vielen, auch jüngeren Kindern bekannt, weil Tschaikowski sie als Vorlage für seine Ballettmusik „Der Nussknacker“ wählte und diese schon in Bilderbüchern für die Kleinsten vorgestellt wird. Es lohnt sich, auch abseits dieses Werkes und anlässlich des Gedenkens an den 250. Geburtstag, heute noch einmal Leben und Werk des Juristen und vielseitigen Künstlers zu betrachten.

Hoffmann war erst zwei Jahre alt, als sich seine Eltern, ein Hofgerichtsadvokat und dessen Cousine, trennten. Er blieb bei seiner Mutter, wurde aber überwiegend von Großmutter und Tante erzogen. Mit 16 Jahren begann Hoffmann das Studium der Rechte und schloss mit dem ersten Examen ab. Nebenbei widmete er sich der Musik, schrieb Geschichten und zeichnete. Er erhielt eine Ausbildung bei einem Organisten und entwickelte eine Vorliebe für Mozart, die dazu führte, dass er seinen dritten Vornamen Wilhelm in Amadeus änderte. Nach dem zweiten Staatsexamen ging er nach Berlin und nahm neben seiner juristischen Tätigkeit Unterricht in Kompositionslehre. Einzelne seiner Werke wurden später auch aufgeführt. Auch sein drittes Staatsexamen schloss er wie die vorigen mit der Note „vorzüglich“ ab.

Für einen Karnevalsscherz hatte Hoffmann Karikaturen hochrangiger Bürger der Stadt gezeichnet, was dazu führte, dass er nach Plock, einem winzigen Städtchen an der Weichsel, zwangsversetzt wurde. Mittlerweile verheiratet und Vater einer Tochter musste er Plock überstürzt verlassen, nachdem er sich geweigert hatte, den Huldigungseid auf Napoleon zu leisten. In Berlin versuchte er als Künstler zu leben, musste aber aufgeben, weil ihm das Geld ausging. So nahm er eine Stelle als Kapellmeister in Bamberg an, scheiterte und arbeitete u.a. als Musikkritiker für die Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung. Hier hatte er großen Einfluss auf Brahms und Schumann, vor allem wenn es um die Darstellung des Unheimlichen, Fantastischen und Bösen in der Musik ging. Hoffmann sah sich eher als Musiker, hatte aber deutlich mehr Erfolg als Schriftsteller. In seinen letzten Lebensjahren litt Hoffmann an einer fortschreitenden Lähmung u.a. der Gliedmaßen, die ihn schließlich am Schreiben und später auch am Sprechen hinderte. 1822 starb er an einer Lähmung der Atemmuskulatur.

Hoffmann im Deutschunterricht

Hoffmann war zeitweise einer der einflussreichsten deutschsprachigen Erzähler, wenn auch nicht unumstritten, z.B. wegen antisemitischer Anspielungen in einigen Werken. Beeinflusst wurde er von Schauerliteratur, Gespenstergeschichten, gothik novels und Märchen, aber auch von der Gründung von Geheimbünden im 18. Jahrhundert (z.B. die Illuminaten). So zeigt sich auch in seinen Erzählungen ein Hin- und Herwechseln zwischen einer realen und einer, oft düsteren, Fantasiewelt. Häufiges Thema ist das Ausgeliefertsein eines Protagonisten gegenüber einer fremden zumeist bösen Macht, gegen die er selbst nichts ausrichten kann.
Dieses Gefühl, selbst (vermeintlich) nichts bewirken zu können, seien es heute die Klimakrise oder der Frieden, dürfte den Jugendlichen im Unterricht nur allzu bekannt sein. Ebenso aktuell sind Themen wie Scheinwirklichkeit (so wie sie heute in sozialen Medien stattfindet) und Leichtgläubigkeit (z.B. heute im Umgang mit Fake News oder der KI), die in Hoffmanns „Klein Zaches genannt Zinnober“ thematisiert werden. Hoffmann gestaltete in seinen Erzählungen die Ängste seiner Zeitgenossen, z.B. vor technischen Neuerungen (Der Sandmann, Die Automate), schrieb aber auch Gesellschaftssatiren, Kunstmärchen und Kriminalnovellen.

Meine persönlichen Lieblingswerke sind:

  • „Klein Zaches genannt Zinnober“, eine Gesellschaftssatire, in der der missgestaltete, kleinwüchsige Zaches durch den Zauber einer Fee zu großem Ansehen am Fürstenhof aufsteigt, bis sein Zauber schließlich gebrochen wird. Besonders gefallen mir die satirischen Überspitzungen (mit unübersehbaren Verweisen auf die Zeitgeschichte) und die humorvolle Schreibweise.
  • „Das Fräulein von Scuderie“, eine Kriminalnovelle, die auf historische Vorgänge zurückgeht. Das 73jährige Fräulein von Scuderie trägt darin maßgeblich dazu bei, dass eine schaurige Mordserie aufgeklärt und ein Unschuldiger aus der Haft entlassen wird.

Über die Beschäftigung mit E.T.A. Hoffmanns Werk können Jugendliche einen Weg finden, Zeitgeschichte mit Literatur zu verbinden und beides auf heutige Probleme zu beziehen.

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Über die Autorin

Petra Breuer-Küppers

Petra Breuer-Küppers, Autorin von deutsch kombi plus aus Nordrhein-Westfalen, viele Jahre Lehrerin an der Klinikschule Viersen

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