deutsch-klett.de
Magazin für den Deutschunterricht

Erlebnis Deutschunterricht III: Unsere Stadt hat viele Namen – Onomastik im Deutschunterricht

Namen begegnen den Schülerinnen und Schülern in ihrem Alltag ständig, in der digitalen Welt entscheiden sie sogar häufig über eine Namensvergabe. So haben Namen einen hohen Wert, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Diese Fortsetzung von Erlebnis Deutschunterricht stellt den Schülerinnen und Schülern Arbeitsweisen der Namenskunde (Onomastik) vor und lässt sie ihre Stadt anhand von Namen, denen man dort begegnet, erkunden.

Sprechende Namen, hermetische Namen, wohlklingende oder lustige Namen … Wann und wie sind Namen für Orte oder unsere Nachnamen eigentlich entstanden? Woher kommen sie? Ein Kurzreferat kann hier einen Einstiegsimpuls oder den Abschluss geben – oder Sie folgen ganz einfach dem Unterrichtsentwurf. Nach einer gemeinsamen Vorbereitungsphase im Klassenzimmer, in der Sie das Thema und die Arbeitsweise vorbereiten, begeben sich Gruppen zu unterschiedlichen Orten in der Stadt. In einer Abschlussphase werden die dort gemachten Beobachtungen dann zusammengetragen und gemeinsam reflektiert.

Die Unterrichtsgestaltung

Anhand einiger Leitfragen denken die Schülerinnen und Schüler über Personennamen nach. Sie reflektieren dabei individuelle Besonderheiten bezüglich der Namensvergabe sowie die Konsequenzen der Vergabe eines Namens an eine Person.

(a) Beantwortet zunächst in Stillarbeit die folgenden Fragen und tauscht eure Gedanken anschließend untereinander aus! (Einzelarbeit, Gruppenarbeit)

– Bist du mit deinem Namen zufrieden?
– Hast du dich schon einmal mit deinem Namen unwohl gefühlt?
– Was bedeutet dein Name für dich? Könntest du dir auch vorstellen, anders zu heißen?
– Welche Kriterien wären dir bei der Namensgebung wichtig?

(b) Stellt die wesentlichen Erkenntnisse aus eurem Austausch vor! (Plenum)

Die Schülerinnen und Schüler formulieren eine Definition von Name und nähern sich den Aufgaben von Namen an.

(a) Was ist ein Name? Definiere! (Think, Pair, Share)

(b) Diskutiert eure Ergebnisse und Gedanken! (Plenum)

Die Beiträge führen zu einer Definition von Eigenname (nomen proprium). Klassischerweise meinen wir, wenn wir von Namen sprechen, willkürlich vergebene Benennungen für einzelne Wesen oder Erscheinungen. Man spricht in diesem Zusammenhang mit Wörtern von Individualbedeutung.

(c) Sammelt, wo euch Namen begegnen und erläutert, wieso Namen in verschiedenen Bereichen wichtig sind! (Gruppenarbeit)

Namen dienen der Differenzierung, Individualisierung und der Monoreferenz, was u.a. in verwaltungstechnischen, wissenschaftlichen und geschäftlichen Situationen von großer Bedeutung ist. So finden sich Namen beispielsweise in den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften, Astronomie, Topgraphie, Institutionen, Kunst, Produkte.

Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Namen Assoziationen hervorrufen, die zu einer Einstellung ihnen gegenüber führen.

(a) Notiert eure Assoziationen zu den folgenden Namen! Ihr habt nach jedem Namen fünf Sekunden Zeit. (Plenum)

Chantal, Brooklyn, Hermann, Luna, Adolf.

(b) Tauscht eure Assoziationen aus und formuliert eine Erkenntnis aus diesem Experiment. (Gruppenarbeit)

 Am Ende der Phase steht die Einsicht, dass jeder mit einem Namen individuell verschiedene Dinge verbindet. Aspekte, die verschiedene Einstellungen gegenüber einem Namen bewirken, sind bspw. Weltwissen, persönliche Betroffenheit, Lautstruktur, Länge, Herkunft, Häufigkeit.

Assoziationen sind individuell, z.B. mag jemand dem Namen Chantal positiv gegenüberstehen, weil die beste Freundin ihn trägt, eine andere Person assoziiert ihn dagegen mit Dummheit, weil eine entsprechend entworfene Protagonistin einer bekannten Filmreihe so heißt (-> soziale Wahrnehmung). Die einen denken bei Luna an die liebevoll-chaotische Figur aus Harry Potter, andere an ihren Hund, für andere klingt er zu niedlich.

Mithilfe des Arbeitsblattes erkunden die Schülerinnen und Schüler die Namen in ihrer Stadt. Sie bilden dafür verschiedene Themengruppen. Zunächst diskutieren alle Gruppen die drei Fragen aus dem mittleren Texten mit Bezug auf ihr Themengebiet. Anschließend nutzen Sie die themenspezifischen Fragen sowie Teil 2 des Arbeitsblattes zur Bearbeitung.

Die Recherche- bzw. Kreativaufgaben bearbeiten die Gruppen in häuslicher Vorbereitung oder in der Schule.

Der Ergebnisaustausch kann in Form von Präsentationen, als Gallery Walk oder durch Gruppenmischung erfolgen.

In einem abschließenden Unterrichtsgespräch wird erörtert, inwiefern die Namen, die sich in der Stadt finden, Teil der Stadtidentität sind. Mit diesem Schritt reflektieren die Schülerinnen und Schüler zugleich den Wert der Einheit.

Um die Schreibkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu trainieren, kann sich an die Einheit eine Schreibübung anschließen. Diese kann auf der Basis der Ergebnisse argumentierend (z.B. Die Namen einer Stadt: Ein Plädoyer für ihre Erkundung) oder informierend (z.B. Viele Namen machen eine Stadt: einen Ort kennenlernen) angelegt sein.

Literatur und Links

67 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über den Autor

Dominik Banhold

Dr. Dominik Banhold ist Lehrer für Deutsch, Englisch und Geschichte am Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aschaffenburg. Er ist Autor zahlreicher Unterrichtsmaterialien (u.a. für Deutsch kompetent), Fortbildner sowie Lehrbeauftragter an der Universität Würzburg.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben