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Magazin für den Deutschunterricht

Erlebnis Deutschunterricht V: Bilder erzählen – Kreatives Schreiben im Museum

Museen bilden besonders vorteilhafte außerschulische Lernorte. Sie sind in den meisten Fällen gut von Schulen erreichbar, häufig für Schülergruppen kostenfrei und immer wieder begegnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Jugendgruppen besonders aufgeschlossen und neugierig, da sie sich i.d.R. freuen, wenn Menschen jüngeren Alters das Museum besuchen. Für Schülerinnen und Schüler bieten Museen nicht nur die Möglichkeit der Begegnung mit Kunst, sondern sie ermöglichen kulturelle Teilhabe, eröffnen Erfahrungen im Austausch über Kunst und (nicht selten kennen die Lernenden die Museen in ihrer Region gar nicht) einen Weg, die eigene Lebensregion kennenzulernen.

Für den Deutschunterricht enthalten Museen als Begegnungsstätten zunächst einmal die Chance, Gespräche über ästhetische Erfahrungen anzubahnen und für die Deutungsoffenheit künstlerischer Produkte zu sensibilisieren. Dass hier eine Beschäftigung mit Kunst im außerschulischen Raum vor Originalwerken erfolgt, ist besonders reizvoll. Der Deutschunterricht kann jedoch noch konkreter von einem Museumbesuch profitieren, wenn er ihn mit Schreibaufträgen verknüpft. Die Schülerinnen und Schüler können beispielsweise nicht fiktionale Texte wie Erlebnisberichte oder Bildbeschreibungen verfassen, sie können aber auch ihre ästhetischen Erfahrungen zu kreativen Schreibprozessen ausbauen. Der folgende Beitrag nutzt das epische Potenzial von Bildern, um in mehreren Phasen kurze Erzählungen entstehen zu lassen, in denen verschiedene Bilder zu Handlungen verbunden werden. Also: Auf ins Museum!

Teil 1) Vorbereitung des Museumsbesuches

(Zeitumfang ca. 30 Min)

  • Stellen Sie das Vorhaben und die Erwartungen (s.u.) vor.
  • Betonen Sie, dass es sich sowohl bei der Rezeption der Bilder als auch bei der Produktion der Erzählungen um ästhetische, individuelle und kreative Prozesse handelt, bei denen es zuvorderst darum geht, eigene Gedanken und Ideen nachvollziehbar zu vermitteln.
  • Besprechen Sie allgemeine und besondere Regeln für den Museumsbesuch. Dazu gehören i.d.R. ein Ess- und Trinkverbot, das Blitzlichtverbot bei Fotografien, die Verwendung trockener Stifte (z.B. Bleistift oder digitaler Pen), eine gedämpfte Lautstärke bei Gesprächen und Rücksichtnahme auf die anderen Besucher sowie ein Sicherheitsabstand zu den Exponaten.
  • Stellen Sie sicher, dass das Museum Möglichkeiten der Aufbewahrung für Jacken und Rucksäcken bereitstellt, und denken Sie ggf. an Münzen für Schließfächer.
  • Klären und üben Sie an einem Beispiel die verschiedenen Aspekte von Kunstwerken, die die Schülerinnen und Schüler zur Versprachlichung ihrer ästhetischen Erfahrung nutzen können (s. Arbeitsblatt) und die sie i.d.R. aus ihrem Kunstunterricht kennen.
  • Ermuntern Sie die Schülerinnen und Schüler, miteinander und mit Ihnen zu kommunizieren, um ihre Gedanken wertfrei auszutauschen. Für die Bearbeitung des Arbeitsblattes können sie sich i.d.R. problemlos auf den Boden setzen, einige Museen haben auch feste Sitzmöglichkeiten oder mobile Stühle.

Teil 2) Durchführung des Museumsbesuchs

(Zeitumfang je nach Ausstellung, ca. 60 Min)

Die Schülerinnen und Schüler verlaufen gemäß des Arbeitsblattes verschiedene Phasen:

In Phase 1 bewegen sie sich frei und zunächst für sich allein durch das Museum. Sie wählen, nachdem sie sich einen Überblick über die Exponate verschafft haben, zwei Bilder aus, die sie besonders ansprechen und fotografieren diese. Auf dem AB notieren sie, was sie beim Betrachten der Exponate empfinden, und sie beschreiben, welche Elemente der Werke auf welche Weise auf sie wirken und begründen so ihre Auswahl.

In der kommunikativen Phase 2 finden sich die Schülerinnen und Schüler in Paaren zusammen. Gemeinsam begeben sie sich zu ihren ausgewählten Exponaten und tauschen sich über sie aus. Hier sollte die Lehrkraft Wert darauflegen, dass keine Monologe abgehalten werden, sondern tatsächlich Gespräche über die Bilder entstehen. Dies kann sie fördern, indem sie selbst an solchen Gesprächen teilnimmt.

Teil 3) Kreatives Schreiben

(Zeitumfang ca. 90 Minuten)

Dieser Teil kann in Räumlichkeiten des Museums (sofern vorhanden) oder in der Schule durchlaufen werden. Die Arbeitsaufträge für die einzelnen Phasen lauten:

a) Vorbereitungsphase

Findet euch in Dreiergruppen zusammen. Wählt drei eurer sechs Bilder aus und verbindet sie zu einer Geschichte. Folgende Fragen können euch unterstützen:

  • Was ist abgebildet? Welche Handlungsmöglichkeiten eröffnen die abgebildeten Räume und Szenarien?
  • Wer sind die Figuren? Wie könnten sie heißen? Was könnte sie antreiben?
  • Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten bestehen zwischen dargestellten Figuren und Situationen?
  • In welcher Situation könnten die Elemente aus den Bildern zueinanderkommen?
  • Welche Beziehung besteht oder könnte sich zwischen den Bildelementen entwickeln?

b) Schreibphase

Verfasst nun eure Geschichte zu den drei Bildern im Fließtext und übt einen Lesevortrag ein, um die Geschichte im Plenum zu präsentieren. Achtet darauf, in der Geschichte und in der Art und Weise des Vorlesens das für euch Wesenhafte und Besondere der Bilder auszudrücken.

c) Präsentationsphase

Zeigt eure Bildauswahl und stellt eure Geschichten vor. Formuliert eine Kritik:

  • Passen die Elemente der Geschichte (Geschehen, Figuren, Atmosphäre) zum Bild?
  • Erscheint die Verknüpfung der Bilder zu der Geschichte nachvollziehbar?
  • Inwiefern gelingt die Geschichte eher herkömmlich oder originell (z.B. besonders überraschend, komisch, geistreich, dramatisch)?
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Über den Autor

Dominik Banhold

Dr. Dominik Banhold ist Lehrer für Deutsch, Englisch und Geschichte am Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Aschaffenburg. Er ist Autor zahlreicher Unterrichtsmaterialien (u.a. für Deutsch kompetent), Fortbildner sowie Lehrbeauftragter an der Universität Würzburg.

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