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Viel Gefühl oder viel Info? Journalistische Darstellungsformen in verschiedenen Medienformaten

Jugendliche konsumieren täglich Nachrichten, Meinungen und persönliche Geschichten – oft nebeneinander, ungekennzeichnet, ohne sie bewusst zu unterscheiden. Wer Bericht, Kommentar, Reportage und Boulevardbeitrag nicht auseinanderhalten kann, läuft Gefahr, Meinungen für Fakten zu halten und emotionale Darstellungen mit objektiver Information zu verwechseln. Ein Unterrichtsvorschlag für eine Doppelstunde in der Mittelstufe.

Journalistische Darstellungsformen und mediale Umsetzungen sollten nicht nur erklärt werden, sondern ihre Wirkungen müssen transparent erfahrbar sein. Probieren Sie es aus.

Kognitive Aktivierung: Kein Social Media mehr?

(ca. 10 Minuten)

Vermutlich haben die Schülerinnen und Schüler schon von dem aktuellen Social Media-Verbot für unter 16-Jährige in Australien gehört. Da Jugendliche in Deutschland Social Media und Messenger-Dienste stark nutzen, dürfte sie diese Nachricht interessieren – eventuell auch aufregen.

Damit spielt der Einstieg in die Unterrichtseinheit: Zeigen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern die folgenden fiktiven Schlagzeilen (Headlines) aus vier fiktiven Medienformaten – und lassen Sie sie einfach erst einmal wirken.

Was fällt den Jugendlichen dazu ein? Weiterführende Impulse in einem kurzen Unterrichtsgespräch über die Schlagzeilen können sein:

  • Welches Ereignis ist der Anlass für diese Headlines?
  • Jemand behauptet: „Im Grunde sind das doch alles die gleichen Schlagzeilen, es geht ja auch um das gleiche.“ Stimmst du zu? Inwiefern (nicht)?
  • Beschreibe, was für Beiträge du erwartest, wenn du Headline A/B/C/D siehst?
  • Ein Freund hätte gern eine kritische Einschätzung zum Social Media-Verbot in Australien. Welchen Beitrag würdest du ihm empfehlen und warum?

A   Der Aufreger

Unter 16? Dann offline! Australien sperrt Teenager aus

B   Die Perspektive

Australiens Social-Media-Verbot: Konsequenter Jugendschutz oder staatliche Überregulierung?

C   Das Tagesprotokoll

Australien beschließt Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren

D   Ganz nah dran!

„Und plötzlich war mein Account weg“ – das neue Offline-Leben des Brian K.

Erwartbar ist, dass die Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Darstellungsformen (Bericht in einem Boulevard-Blatt, Kommentar, seriöser Bericht, Reportage) und ggf. auch Medienformate (Boulevardzeitung, seriöse Tageszeitung, ggf. Nachrichten-Magazine) differenzieren. Es sollten dabei die genannten Begriffe eingeführt und erklärt werden.

Als Boulevardjournalismus wird eine Mischung aus Information und sensationell-emotional aufbereiteten Nachrichten bezeichnet, die hohe Reichweiten erzielen, kommerziell erfolgreich sein bzw. politisch beeinflussen sollen. Auch mit Privatem, Gesellschaftsklatsch, Kriminalität oder Sport wird die Leserschaft vor allem unterhalten. Boulevardzeitungen waren zunächst nur auf der Straße (Boulevard) zu kaufen, nicht bspw. im Abonnement.

Tagesmedien (Zeitungen wie Online-Medien) erscheinen stets mehrmals wöchentlich bis täglich mit dem Anspruch auf Aktualität mit den Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur, Lokales und Sport – oft auch Wissenschaft, Reise, Unterhaltung u.a. Es werden lokale und überregionale Tagesmedien unterschieden, je nach Schwerpunkt der Berichterstattung und der Zielgruppe der Leserschaft.

Nachrichtenmagazine sind oft wöchentlich erscheinende Medien, die für ein breites Publikum aktuelle, vorwiegend politische, aber auch wirtschaftliche, kulturelle und weitere Nachrichten textbetont und illustriert aufbereitet und einordnet.

Problemstellung: Ein Beitrag für …

(ca. 35 Minuten)

Eröffnen Sie den Jugendlichen, dass die vier Zeitungen jeweils einen Beitrag zum Social Media-Verbot für unter 16-Jährige in Australien angefragt haben. Die Nachrichtenagenturen haben bereits Meldungen zu diesem Thema gesammelt (Arbeitsblatt 1). Da der Redaktionsschluss naht, verbleiben nur 25 Minuten, dann müssen die Beiträge fertig sein. Sie haben zugesagt, dass die Top-Journalistinnen und -Journalisten Ihrer Klasse die Beiträge fristgerecht fertigstellen.

Wer welchen Beitrag verwirklicht, wird in der Klasse entschieden. Motivierend ist die freie Auswahl, doch sollte dabei sichergestellt sein, dass jede Darstellungsform etwa dreimal vergeben wird, um später in Kleingruppen arbeiten zu können. Ist eine freie Auswahl nicht erwünscht oder möglich, kann auch vorgegeben oder zugelost werden, wer was tut. Jedoch ist zu bedenken, dass Zuteilungen die Motivation senken können.

Dann erhalten die Lernenden gemäß ihres Medienbeitrags den Auftrag der Chefredaktion (Arbeitsblatt 2) sowie die Rechercheergebnisse (Arbeitsblatt 1). Ein Startsignal läutet die Arbeitszeit ein, die Zeit bis zur Deadline wird ggf. über einen herunterlaufenden Countdown visualisiert. Wer Hilfe benötigt, kann im Laufe des Arbeitsprozesses Tipps und Anregungen (Arbeitsblatt 3) erhalten.

Sollten kurz vor dem Ende viele ihren Beitrag noch nicht fertiggestellt haben, kann eine Verlängerung von fünf Minuten gewährt werden, dann ist der Redaktionsschluss wirklich erreicht!

Sichtung und Auswahl: Der beste Beitrag

(abhängig von Gruppengrößen; ca. 20 Minuten)

Nun geht es darum, die Beiträge aufzuspüren, die am besten gelungen sind und veröffentlicht werden sollen. Anhaltspunkte dafür bietet das Arbeitsblatt 2. Weitere Güte-Kriterien könnten sein: Sind alle W-Fragen beantwortet? Sind die Quellen genannt? Passt die Tonalität zum gewählten Medium? Sind die Fakten korrekt dargestellt oder verzerren sie die Realität?

Es werden Gruppen von bis zu vier Schülerinnen und Schülern pro Zeitung gebildet. Es kommen also zusammen: Gruppe(n) „Der Aufreger“, Gruppe(n) „Die Perspektive“, Gruppe(n) „Das Tagesprotokoll“, Gruppe(n) „Ganz nah dran“.

Die Gruppen erhalten den Auftrag, sich ihre Beiträge in der Redaktionskonferenz gegenseitig vorzustellen und gemeinsam begründet zu entscheiden, welcher Beitrag als bester Beitrag der Gruppe eingereicht werden soll.

Gegebenenfalls kann für diesen Prozess als Hilfestellung auch die jeweilige Unterstützungskarte (Arbeitsblatt 3) ausgegeben werden, die Anforderungen und Charakteristika einer jeden Darstellungsform benennt.

Präsentation und Vertiefung: Die besten Beiträge

(ca. 25 Minuten)

Die jeweils besten Beiträge – oder (bei vielen Gruppen) eine exemplarische Auswahl davon – werden im Plenum vorgestellt. Gut ist es, wenn sie dabei zum Mitlesen auch visualisiert werden können.

Die Gruppen begründen, warum sie den Beitrag ausgewählt haben, etwa: Was ist an dem Beitrag besonders gelungen? (Inwiefern) Wurden alle Anforderungen beachtet? Ist es interessant/Macht es Spaß, den Beitrag zu lesen?

In einer abschließenden Sicherungs- und Vertiefungsphase werden die Charakteristika der unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen gesammelt und visualisiert.

Außerdem sind z.B. folgende Impulse zur Vertiefung sinnvoll:

  • Welches Medium würdest du auswählen, wenn du mehr über dieses Thema wissen möchtest? Warum?
  • Was sind die Stärken der einzelnen Darstellungsformen, was die Schwächen?
  • Überlegt, an wen (welche Zielgruppe) sich die jeweiligen Medien wenden.

Viel Spaß beim Ausprobieren! Schreiben Sie uns gerne, wie es Ihnen in Ihren Klassen ergangen ist.

Hintergrund: Mediennutzung deutscher Jugendlicher – die JIM-Studie 2025

Im November 2025 bestätigten die neuesten Ergebnisse, dass Jugendliche keineswegs uninteressiert an Nachrichten sind: 83 Prozent geben weiterhin an, Interesse an Weltnachrichten und regionalen Geschehen zu haben. Verändert haben sich in den vergangenen Jahrzehnten aber die Informations- und Recherchekanäle: So nutzen inzwischen rund 70 Prozent der Jugendlichen digitale Werkzeuge wie z. B. KI-Tools zur Informationssuche. Etwa die Hälfte der Jugendlichen nutzt Radio oder Fernsehen regelmäßig. Für Zeitungen nennt die aktuelle Studie keine Prozentangaben, tendenziell gibt es hier aber eine deutlich geringere Nutzung im Vergleich zu digitalen Quellen.

Zu den wichtigsten Anwendungen im Alltag junger Menschen in Deutschland gehören Social Media und Messenger-Dienste wie WhatsApp, Instagram, Snapchat und TikTok. Sie werden nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Information genutzt: Rund ein Viertel der 12- bis 15-Jährigen und nahezu die Hälfte der 16- bis 19-Jährigen folgt Influencerinnen und Influencern, die aktuelle Nachrichten und Themen teilen.

Die JIM-Studie ist eine jährlich erscheinende, repräsentative Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, die das Medien-, Informations- und Kommunikationsverhalten von 12- bis 19-Jährigen in Deutschland systematisch erfasst und auswertet.

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Über den Autor

Holger Müller-Hillebrand

Holger Müller-Hillebrand unterrichtet an einem Gymnasium im Rhein-Erft-Kreis (NRW) das Fach Deutsch und bildet Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im Fach Deutsch aus.

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