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Tipps aus der Redaktion: Lektüre für Ihren Sommer

Auch in diesem Jahr möchten wir Ihnen wieder unsere Lektürefavoriten ans Herz legen, mit denen sich unbeschwerte Stunden gut versüßen lassen – sei es im Urlaub, im Garten oder einfach auf dem heimischen Sofa.

Leonie Schöler: Beklaute Frauen

Tipp von Alicia

Wer im Sommer auch gerne mal nicht-fiktionale Texte liest, wird hier fündig. Schöler erzählt mit ironischem, teils bissigem Ton von bedeutenden Frauen der Geschichte, die kaum jemand kennt. Warum? Weil sich Männer ihre Forschung, ihre Arbeiten oder künstlerischen Werke zu eigen gemacht und teilweise als ihre eigenen ausgegeben haben. Dabei geht es viel um Themen wie Teilhabe und Sichtbarkeit, vor allem aber auch darum, wie ein patriarchales System Männer groß und Frauen klein macht. Ein großartiges Buch, das wütend macht, aber durch Schölers Erzählweise nie deprimiert. Absolutes Must-Read!

Penguin | ISBN 978-3-328-60323-8

Hermann Hesse: Peter Camenzind

Tipp von Antje

Ich möchte die 1904 erschienene Erzählung „Peter Camenzind“ von Hermann Hesse empfehlen. Das Buch ist autobiographisch geprägt und wird Hesses erster großer literarischer Erfolg. Die einzigartigen Naturbeschreibungen stehen im Gegensatz zur oft schwermütigen Handlung. Traumatische Kindheitserfahrungen im Elternhaus und Schule, Erwachsenwerden mit vielen menschlichen Enttäuschungen werden spannend und auch immer wieder humorvoll geschildert.
Ich habe den kurzen Roman nach 40 Jahren wieder gelesen und war (im Gegensatz zum ersten Mal) wirklich begeistert. Ein sprachliches Meisterwerk.
Wer in der Nähe des Bodensees Urlaub macht, kann das Mia- und Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen besuchen: https://mia-und-hermann-hesse-haus.de/besichtigungen-und-fuehrungen/

Suhrkamp Verlag | ISBN 978-3-518-18883-5

Caro Claire Burke: Yesteryear

Tipp von Lara

In „Yesteryear“ begleiten wir Natalie, die mit ihrem Mann und ihren zahlreichen Kindern auf einer Farm lebt. Ihren Lebensunterhalt verdient sie auf Social Media: In ihren Videos inszeniert sie ein scheinbar perfektes Landleben, backt Brot, kümmert sich liebevoll um die Kinder und führt den Alltag einer „Tradwife“ – einer sogenannten traditionellen Ehefrau. Was ihre Follower*innen nicht sehen: Hinter den Kulissen unterstützen sie ein Kindermädchen, Helfer auf dem Hof und eine Produzentin, die ihre Inhalte professionell in Szene setzt.
Eines Tages wacht Natalie auf einer Farm auf, die zwar aussieht wie ihre eigene, auf der sie aber plötzlich ohne jeden modernen Komfort und ohne Unterstützung auskommen muss. Auf einmal muss sie das Leben, das sie ihren Follower*innen jahrelang erfolgreich vorgespielt hat, tatsächlich führen.
„Yesteryear“ setzt sich kritisch mit dem allgegenwärtigen Tradwife-Trend auf Social Media und in der Manosphere (loses digitales Männernetzwerk, in dem frauenfeindliche Inhalte verbreitet werden) auseinander. Doch anstatt einer klassischen Zeitreise (wie es der Klappentext vermuten lässt) erwartet Lesende eine überraschende, ganz anders gelagerte Auflösung.
Und für alle, denen die rund 400 Seiten zu viel sind: Eine Verfilmung ist bereits geplant – hier ist allerdings noch ein wenig Geduld gefragt.

Heyne | ISBN 978-3-453-27535-5

Res Sigusch: Unbegründete Ängste

Tipp von Svenja

In diesem frischen und angenehm zu lesenden Buch begegnen wir dem dreißigjährigen Christian („Chrissi“) Lotz, aber das ausgerechnet zu einer Zeit, in der dessen Leben ziemlich aus den Fugen gerät: Unglückliche Verkettungen führen dazu, dass Christian, ohnehin ein vorsichtiger und aufs Gefallenwollen bedachter Mensch, vermehrt mit Ängsten zu kämpfen hat. Diese erstrecken sich beginnend beim eigenen plötzlichen Ende und der Einsamkeit über schwere Krankheiten bis hin zu ganz realen Bedrohungen in seiner zunehmend rechten sächsischen Kleinstadt.
Doch auch die Menschen in Christians Umfeld sind nicht frei von Sorgen, was wir beim Lesen nach und nach erfahren. Es ist tröstlich, auf diesem Weg zu erfahren, dass man niemals mit Sorgen und Ängsten allein ist, dass alle Menschen mit Dingen zu tun haben, die man ihnen von außen nicht ansieht. Auch kann man sich gut in „Chrissi“ hineinfühlen, wie er zunehmend orientierungsloser durch sein Leben stolpert, auf der Suche nach Liebe und Halt, und dennoch letztlich Mut findet, etwas zu wagen. Ein leichtes Lesevergnügen, wenn auch die Themen des Buches oft eher schwer wiegen.

Berlin Verlag | ISBN 978-3-8270-1531-0

Emily Henry: Funny Story

Tipp von Katharina

In meinen Augen einfach das perfekte Sommerbuch für Fans von Liebesgeschichten! Daphne wird von ihrem Verlobten Peter für seine beste Freundin Petra aus Kindertagen (die Namen sprechen für sich) verlassen. Daphne zieht daraufhin als Zwischenlösung bei Petras Expartner Miles ein. Als kurz darauf die Hochzeitseinladung von Peter und Petra in der frischgebackenen WG eintrudelt, beschließen Daphne und Miles kurzerhand, sich den Sommer über selbst als Pärchen auszugeben. Die Geschichte, die Henry hier erzählt, handelt von Freundschaft und Liebe, aber auch von Büchern und Bibliotheken, gutem Essen und Wein, Sommer am See und Selbstfindung. Es ist das perfekte Strand-, See-, oder Parkbuch, kurz: das perfekte Buch für jeden sommerlichen Leseort und alles andere als eine platte Liebesgeschichte.

Knaur Taschenbuch | ISBN 978-3-426-28432-2

Arundhati Roy: Meine Zuflucht und mein Sturm

Tipp von Veit

Schon mit der Formel „Meine Zuflucht und mein Sturm“ beschreibt wohl Arundhati Roy ihre verstorbene Über-Mutter Mary. Wir erkennen das deutlicher im Originaltitel „Mother Mary Comes To Me“, der sich wiederum mindestens auf die Beatles bezieht. 2025 erscheint – endlich -ihr neuer epischer Text, vielleicht sogar Roman? Sie arbeitet die Omnipräsenz ihrer Mutter auf und schildert deren Wirkkraft auf die Autorin, den Bruder, den Exmann, im Grunde alle, die sie umgaben, das höchste Gericht Indiens eingeschlossen. Mutter Mary war gleichzeitig hochneurotisch und angstfrei, kalt und machtbesessen, ungreifbar, aber wohl auch unangreifbar. Jedenfalls für Arundhati, geboren 1961. Auf knapp 400 fesselnden Seiten erinnert sie nun die Dramen der Kindheit, wohlbehütet und doch verachtet. Sie schildert episodisch den Prozess ihrer Befreiung von Einengung, Manipulation, Besitzanspruch. Die Geschwister starteten als Kinder jedes sein Verweigerungskonzept, beide erfolgreich letztlich. Denn auch der Samen des Widerstandsgeistes war von ebendieser Mother Mary gelegt worden.
Roy liefert Witz, Klarheit, weibliche Wahrhaftigkeit, wundervolle Bilder, große Offenheit. Sie beweist sich als fantasie- wie powervolle, weibliche Stimme, die gerade heute weit über Indien hinaus schallt. Kapitalismuskritisch, feministisch, ökologisch, poetisch. Der Text macht Lust, den „Gott der kleinen Dinge“ noch einmal hervorzukramen.

S. Fischer | ISBN 978-3-10-397709-7

Wem nicht nach lesen zumute ist, der freut sich vielleicht über folgende Filmempfehlung:

Der Astronaut (mit Ryan Gosling und Sandra Hüller)

Tipp von Alicia

Ich glaube, dieser Film ist selbst für Menschen großartig, die sonst eher Abstand zu Sci-Fi halten. Er macht unheimlich Spaß zu schauen, ist bildgewaltig und emotional. Bei mir flossen Tränen – sowohl dank der Komik als auch der Tragik!
Der Film basiert auf einem Buch („Project Hail Mary“ von Andy Weir), welches ich auch sehr empfehlen kann. Weir nimmt den „Science“-Teil des Science Fiction-Genres allerdings durchaus ernst, weshalb ich eher die deutsche Übersetzung („Der Astronaut“) nahelegen würde. (Ich habe das Original auf Englisch gelesen und war zwischendurch sehr verwirrt.) Spaß beim Lesen hatte ich dennoch so sehr, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Originaltitel: Project Hail Mary, Regie: Phil Lord, Chris Miller; März 2026 | als Kauf- oder Leihtitel bei diversen Streaminganbietern verfügbar

War ein Tipp dabei, der Sie angesprochen hat? Was lesen Sie diesen Sommer? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen. Die Redaktion wünscht Ihnen sommerliche Tage und gute Erholung!

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