LRS-Diagnostik in der schulischen Praxis in der Sekundarstufe I
Gerade im Schulalltag stellt sich immer wieder die zentrale Frage: Wie kommt man als Lehrkraft schnell, praktikabel und ohne großen organisatorischen Aufwand zu einem fundierten und aussagekräftigen Ergebnis, ob eine LRS vorliegt?
An der Gesamtschule, an der ich arbeite, wurde ein klarer Handlungsleitfaden zum Vorgehen bei LRS entwickelt. Klassenweise werden alle Schülerinnen und Schüler zu Beginn des 5. Jahrgangs mit der Hamburger Schreibprobe (HSP 1–5) getestet.
Die Klassenlehrerinnen und -lehrer werten die Testbögen eigenständig aus und erhalten so gleichzeitig einen Einblick in die individuellen Schreibweisen ihrer neuen Lernenden. Diese standardisierte Diagnostik bildet die Grundlage für die Differenzierung in der LRS-Förderung in den Jahrgängen 5 und 6. Darüber hinaus ermöglicht sie einen individuell angepassten Nachteilsausgleich, beispielsweise in Form von mündlichen Vokabeltests, größerer Schrift oder zusätzlicher Arbeitszeit.
Gezielte Förderung – aber nicht überall gleiche Voraussetzungen
In unserer Schule gibt es spezielle LRS-Förderkurse, die mit zwei Lehrkräften und einer maximalen Gruppengröße von zwölf Lernenden durchgeführt werden. In diesen Kursen arbeiten wir ganzheitlich an der Motivation für Rechtschreibung, an der Wahrnehmung von Schrift/Texten sowie an der Rechtschreibkompetenz selbst – kreativ, spielpädagogisch und fachlich fundiert. Die Ergebnisse der HSP bilden dabei eine zentrale Grundlage für die Förderplanung.
Doch nicht jede Schule verfügt über solche Differenzierungskurse in Klasse 5 und 6. Häufig wenden sich auch KollegInnen aus höheren Jahrgängen an mich, die bei einzelnen Schülerinnen eine LRS vermuten, aber unsicher sind, wie sie weiter vorgehen sollen. Hinzu kommt: LRS-Förderung ist keine Aufgabe, die im regulären Fachunterricht einfach „nebenbei“ geleistet werden kann.
Auf der Suche nach einer praktikablen Lösung
Zunächst wollte ich die mir genannten Schülerinnen und Schüler erneut mit der klassischen HSP testen. Bei meiner Recherche bin ich jedoch auf die HSP smart gestoßen – eine digitale Weiterentwicklung der bewährten Hamburger Schreibprobe. In einem Fortbildungsseminar zur HSP smart erhielt ich viele positive und praxisnahe Informationen, sodass sich für mich die Frage stellte: Wenn ich das HSP-Testheft bereits kenne – ist die HSP smart in der Handhabung vielleicht sogar einfacher?
HSP smart: einfach, handlich und zeitsparend
Die HSP smart ist ein reiner Online-Test. Benötigt wird lediglich ein digitales Endgerät mit Kopfhörern, das die Schülerinnen und Schüler in der Regel selbst mitbringen. Die Testdurchführung dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Die Lernenden tippen den Text ein, der ihnen vorgelesen wird. Vor Beginn des Tests erhalten sie ein kurzes Erklärvideo mit allen wichtigen Hinweisen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich einzelne Wörter erneut vorlesen zu lassen – ein wichtiger Aspekt für die Testfairness.
Ein besonderer Vorteil der HSP smart liegt in der automatisierten Auswertung. Das System passt sich dem individuellen Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler an und schätzt auf Grundlage der eingegebenen Schreibungen die aktuelle Rechtschreibkompetenz ein. Nach Abschluss des Tests steht innerhalb weniger Sekunden eine sehr ausführliche und differenzierte Auswertung im Diagnostikportal zur Verfügung.
Selbst als nicht besonders technikaffine Person habe ich mich an die Nutzung des Portals gewagt – unterstützt durch einen gut erreichbaren Support, den ich auch tatsächlich in Anspruch genommen habe.
Testcodes können paketweise erworben werden (5 Testcodes für 8,75 €). Die Bedienung des Portals ist übersichtlich und der Aufwand bleibt gering: Sobald die Testcodes postalisch ankommen, Lernende im Diagnostikportal anlegen, Testcodes eingeben, Zugangskarten ausdrucken und die Testung kann starten.
Standardisierte Diagnostik als echte Chance für Schüler*innen mit LRS
Die differenzierte Auswertung der HSP smart hat sich insbesondere bei Lernenden höherer Jahrgänge (7–9) als äußerst hilfreich erwiesen. Auf dieser Grundlage konnten fundierte Entscheidungen über Nachteilsausgleich, Notenschutz und schulinterner Kleingruppenförderung getroffen werden. Vor allem aber wird der Druck von den Schülerinnen und Schülern genommen, die trotz diagnostizierter LRS dauerhaft an der fehlerfreien Anwendung der Rechtschreibregeln gemessen werden.
Die Auswertungsergebnisse können ausgedruckt, an Klassen- und Deutschlehrerinnen weitergegeben und als Grundlage in der Schülerakte dokumentiert werden – auch im Hinblick auf weitere schulische Stationen wie die Zentralen Abschlussprüfungen oder die Oberstufe.
Einfach mal ausprobieren
LRS und LRS-Förderung sind Thematiken, mit denen sich jeder Klassen- oder Deutschlehrer irgendwann irgendwie auseinandersetzt. Natürlich hat nicht jede Schule Lerntherapeuten oder LRS-Kurse. Gerade in einem Schulalltag, der von Zeitdruck und heterogenen Lerngruppen geprägt ist, kann eine standardisierte und digitale Diagnostik einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Schülerinnen und Schüler mit LRS frühzeitig zu erkennen und angemessen zu unterstützen.
Die HSP-smart stellt aus meiner Sicht ein wertvolles, praxisnahes Diagnostikinstrument für den schulischen Alltag dar. Sie verbindet wissenschaftliche Fundierung mit einfacher Handhabung und ermöglicht eine schnelle, aussagekräftige Einschätzung der Rechtschreibkompetenz – unabhängig vom Jahrgang. Man muss keine LRS-Expertise haben, um die HSP smart durchzuführen. Ein aktives Ausprobieren lohnt sich und hilft dem Ziel näherzukommen, dass Schülerinnen und Schüler die Motivation nicht verlieren, Schriftsprache besser zu handhaben.







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