Der Deutschunterricht hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt und Rechtschreibung ist nur noch ein Gegenstand unter vielen. Wie man mit geringem Zeitaufwand systematisch an den individuellen Rechtschreibproblemen der Schülerinnen und Schüler arbeiten kann, zeigt der neu erschienene 3. Band der Reihe „Richtig schreiben – aber sicher. Mit Strategien Rechtschreibfehler vermeiden.“
Heutzutage werden im Deutschunterricht viele Kompetenzen gefördert, die früher noch nicht als Kernaufgaben des Faches angesehen worden wären, zum Beispiele Medienkompetenz entwickeln, Gespräche führen, Texte in einem Schreibprozess erarbeiten, Fake News erkennen … Damals empfahl die Lesedidaktik vorrangig: lesen; die Schreibdidaktik bestand im Wesentlichen aus richtig schreiben, schönschreiben, Aufsätze schreiben. Es ist eine wirklich erfreuliche Entwicklung, dass Deutschlehrkräfte die Vielfalt der Welt außerhalb des Klassenzimmers in so vielen Punkten aufgreifen! Gleichzeitig bleibt ihnen so natürlich weniger Zeit für Schönschreiben, damit sich eine graphische Vorstellung vom Wort einprägt, oder die Festigung der Rechtschreibung. Ein unterrichtliches Dilemma, dem man auf verschiedenen Wegen begegnen kann.
Der Duden als Goldstandard?
Gerade in der Sekundarstufe, in der vom Lehrplan vorausgesetzt wird, dass einfache Baumuster der deutschen Sprache (z. B. Doppelkonsonanten, silbentrennendes h) beherrscht werden, bleibt gar nicht so viel Zeit für das richtige Schreiben. Das ist ein echtes Problem, weil in den meisten Klassen sicher diejenigen Schülerinnen und Schüler überwiegen, die hier und dort noch Bedarf hätten, an ihrer Rechtschreibung zu feilen. Der Schriftspracherwerb ist schließlich ein Lernprozess, der nicht einfach nach der Grundschule abgeschlossen ist. Der Goldstandard ist sicherlich, in der Korrekturphase des Texteschreibens oder auch nach einer schriftlichen Arbeit einen individuellen Fokus auf Schülerfehler zu legen. Allerdings ergibt sich daraus ein didaktisches Problem: Die Auslautverhärtung noch einmal klassenöffentlich erklären? Dabei langweilen sich diejenigen, die es schon können. Über dieses Problem einfach hinwegsehen? Dann sieht es in der nächsten Klassenarbeit bei den rechtschreibschwachen Schülerinnen und Schülern wieder genauso rot aus.
Gerade in Klassen, in denen weniger selbstständige Schülerinnen und Schüler sitzen, die in der Korrekturphase nicht einfach allein den Duden aufschlagen und dort lernwirksam die Regeln rezipieren können, braucht es eine andere Lösung.
Verstehen statt einfach nur üben
Viele Lehrkräfte verwenden für die Lernbereiche zur Rechtschreibung kleinere Texte, an denen Rechtschreibprobleme betrachtet und geübt werden können. Dieser Idee folgt wie die ersten beiden Bände auch Richtig schreiben – aber sicher 3. Das Wortmaterial, das von den Schülerinnen und Schülern näher betrachtet werden soll, ist sinnvoll eingebunden und thematisch abwechslungsreich. Zugleich verfolgt die Reihe Richtig schreiben – aber sicher eine klar strukturorientierte Strategie und folgt damit nicht dem traditionellen, phänomenbasierten Rechtschreibunterricht sondern stattdessen der modernen Sprachdidaktik und ihren erprobten Konzeptionen der letzten 20 Jahre.
Unser Tipp zum Weiterlesen
Ursula Bredel, Nanna Fuhrhop, Christina Noack:
Wie Kinder lesen und schreiben lernen.
Die Schreibsilbe steht bei diesen Konzeptionen im Zentrum der gemeinsamen Arbeit an Sprache. Wenn die Schülerinnen und Schüler die Idee von den deutschen Baumustern verinnerlicht haben, werden auch scheinbare Ausnahmen wie das ck bewältigt, ohne dass dafür viel Unterrichtszeit für das Üben eingeplant werden muss. Die Arbeitsheft-Reihe setzt auf Verstehen! Das gilt auch für morphematische Schreibungen (Stichwort: Wortfamilie und Wortbausteine). Syntaxbezogene Ansätze z. B. zu den Dauerbrennern Großschreibung, Zusammen- und Getrenntschreibung und Kommasetzung runden den dritten Band ab.
Die kostbaren Momente, in denen man durch eine kluge Schülerfrage zu einem ganz bestimmten Wort ein spannendes Unterrichtsgespräch führen und eine echtes Lichtaufgehen in der Klasse erreichen kann, können durch Richtig schreiben – aber sicher mit fundiert recherchiertem Wortmaterial ein bisschen häufiger werden und durch ein induktives Vorgehen den Rechtschreibunterricht für alle Beteiligten spannender machen.
Die Arbeit ist im Klassenverband möglich, wenn ein neuer Lernbereich gemeinsam erschlossen wird. Zugleich ist es möglich, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig und gezielt an ihren Rechtschreibproblemen arbeiten. So bleibt mehr Unterrichtszeit für die anderen vielfältigen Themen des Deutschunterrichts übrig.
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