Satz der Woche – Ablauf Rechtschreibgespräch
Es funktioniert so: Zu Beginn der Unterrichtsstunde steht ein Satz an der Tafel.

Lernende, die mich länger kennen, wissen sofort, was von ihnen erwartet wird. Alle anderen werden mit der Frage konfrontiert:
„Was könnte schiefgehen, wenn du diesen Satz in einem Diktat schreiben müsstest?“
Beim ersten Mal kommt es oft vor, dass die Klasse kollektiv mit den Schultern zuckt. Dann schließe ich schnell die alte grüne Tafel und diktiere den Satz, der also aufgeschrieben werden soll. Dabei ist bestimmt etwas schiefgegangen und die Lernenden können schwierige Stellen benennen.
Das ist eine Hürde, denn es ist ja grundsätzlich nicht angenehm, wenn man etwas nicht kann. Aber genau darum geht es jetzt: Schwierigkeiten benennen, um Lösungsstrategien zu finden.
„Joggen ist doch ein Verb, das habe ich kleingeschrieben.“
„lässt mit Doppel-s könnte schiefgehen.“
„das Doppel-m in Sommer ist ein Problem.“
„Beim könnte man kleinschreiben.“
„Frühling schreiben bestimmt manche klein“.
Das sind typische Rückmeldungen meiner Achtklässler. Und ja, sobald wir Texte korrigieren, tauchen all diese Rechtschreibfehler auf – auch bei „den Großen“.

Alle benannten Schwierigkeiten markiere ich nebenher an der Tafel oder lasse die Lernenden selbst markieren – das ist oft eine Zeitfrage. Dann folgt die nächste Frage.
„Welche Rechtschreibstrategien kennt ihr für diese Schwierigkeiten?“


„den Satzanfang schreibt man immer groß“

„Frühling ist ein Nomen, deswegen groß“

„Sommer kann man schwingen – Som-mer“

Lernender A: „kann man auch schwingen“
Lehrkraft: „okay, schwing mal“
Lernender A: „lässt – oh, geht doch nicht“
Lernender B: „aber man kann „lassen“ schwingen – las-sen
Die Gespräche spielen sich ein. Und je nach Klassenstufe und Lernstand ist „beim Joggen“ ein besonderes Thema. Hier lässt sich die Nominalisierung wiederholend besprechen oder sie wird erstmals als Schwierigkeit benannt und kann den Auftakt für den Rest der Stunde geben.
So viel mehr als nur ein Rechtschreibgespräch
Inzwischen höre ich sehr selten an dieser Stelle auf. Denn der Satz der Woche hat noch viel mehr Potenzial. Ich kann auch alle grammatikalischen Phänomene an ihm wiederholen: Wortarten, Satzglieder, Feldermodell, Wortgruppen, Zeitformen …
Oder ich wähle einen Satz aus, der viele Beispiele für die Rechtschreibstrategien beleuchtet, besondere Rechtschreibphänomene ins Licht rückt. Bei passender Satzauswahl kann ich auch die Kommasetzung besprechen und das Feldermodell einbinden.
Je geübter die Lerngruppe im Umgang mit dem Satz der Woche ist, desto häufiger baue ich in den geschriebenen Satz Fehler ein oder lasse Kommas weg, sodass die Schwierigkeit erhöht wird.
Der Mehrwert in der Sekundarstufe
Der Zeitumfang, der dem Wochenauftakt eingeräumt wird, kann mit der Auswahl des Satzes und der Menge an Phänomenen, die besprochen werden, gut gesteuert werden:
Fünf Minuten für die Rechtschreibung oder 45 Minuten als Vertretungsstunde für alle Rechtschreibstrategien, Wiederholung der Wortarten und, um den Satz in allen Zeitformen und in das Feldermodell zu setzen. Alles ist möglich. So garantiere ich eine ständige Auffrischung der Rechtschreibregeln und grammatikalischer Begrifflichkeiten.
Für mich aber am wichtigsten: Die Lernenden wissen ganz schnell, was von ihnen erwartet wird und so habe ich auch schon den schüchternsten Jugendlichen dazu gebracht mit mir selbstbewusst zu reden.
„Der Satzanfang muss immer großgeschrieben werden.“
Das traut sich nach ein paar Durchgängen jeder zu sagen.
Die meiste Arbeit macht es oft, passende Sätze zu finden. Mit Sätzen aus dem Text, der aktuell Unterrichtsgegenstand ist, lässt sich auch der Wortschatz schon vorentlasten. Weitere Ideen für die passenden Sätze und Fragestellungen im Laufe der Sekundarstufe erhalten Sie in einem der nächsten Blogbeiträge.






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