Geld ist überall
Finanzerziehung bietet eine gute Gelegenheit, den Deutschunterricht mit mehr Lebensweltbezug zu gestalten. Die Lernenden begegnen dem Thema Geld täglich, jedoch häufig, ohne sich seiner Macht in ihrem Leben bewusst zu sein: Geld spielt eine Rolle in ihrem häuslichen Umfeld, in Gesprächen mit Freundinnen und Freunden, in ihren Kaufentscheidungen und nicht zuletzt in ihren persönlichen Wünschen und Träumen.
Jede und jeder Lernende ist somit auf ganz individuelle Weise Experte auf diesem Gebiet – und auch die Deutschlehrkraft bringt ihre eigenen Erfahrungen mit. Somit bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, die Welt der Finanzen in spannende Unterrichtsstunden einzubinden, in denen sowohl der kommunikative als auch der kreative Ansatz nicht zu kurz kommt.
Vom Tabuthema zum Lieblings-Deutschstundenthema
Geld ist Teil des Lebens. Wer den Mut hat, das Thema offen in den Deutschunterricht zu holen, entdeckt schnell: Es gibt viel zu sagen und noch mehr zu verstehen. Ich selbst hatte ein sehr eindrückliches Erlebnis in einer Deutschstunde, welches mich dazu brachte, das Thema Geld fortan immer wieder mit in meinen Unterricht zu nehmen: Zu Beginn einer Vertretungsstunde stellte ich 14-jährigen Lernenden folgende Frage: „Wer weiß sicher, dass er später einmal viel Geld haben wird?“.
Die Reaktion waren verwunderte, beschämte und auch unsichere Blicke. Nur ein Lernender wagte es, sich zögerlich zu melden, begleitet von geringschätzenden und neidvollen Kommentaren seiner Mitlernenden. Ich machte daraus eine spontane Unterrichtseinheit zum Thema „Argumente für ein erfülltes Leben ohne Geldsorgen“.
Reizvoll ist auch die persönliche Vorbereitung der Lehrkraft auf die „Geld-Deutschstunden“, denn es lohnt sich, in diesem Zusammenhang das eigene Finanz-Mindset kritisch zu hinterfragen. Stellen Sie sich selbst Fragen zu ihrem Finanzverhalten. Welche Erfolgsstrategien haben Sie im Umgang mit Geld entwickelt? Wo sehen Sie Entwicklungsmöglichkeiten? Gibt es dunkle Flecken? Welche Glaubenssätze haben Sie tief verinnerlicht, die Ihr Handeln blockieren? Sind Sie bereit, diese Glaubenssätze für sich selbst zu prüfen?
Um sich dem Thema erstmals zu nähern, lässt sich in der Vorbereitung prüfen, innerhalb welcher Lernbereiche Finanzstunden eingebunden werden können. Die Klassenstufe spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.
Geeignete Lernbereiche für Finanzstunden können sein:
- Bearbeiten von Sachtexten (Beispiel: Vom Gold zum Geld)
- mündlich erzählen (Beispiel: Gespräch im Plenum zum Umgang mit Geld)
- argumentieren (Beispiel: Pro und Kontra Taschengeld)
- Redewendungen/Sprichwörter (Beispiel: „Geld regiert die Welt“; in Verbindung mit Glaubenssätzen, die im Unterricht gemeinsam neu gedacht werden können)
- Kreatives Schreiben (Beispiel: Erfolgstagebuch zum Thema Sparen)
- Lektüre (z. B. Bodo Schäfer: Ein Hund namens Money)
- Bearbeiten von diskontinuierlichen Texten (Beispiel: Auswertung von Aktiencharts)
- Bearbeiten von Märchen (z. B. Hans im Glück, Sterntaler)
Wie Sie sicher merken, muss Finanzbildung nicht trocken oder wirtschaftslastig sein. Im Deutschunterricht kann sie lebendig, werteorientiert und sprachsensibel vermittelt werden: Lernende können über Geld, Träume, Ziele und Verantwortung ins Gespräch kommen und eigene Ideen beispielsweise in motivierenden Briefen an sich selbst, in emotionalen Geschichten und Gedichten über den Deutschunterricht hinaus schriftlich festhalten.
Gute Finanzerziehung braucht nicht nur Wirtschaftsexperten. Sie braucht auch Deutschlehrkräfte, die sich ihrer Rolle bewusst sind, Lernende auf das Leben außerhalb der Schule vorzubereiten. Ein geschultes Finanz-Mindset ist dafür ein wertvoller Schatz.
Können Sie sich vorstellen, das Thema Geld in Ihren Unterricht einzubringen? Oder konnten Sie auch schon Unterrichtserfahrungen mit dem Thema machen? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!







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