Mit diesem Beitrag möchten wir eine Reihe mit Unterrichtsvorschlägen eröffnen, die Inhalte des Deutschunterrichts für die Beteiligten erlebbar machen. Lerngegenstände und Lernumgebung werden so arrangiert, dass sie auf die Lernenden einwirken können, also deren Sinne in unterschiedlicher Intensität ansprechen und aktivieren. So treten Lernende in tiefreichende Beziehung mit der Welt.
Raus aus dem Klassenraum
Zwei Aspekte spielen in diesen Unterrichtsvorschlägen eine besondere Rolle: Erstens wird durch die Anleitung und bewusste Aktivierung der Sinne eine Vereinzelung und Verlangsamung im Lernprozess angestrebt, zweitens werden in Lernorte außerhalb des Klassenzimmers aufgesucht, was Motivation und Bewegung schafft.
Lautgedichte rezipieren und produzieren
In unserem ersten Beitrag suchen die Schülerinnen und Schüler über ihr Gehör einen besonderen Zugang zu ihrem Lernort Schule. Sie erfahren akustische Charakteristika und damit einen Teil des „Raumwesens“. Indem die Schülerinnen und Schüler ihr Gehör bewusst fokussieren und genau lauschen, bauen sie eine intime Verbindung zu ihrer Schule auf und nehmen sie in der Konsequenz als persönlich bedeutsamen Ort wahr. Zugleich üben sie sich im interpretatorischen und gestalterisch-spielerischen Umgang mit Lauten und lyrischen Texten. Lyrik als musikalische und klangvolle literarische Gattung bietet sich in diesem Zusammenhang besonders an.
Die Unterrichtsgestaltung
Progression für die Sekundarstufe II
Die Übung kann auf der Sekundarstufe II durch verschiedene Vertiefungen erweitert werden, z.B:
- Lautassoziationen: Zum Einstieg stellen die SuS Vermutungen an, was die Wörter grossiga, bloiko, bosso, fataka, zunbada, kusagauma bedeuten könnten und erläutern ihre Vermutungen. Strategien der Bedeutungszuschreibung sind z.B. die Anlehnung an bekannte Elemente (etwa groß), aber auch Überlegungen zum Vorkommen von Lautverbindungen. Das kann auch mit Stereotypen zusammenhängen (z.B. Verortung der Lautverbindungen in fremden Sprachen oder vermeintlich von Ureinwohnern) und kann besprochen werden.
- Literaturgeschichte: Da Lautgedichte wichtige Produkte des Dadaismus darstellen, bietet sich ein literaturhistorischer Exkurs an.
- Anhand verschiedener Texte und Dichterportraits kann die Vielfalt der Lautpoesie und ihrer Hintergründe verdeutlicht werden. Kanonische Lautgedichte sind beispielsweise Paul Scheebarts Kikakokú!, Christian Morgensterns Das große Lalula, Hugo Balls Gadji Beri Bimba, Kurt Schwitters Ursonate, Ernst Jandls schtzngrmm.
Für Sie zum kostenlosen Download
Literaturhinweise und Links
- Harmut Rosa und Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik. Weinheim 2016.
- https://www.ubu.com/sound/index.html
Sammlung von Vertonungen, darunter auch einige Lautgedichte etwa von Morgenstern, Scheerbart, Jandl - https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Ball/bal_dada.html
weitere Lautgedichte von Hugo Ball, die wie „Karawane“ eingesetzt werden können


Hinterlasse einen Kommentar