Der Unterrichtsvorschlag für zwei Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe I (bevorzugt Jahrgänge 8/9) greift die Lebenswelt Jugendlicher auf: Im Rollenspiel übernehmen die Lernenden die Rollen von „Nutzenden“ sowie eines „Algorithmus“ und rekonstruieren, warum bestimmte Inhalte in Social Media aufeinander folgen. Es wird verständlich, wie Personalisierung, Engagement-Signale und Themenverengung entstehen – und warum zwei Personen am selben Tag völlig unterschiedliche Inhalte in ihrem Feed zu sehen bekommen können.
Ziel dieses Unterrichtsvorschlag ist die Mündigkeit im Umgang mit Medien: Die Schülerinnen und Schüler sollen – in vereinfachter Form – Funktionsprinzipien algorithmischer Empfehlungssysteme erklären können, die Folgen für ihre eigene Nachrichtenwahrnehmung reflektieren und Strategien entwickeln, um Social Media-Nachrichten bewusster zu nutzen.
Einstieg: Welches Video folgt jetzt?
(Plenum; ca. zehn Minuten; Bitte beachten Sie, dass KI-generierte Bilder in den Arbeitsblättern verwendet wurden.)
Entwicklung der Problemfrage: Wie funktionieren Social Media-Algorithmen? Den Schülerinnen und Schülern werden vier Standbilder (fiktiver) Social-Media-Videos gezeigt (siehe Arbeitsblatt A), von denen das erste Video von jemandem geliked wurde. Die Lernenden sollen nun entscheiden, welches der drei anderen Videos dem User wohl als nächstes gezeigt werden wird und warum.
Lösungshinweis: Es wird wahrscheinlich Video Nr. 2 sein, da es die meisten Gemeinsamkeiten – Videolänge, Lied, nur eine Person im Bild – mit dem Video aufweist, das ein Like erhalten hat.
Weiterführende Impulse für ein Unterrichtsgespräch:
- Wer oder was entscheidet bei Social Media, was ich als nächstes zu sehen bekomme?
- Nach welchen Kriterien, glaubt ihr, wird das entschieden?
Die Fragen müssen noch nicht vollumfänglich beantwortet werden. Der Begriff Algorithmus wird eingeführt und die Problemfrage für die Unterrichtsstunde herausgestellt, etwa: Wie funktionieren Social-Media-Algorithmen?
Lösungshinweis: Algorithmus kann z. B. vereinfacht als „Schritt für Schritt-Vorgehensweise, um ein Problem zu lösen“ eingeführt werden. Social-Media-Apps nutzen Algorithmen als Empfehlungssysteme, die aufgrund eingegebener oder protokollierter Daten von Usern automatisiert weitere Objekte empfehlen, die für jemanden relevant sein könnten.
Simulation: Liken, wischen, kommentieren – und das nächste Video, bitte!
(Gruppenarbeit; ca. 30 Minuten; Bitte beachten Sie, dass KI-generierte Bilder in den Arbeitsblättern verwendet wurden.)
Um der Problemfrage handlungsorientiert und intuitiv auf den Grund zu gehen, wird mit den Lernenden die Aktivität auf einer Video-App in analoger Form simuliert: Die Schülerinnen und Schüler werden in Vierergruppen eingeteilt. Jeweils zwei Lernende spielen Social Media-Nutzende(r) und „Algorithmus“, die anderen beiden sind Beobachtende. Letztere notieren auf dem Arbeitsblatt (Arbeitsblatt B) die Reaktionen des Social-Media-Nutzenden.
Die/der Algorithmus-Spielende entscheidet jeweils, was sein Gegenüber als nächstes zu sehen bekommt. Dazu erhält sie/er einerseits einen Kartensatz mit 40 durchnummerierten Startbildern fiktiver Videos: seriöse und reißerische Nachrichten, Diskussionsanlässen, Fake News und Werbung (Arbeitsblatt D) sowie eine Karte mit Aspekten (Arbeitsblatt C). Die Aspekte bilden (stark) vereinfachte Algorithmus-Prinzipien ab und sind den anderen Schülerinnen und Schülern nicht bekannt. Mithilfe dieser Aspekte sucht der „Algorithmus“ weitere Karten aus.
Der „Algorithmus“ zeigt also eine beliebige Karte. Die/der Social Media-Nutzende muss liken, wegwischen (swipen) oder kommentieren. Das wird laut angesagt wie auch der Kommentar selbst. Nun gibt der „Algorithmus“ direkt angelehnt an die Reaktion ein weiteres Video-Bild als Karte aus, auf die reagiert werden muss. Etwa 15 Runden werden gespielt.
Die Karten werden in chronologischer Reihenfolge mit ihrer Kennziffer auf dem Ergebnisblatt (siehe Arbeitsblatt E) notiert.
Anschließend spielen die beiden, die bisher beobachtet haben.
Auswertung: Wie und warum hat der Algorithmus entschieden?
(Plenum; ca. 20 Minuten)
Nachdem alle Duos je einmal gespielt haben, wird die Simulation ausgewertet. Dazu kann die Lehrkraft die Karten eines Spiele-Paars einfach über die notierten Zahlen aufrufen und für alle etwa über einen Screen anzeigen.
Gemeinsam wird nun überlegt, warum die jeweiligen Video-Bilder aufeinander gefolgt sind – im Kern also: Welche Reaktion hat die/der Social Media-Nutzende jeweils gezeigt? Welche Entscheidung hat die/der ,,Algorithmus“-Spielende daraufhin warum getroffen?
Zum Vergleich oder als Kontrast wird anschließend das Ergebnis eines weiteren Spiele-Paars gezeigt.
Didaktischer Hinweis: Es ist sinnvoll, dass die Lehrkraft schon während der Spielephase zwei Gruppen auswählt, deren Ergebnisse besonders repräsentativ erscheinen.
Vertiefung: Content-Based Filtering und Collaborative Filtering – zwei Prinzipien des Algorithmus
(Partner- oder Gruppenarbeit, Plenum; ca. 20 Minuten)
Zum Abschluss der ersten Einheit wird noch einmal das Szenario aus dem Einstieg gezeigt (siehe Arbeitsblatt A) sowie die Kopiervorlage F, zu denen in einer Partner- oder Gruppenarbeit begründet entschieden werden soll:
- Welches Video wählt der Algorithmus als nächstes warum aus? (Content-Based Filtering)
- Bekommt Person C auch Video Nr. 6 zu sehen? (Collaborative Filtering, Lösung: ja)
Daraus abgeleitet werden anschließend im Plenum zwei grundlegende Prinzipien von Social Media-Algorithmen festegehalten:
Content-Based Filtering: Der Algorithmus schlägt auf der Basis, wie auf welche Videos reagiert wird und wie lange die Videos angesehen werden, ähnliche Videos vor.
Collaborative Filtering: Es wird die Ähnlichkeit zwischen (mindestens) zwei Nutzerinnen und Nutzern gemessen, nicht die Ähnlichkeit zwischen Videos.
Bitte beachten Sie, dass KI-generierte Bilder in den Arbeitsblättern verwendet wurden.
Für Sie zum kostenlosen Download
Arbeitsblatt A: Einstieg (Word)
Arbeitsblatt B: Beobachtungsaspekte (Word)
Arbeitsblatt C/E/F: Entscheidungsaspekte/Ergebnis/Social-Media-Szenario Collaborative Filtering (Word)
Arbeitsblatt D: Kartensatz mit fiktiven Social-Media-Videobildern (Word)
Bitte beachten Sie, dass KI-generierte Bilder in den Arbeitsblättern verwendet wurden.


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