Für den Frieden
Die Fortsetzung zum Erlebnis Deutschunterricht (s. Beitrag Die Schule erhören) greift das historische Datum der Befreiung von Nationalsozialismus und Krieg auf und begibt sich zu Gedenkorten, um dort mit Literatur ein Zeichen gegen Krieg und Hass zu setzen.
Im folgenden stellen wir Ihnen einen Unterrichtsentwurf als fächerverbindendes Projekt von Deutsch und Geschichte vor, in dem Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern lokale Gedenkorte aufsuchen und durch vorbereitete Gedichtvorträge und Flyer mit zufälligen Passanten an diesem Ort in den Austausch treten. Alternativ kann auch ein Themenabend im Klassenverbund oder für die Schulgemeinschaft gestaltet werden.
Fächerübergreifender Unterrichtsvorschlag Geschichte und Deutsch
Phase 1 Einführung und Erarbeitung von geschichtlichem und aktuellem Hintergrundwissen
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit dem historischen Datum des 8. Mai 1945 auseinander, um ihr historisches Fachwissen zu erweitern. Verlässliche Informationen bietet die Bundeszentrale für politische Bildung mit ihrem Internetauftritt. Folgende Leitfragen sollten die SuS im Rahmen ihrer Recherche beantworten:
– Warum gilt der 8. Mai als historisches Datum für Deutschland?
– Was genau ereignete sich am 8. Mai 1945?
– Wie hat sich die Erinnerungskultur zum 8. Mai gewandelt?
– Welche gegenwärtigen Debatten werden um den 8. Mai geführt?
Die Aufgabe kann arbeitsteilig in Gruppen erledigt werden, Ergebnisse können durch Handouts, Präsentationen oder einen Gallery Walk ausgetauscht werden.
Phase 2 Diskussion: Erinnerung für den Frieden
Den Schülerinnen und Schülern sollte am Ende von Phase 1 bewusst sein, dass Erinnerungskultur nicht zuletzt dazu beiträgt, ein friedliches Miteinander zu gewährleisten.
Im Unterrichtsgespräch werden verschiedene Möglichkeiten des Erinnerns besprochen und ihr Potential für die Friedenssicherung diskutiert.
Zu Sprache kommen zur Vorbereitung auf die Projektdurchführung dabei auch Gedenkorte (z.B. Gedenkstätten, Stolpersteine, Denkmäler, Schilder und Plaketten) sowie Kunst (z.B. Literatur, Film und Fernsehen, Musik, Malerei, Fotografie).
Phase 3 Projektvorstellung
Eine Lehrkraft stellt den SuS das Projekt nun genauer vor: Am Gedenktag des 8. Mai will die Klasse Engagement für den Frieden und gegen Krieg zeigen. Dazu werden an lokalen Gedenkorten Gedichte gegen den Krieg vorgetragen und selbst gestaltete A5-Flyer mit Hintergrundinformationen verteilt und Gespräche mit den Mitbürgern geführt. Hierfür wird die Klasse nach ihren Kompetenzen in verschiedene Gruppen aufgeteilt (s. Arbeitsblatt):
– Geschichtsgruppe(n): Verantwortlich für das historische Hintergrund- und Expertenwissen zu den Gedenkorten
– Literaturgruppe(n): Verantwortlich für die Gedichtvorträge und das Wissen um die Autoren und Autorinnen (eine Auswahl an Gedichten finden Sie unten)
– Flyer-Gruppe: Verantwortlich für die Erstellung des Informationsflyers
– Doku-Gruppe: Verantwortlich für die Erstellung der Projekt-Dokumentation
Phase 4 Erarbeitung
Die Erarbeitung erfolgt in den Gruppen, die Lehrkraft steht eng beratend zur Seite.
Da der Schritt in die Öffentlichkeit für viele Schülerinnen und Schüler ein aufregendes Erlebnis darstellt, ist es ratsam, die Durchführung im Schulhaus zu proben. Sicherlich finden sich Kollegen oder Kolleginnen, die mit ihren Lerngruppen zur Verfügung stehen. Weitere Lehrkräfte aus dem Kollegium können zu dieser Übungsrunde eingeladen werden.
Phase 5 Durchführung des Projekttages
Idealerweise am 8. Mai oder im unmittelbaren Umfeld des Tags wird das Projekt durchgeführt:
– An einem Gedenkort befinden sich die Expertengruppe sowie eine Literaturgruppe. Sollte bei einer größeren Lerngruppe nur ein Gedenkort erreichbar sein, können die Gruppen in zwei Schichten aufgeteilt werden.
– Die Literaturgruppe trägt die Gedichte vor. Die einzelnen Gedichte (3 Gedichte pro Ort) sollten in einem Abstand von 10 Minuten vorgetragen werden. In der Zwischenzeit führt die Expertengruppe Gespräche mit den Passanten.
– Die Flyer-Gruppe macht zusätzlich auf die Aktion aufmerksam und verteilt Flyer.
– Die Doku-Gruppe ist vor Ort, zeichnet auf und führt Gespräche mit den Anwesenden.
Praxistipps
– Die Aktion sollte frühestens am späten Vormittag beginnen, damit ausreichend Passanten vor Ort sind. Je nach Verlauf kann nach etwa einer Stunde und vor einer weiteren Runde eine längere Pause gemacht werden.
– Machen Sie deutlich, dass es sich bei dem Gedenken auch an Gedenkorten wie Kriegerdenkmälern nicht um eine Heroisierung der Soldaten geht, sondern um die Mahnung zur Verhinderung von Kriegsleid.
– Bei schlechtem Wetter sollten nahegelegene (in Sichtweite gelegene) überdachte Orte aufgesucht werden. Nach vorheriger Absprache sind auch Orte wie die Stadtbibliothek o.Ä. denkbar. Möglich ist je nach Wettervorhersage auch eine Verschiebung auf einen anderen Tag.
– Zur Aufsicht und Unterstützung finden sich hilfsbereite Kollegen und Kolleginnen oder Eltern. Da es sich um eine Aktion in der Öffentlichkeit handelt, sollten die SuS nicht ohne die Begleitung eines Erwachsenen sein.
– Vor Ort sollte die Lehrkraft insbesondere zu Beginn zu Gesprächen mit Passanten anregen, um das Eis zu brechen. „Einfach Loslegen“ darf die Maxime lauten.
– Informieren Sie die lokale Presse über das Projekt.
– Die Flyer sollten kostengünstig in A5 und nur in schwarz/weiß-Druck gestaltet werden. Kosten hierfür übernimmehmen ggf. ein Förderverein oder lokale Sponsoren, denn Aktionen dieser Art werden auch gerne durch örtliche Banken, den Handel oder ansässge Druckereien oder Werbehäuser unterstützt. Auch bei Gewerkschaften lohnt eine Anfrage.
– Achten Sie bei der Gestaltung der Flyer auf die Urheberrechtsgesetze. Nutzen Sie keine Texte ab, deren Autorinnen oder Autoren noch keine 70 Jahre tot sind, sondern lassen Sie die SuS eigene Texte sowie das Layout inklusive der Abbildungen gestalten. Dies kann als Übung für das informierende Schreiben genutzt werden. Nur gemeinfreie Gedichte dürfen öffentlich vorgetragen werden.
Phase 6 Nachbereitung des Projekttages, Dokumentation
Die Nachbereitung des Projektes sollte in angemessenem Rahmen erfolgen. Sicherlich sollte die Dokumentation gemeinsam rezipiert werden, evtl. kann sie an die Kommune, das Kultusministerium, etc. geschickt werden, um eine größere Aufmerksamkeit zu erreichen.
Variante 1: Exkursion im Klassenverbund
Das Projekt kann anstelle für die Öffentlichkeit auch innerhalb der Lerngruppe durchgeführt werden. Dazu bereiten die Gruppen ihre Aufgaben (siehe Arbeitsblatt) für einen Unterrichtsgang zu einem oder mehreren lokalen Gedenkorten vor. Dokumentation und Flyer werden der Schulgemeinschaft zur Verfügung gestellt.
Variante 2: Themenabend für die Schulgemeinschaft
Soll das Projekt in kleinerem Rahmen durchgeführt werden, kann ein Themenabend für die Schulgemeinschaft im Schulhaus gestaltet werden. Lokale Gedenkorte werden vorgestellt und die Gedichte werden vorgetragen. Ggf. können musizierende Schülerinnen und Schüler einen musikalischen Beitrag leisten, künstlerisch begabte Schülerinnen und Schüler können das Thema bildnerisch darstellen.
Auswahl gemeinfreier Gedichte zum Thema Krieg und Frieden
- Matthias Claudius: Kriegslied
- August von Kotzebue: O, der Krieg, der Krieg!
- Franz Grillparzer: Eines ist nur Glück hienieden
- Arthur Rimbaud: Der Schläfer im Tal
- Georg Trakl: Grodek
- Kurt Tucholsky: Der Graben
- Detlev von Liliencron: Tod in Ähren
- Jakob Bossart: Nach der Schlacht
Kostenlos zum Download
Weiterführende Links
Informationen zum 8. Mai über die Bundeszentrale für politische Bildung:


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