Nur weil man es Gruppenarbeit nennt, entsteht nicht automatisch kooperatives Lernen. Was ist das eigentlich und wie sollte eine vollständige Unterrichtssequenz aufgebaut sein?
Ziele des kooperativen Lernens
In jedem guten Unterricht sollten möglichst viele Lernende aktiviert werden und in ihrer Entwicklung, sei es fachlich oder sozial, vorankommen. Durch positive Abhängigkeiten voneinander erfährt jedes Gruppenmitglied, dass es Verantwortung trägt und mit seiner Kompetenz zum Erfolg jeder und jedes Einzelnen beiträgt.
Der Aufbau einer Unterrichtssequenz
Eine vollständige Unterrichtssequenz des Kooperativen Lernens besteht aus einem Vier-Schritt. Es ist aber natürlich auch möglich – wenn man sich herantasten möchte, man weniger Zeit hat oder bestimmte Bausteine in den Fokus nehmen möchte – nur einzelne Phasen durchzuführen.
1. Gruppenfindung
Die Gruppenfindung läuft bei mir immer über das Zufallsprinzip. Ich lose aus – sei es mit einem digitalen Tool wie z.B. der App „Teamgenerator“ oder über analoge Möglichkeiten: vom klassischen Durchzählen, über Bewegungsspiele im Raum oder das Ziehen von Gruppenkärtchen – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
2. Kontaktaktivität
Eine Gruppe arbeitet nur gut zusammen, wenn sie ein Gruppengefühl entwickelt hat. Dies soll durch die Kontaktaktivität ermöglicht werden. Hier geht es darum, dass jedes Mitglied teilnehmen kann – auch ohne fachliche Kenntnisse. Dies können kurze Austauschrunden sein: „Was war dein Highlight am Wochenende?“ oder „Was glaubst du, wer hier im Raum, wird mal berühmt und warum?“ oder kleine Spiele wie (thematisch passende) Puzzle, Sudoku, Tangram, …
3. Arbeitsphase
Zu Beginn der Arbeitsphase werden die Ziele festgelegt. Dabei definiere ich ein fachliches Ziel („Ich kann Präpositionen bestimmen und verwenden.“) und ein soziales Ziel. Die sozialen Ziele orientieren sich stark an der Lerngruppe. Es kann das angemessene Verhalten („Ich verwende keine Schimpfwörter.“) genauso wie eine Weiterentwicklung der Teamarbeit im Vordergrund stehen („Ich achte darauf, dass jedes Gruppenmitglied seine Meinung äußert.“).
Im bekannten Think – Pair – Share – Verfahren findet dann die eigentliche Arbeitsphase statt. Der erste Arbeitsauftrag soll in Stillarbeit erfolgen. Die eigenen Ergebnisse werden partnerschaftlich oder gleich in der Gruppe verglichen und zusammengeführt. Eine positive Abhängigkeit entsteht hier zum Beispiel, wenn die Einzelaufträge verschieden sind und nur mit allen Einzelergebnissen zusammen die Gruppenaufgabe gelöst werden kann, wie zum Beispiel beim Gruppenpuzzle.
Am Ende der Arbeitsphase muss jedes Gruppenmitglied in der Lage sein, das Gruppenergebnis zu präsentieren. Die oder den Präsentierenden lose ich in der Regel wieder aus.
4. Reflexion
Es wird im Anschluss nicht nur reflektiert, ob das fachliche Ziel erreicht wurde, die Schülerinnen und Schüler besprechen außerdem, was sie heute gelernt haben. Auch das soziale Ziel gerät in den Fokus. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich nutze besonders gern die „Daumen-Abfrage“: Daumen hoch oder runter – bei jedem Lernenden. Einzelne können im Anschluss ihre Gedanken frei äußern und es wird diskutiert, wo es gehakt hat.
Ist das mehr Arbeit?
Seien wir ehrlich: In der Vorbereitung zunächst schon. Ich visualisiere die Arbeitsschritte aber in einer Powerpoint-Präsentation, die immer wieder genutzt werden kann. Während des Unterrichtsgeschehens ist die Lehrkraft dann entlastet und kann die Zeit für Beobachtungsaufgaben nutzen.
Im Lauf des Kalenderjahres werde ich hier im Blog ganz konkrete Ideen für vollständige Sequenzen des kooperativen Lernens im Deutschunterricht für jede Klassenstufe vorstellen.
Für Sie zum kostenlosen Download
Erhalten Sie hier meine Powerpoint-Präsentation zum kooperativen Lernen als kostenfreien Download:







Vielen Dank für Ihre PowerPoint!